Hart im nehmen: Trotz Extremkälte bleibt dieser Berliner hart fährt weiter Fahrrad. Foto: Getty Images
Hart im nehmen: Trotz Extremkälte bleibt dieser Berliner hart fährt weiter Fahrrad. Foto: Getty Images
Berlin –
Rekordkälte in Berlin und Brandenburg. Zuletzt 1987 fielen die Temperaturen auf ähnlich tiefe Werte wie in der Nacht zu Montag. Meteorologe erwartet für Wochenmitte starken Schneefall. Mit Extremtemperaturen unter -20 Grad ist aber vorerst Schluss. Dafür schneit es ab Mitte der Woche.
Die kälteste Nacht seit 25 Jahren haben Berliner und Brandenburger vom Sonntag zum Montag erlebt. Während in der Bundeshauptstadt durchschnittlich minus 20 Grad Celsius gemessen wurden, fielen die Temperaturen in der Mark noch tiefer, sagte Meteorologe Jörg Riemann vom privaten Wetterdienst Meteogroup Deutschland. Ähnliche Werte seien zuletzt 1987 in beiden Teilen Berlins und den damaligen Bezirken des heutigen Landes Brandenburg gemessen worden.
Der aktuelle Brandenburger Rekord lag den Angaben zufolge in Forst (minus 25) und in Baruth (minus 23 Grad). Potsdam sowie die Flughafengemeinde Schönefeld seien in der Nacht zum Montag von 20 Minus-Graden „erwischt“ worden, sagte Riemann. Der Berliner Rekord sei mit 24 Grad unter Null an der Messstation Kaniswall in Müggelheim auf den Gosener Wiesen (Köpenick) registriert worden. Der Stadtteil Marzahn im östlichen Teil der Stadt kam auf 19 Grad unter Null, Tempelhof im Süden auf 18 Grad Minus.
2. Welche Symptome weisen auf eine Erfrierung hin? „Die ersten Zeichen einer Erfrierung sind Blässe und Taubheitsgefühle“, sagt Hans Georg Dauer, Dermatologe aus Köln. „Wenn man dann von der Kälte in die Wärme kommt, empfindet man meist ein schmerzhaftes Ziehen oder Brennen. Die Haut färbt sich zinnoberrot.“ Je länger die Kälte wirken kann, desto ausgedehnter und schwerwiegender kann das Gewebe geschädigt werden.
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3. Wie erkennt man Erfrierungen? Dauert das Kribbeln der kalten Finger oder Zehen länger an oder bilden sich mit Blut oder Flüssigkeit gefüllte Blasen, dann spricht der Mediziner von einer Erfrierung zweiten Grades. Die Haut ist dann bereits stärker geschädigt. Erfrierungen dritten Grades schließlich führen zur Schwarzfärbung und zum Absterben von Gewebe. Besonders betroffen von Kälteschäden sind die ohnehin schlecht durchbluteten Körperteile. Neben Fingern und Zehen zählen dazu auch Nase und Ohren.
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4. Achtung bei Alkohol Verengte Gefäße können das Erfrieren noch zusätzlich begünstigen. Die Ursachen sind zum Beispiel eine Arterienverkalkung oder Drogenkonsum. Alkohol weitet zwar die Gefäße, ist aber nicht weniger problematisch. Denn der Konsum führt dazu, dass die Zellen stärker durchblutet werden und der Körper viel Wärme abgibt, dadurch werden seine Schutzfunktionen geschwächt.
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5. So schützen Sie Kinder Eltern sollten häufiger die Körpertemperatur ihrer im Schnee spielenden Kinder überprüfen, sowohl an den Händen als auch am Bauch oder am Rücken, empfiehlt Inke Ruhe von der Bundesarbeitsgemeinschaft Mehr Sicherheit für Kinder.
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6. Aufwärmpause Bei ersten Anzeichen einer Erfrierung ist eine Aufwärmpause angesagt. Allerdings sollte sich der Körper langsam an die Wärme gewöhnen. Große Temperaturunterschiede werden als schmerzhaft empfunden. „Die Hände oder Zehen beispielsweise sollten zuerst unter lauwarmes Wasser gehalten werden. Dann wird die Temperatur langsam erhöht“, rät Mediziner Dieter Conrad.
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7. Kalte Hände nicht reiben Selbst bei leichten Erfrierungen sollten die betroffenen Körperteile nicht gerieben werden. „Besser ist es, sich auf die Hände zu setzen oder sie in die Achselhöhlen zu stecken“, sagt Dermatologe Hans Georg Dauer.
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8. Warme Getränke Auch von innen kann man der Kälte entgegensetzen. Heißgetränke wie Tee oder Kakao wärmen den Körper. Auch hier sollte man auf den Schuss Alkohol verzichten.
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9. Wann sollte man zum Arzt? Haben sich bereits Blasen gebildet, die schlecht abheilen, sollte ein Arzt die Wunden versorgen. Ein Mediziner sollte auch zu Rate gezogen werden, wenn mehr als zehn Prozent der Körperoberfläche von der Kälte geschädigt sind oder wenn Erfrierungserscheinungen häufiger auftreten. „Unter Umständen ist dann eine medikamentöse Behandlung mit durchblutungsfördernden Mitteln angesagt“, sagt der Dermatologe Hans Georg Dauer.
