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Tempelhofer Feld ZLB: Pläne gibt’s, das Geld noch nicht

Wie ein gestrandetes Schiff sieht die ZLB im Entwurf des Berliner Architekten Thomas Kröger und des Büros Kuula Landschaftsarchitekten aus.

Wie ein gestrandetes Schiff sieht die ZLB im Entwurf des Berliner Architekten Thomas Kröger und des Büros Kuula Landschaftsarchitekten aus.

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Senstadt

Noch ist unklar, ob es überhaupt Geld für den Neubau der Zentral- und Landesbibliothek auf dem Tempelhofer Feld gibt, doch die ersten Entwürfe für das Lieblingsprojekt des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) liegen bereits vor. Acht Architekturbüros sind beim Ideenwettbewerb für die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) als Preisträger ausgezeichnet worden, teilte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung am Freitag mit.

Die Preisträger haben sich für die Schlussphase des Wettbewerbs qualifiziert. Bis Ende des Jahres soll der Siegerentwurf gefunden werden. Eine Rangfolge der acht Arbeiten wurde nicht festgelegt. Die Entwürfe sehen sehr unterschiedlich aus: Die einen planen ein Gebäude, das wie ein gestrandetes Schiff wirkt, andere ein terrassenartiges Haus, wieder andere einen strengen kantigen Baukörper. 55 Arbeitsgemeinschaften, Architekten und Landschaftsarchitekten, hatten Entwürfe für die erste Phase eingereicht.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher sagte: „Ich bin sehr zufrieden mit den innovativen Konzepten, die alle eine erste mögliche Antwort geben, welches Potenzial eine Metropolenbibliothek an diesem Ort entwickeln wird.“

Die ZLB ist die größte öffentliche Bibliothek Deutschlands. Sie ist zurzeit auf die Amerika Gedenkbibliothek (AGB) und die Berliner Stadtbibliothek verteilt. Mit dem Neubau sollen die bisherigen Häuser auf einem Standort mit einer Nutzfläche von 52.000 Quadratmetern konzentriert werden. Für den Bau der Bibliothek werden 270 Millionen Euro veranschlagt.

Zwar haben sich SPD und CDU in der Koalitionsvereinbarung auf den Bau der ZLB verständigt, doch werden vor allem innerhalb der CDU immer stärker Zweifel geäußert. „Keine Frage, die ZLB braucht eine Perspektive, die Zeit des Doppelstandorts muss ein Ende haben“, sagte der CDU-Abgeordnete Stefan Evers am Freitag. „Der Wettbewerb für die ZLB kommt jedoch zu einem ungünstigen Zeitpunkt.“ Denn noch sei das Werkstattverfahren über den künftigen Masterplan für das Tempelhofer Feld nicht abgeschlossen. „Es entsteht der Eindruck, als würden nun bereits Tatsachen geschaffen, obwohl eigentlich ergebnisoffen über den Entwurf des Masterplans diskutiert werden sollte“, sagte Evers. „Besser wäre auch hier mehr Dialog gewesen.“

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Scheitern könnte das ehrgeizige Projekt an der Finanzierung. „Wir haben uns zwar in der Koalitionsvereinbarung auf den Bau der ZLB verständigt“, sagte Evers, doch stehe das Projekt unter Finanzierungsvorbehalt. „Wir müssen abwarten, wie angesichts der Kostensteigerungen bei der Sanierung der Staatsoper und beim Bau des neuen Flughafens in Schönefeld in den Haushaltsberatungen überhaupt ausreichend Mittel für die ZLB bereitgestellt werden können“, so der CDU-Abgeordnete.

Die Opposition geht zu dem Bibliotheksprojekt noch stärker auf Distanz. Katrin Lompscher (Linke) sagte, sie betrachte die Planung für die ZLB mit großer Skepsis. Ihre Fraktion habe immer gefordert, dass erst ein aktualisiertes Bedarfsprogramm für die Bibliothek vorgelegt werden müsse. Dies sei aber noch nicht geschehen. Die Fraktionschefin der Grünen Antje Kapek sagte, dass sie den Neubau gänzlich ablehne. „Wir haben genug Bestandsgebäude, die man nutzen kann.“ So ließe sich der Standort an der Amerika Gedenkbibliothek ausbauen oder das bestehende Flughafengebäude für die ZLB nutzen. Der jetzt veranstaltete Ideenwettbewerb sei eine „unsinnige Showveranstaltung“, so Kapek.

Die Organisatoren des Volksbegehrens gegen eine Bebauung des Tempelhofer Feldes zeigten sich „gelassen“ nach der Wettbewerbsentscheidung. „Wenn wir Erfolg haben, ist die Sache sowieso hinfällig“, sagte Felix Herzog, Vorstandsmitglied der „Demokratischen Initiative 100 Prozent Tempelhofer Feld“. „In unserem Gesetzentwurf ist der Bau der ZLB nicht vorgesehen.“