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10. Die richtige Kleidung Den besten Schutz vor Erfrierungen bietet wasserfeste, der Temperatur angepasste Kleidung. Dazu gehören warme Strümpfe und gefütterte Schuhe, Handschuhe und Mütze oder Ohrenschützer. Die Gesichtshaut wird durch fettende Creme geschützt. Alternativ können Mund, Ohren und Nase von einem warmen Tuch oder einer Teilmaske bedeckt werden. Nasse Kleidung muss schnell gewechselt werden, sonst droht sie anzufrieren. Diese Gefahr bergen auch Metallteile wie Ohrringe oder Reißverschlüsse. Sie sollten bei Kälte nicht mit der Haut in Berührung kommen.
1. Was passiert bei Erfrierungen? „Wenn Kälte auf den Körper einwirkt, versucht dieser, sich zu schützen und die vorhandene Wärme festzuhalten“, erklärt Dieter Conrad, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Hessen in Neuental. In den Bereichen, die der Kälte stark ausgesetzt sind, verengen sich die Gefäße. Das Gewebe wird weniger durchblutet und mit zu wenig Sauerstoff versorgt. Je länger dieser Zustand andauert, umso mehr werden die Zellen geschädigt. Im Extremfall sterben sie ab.
„Diese tiefen Temperaturen waren aber vorerst der Höhepunkt“, betonte Riemann. In der Nacht zum Dienstag würden in der Region „nur noch“ 14 bis 17 Grad Minus erreicht. Bis zum Donnerstag stiegen die Tageswerte auf minus drei, minus vier Grad, auch nachts bewegten sich die Minustemperaturen im einstelligen Bereich. Für das Ende der Woche kündigte Riemann erneut eisige Kälte an: „Ab der Nacht zum Freitag rutschen die Minuswerte aber wieder in den Keller.“ Er rechne mit 20 Grad Minus in der Nacht von Freitag zum Samstag.
Licht und Schatten: Die gefährliche Schönheit der Kälte
Schöner als ein Gemälde zieren Eisblumen die Fenster.
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Dick eingemummelt genießen viele Menschen den verwandelten Lebensraum. Auf dem Schlachtensee kann man wandern und schliddern.
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Das Tempelhofer Feld ist eine Eisfläche, dennoch zieht es viele dorthin.
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Der Stillstand mancher Verkehrsmittel, hier zweier Boote auf der Spree, bringt Ruhe in die Stadt.
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Doch für viele Menschen in Berlin ist die Eiseskälte eine Gefahr für Leib und Leben. Wer keine Wohnung hat, keine Heizung und kein Bett, ist ihr schutzlos ausgeliefert.
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Die Berliner Kältehilfe, die Obdachlose mit Tee, Kleidern versorgt und sie in Notunterkünfte bringt, hat viel zu tun.
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Doch die Nachfrage in den Notunterkünften übersteigt das Angebot weit.
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Es gibt viel mehr Frierende als Betten.
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Jeder kann helfen: Schlafsäcke können Leben retten.
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Denn hunderte Berliner können keine Heizung aufdrehen.
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Und eine Mütze reicht nicht mehr bei zweistelligen Minustemperaturen auch am Tage.
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Es gibt zwar sogar kleine offene Feuer in der Stadt, wie hier am Alexanderplatz.
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Doch nichts wärmt besser als etwas Warmes im Magen. In der Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo können Obdachlose essen.
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Es soll vorerst nicht wärmer werden.
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Der Frost setzt sich fest. Kantig, schroff, eiszeitlich gibt sich die Spree.
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Die Enten am Tegeler Hafen nehmen es mit dem Eis auf.
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Die Spatzen stärken sich am Meisenknödel.
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Schön und schrecklich zugleich herrscht die Kälte über die Stadt.
Bereits zur Wochenmitte sei mit stärkeren Niederschlägen zu rechnen. „Am Dienstagnachmittag wird es nur im Süden Brandenburgs schneien“, sagte der Meteorologe. Aber bereits am Donnerstag sei mit reichlich Schnee zu rechnen. Der Experte sprach von mehreren Zentimetern, die dann in der gesamten Mark und in Berlin liegen bleiben.
Neuer Rekord für Potsdam
Die Potsdamer Regionalzentrale des staatlichen Deutschen Wetterdienstes verzeichnete weitgehend identische Messwerte. „An der Station Potsdam wurde die bisherige Rekordmarke von minus 18,8 Grad Celsius aus dem Jahr 1917 geknackt“, hieß es am Montag in einer Mitteilung. Am späteren Morgen seien die Werte sogar auf 19,6 Grad Celsius gesunken. Für Cottbus meldete der Dienst mit 21,8 Grad Minus ebenfalls eine neue Rekordmarke in der Langzeitbeobachtung. (dapd)
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