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Berliner Zeitung | Testverkostung für Schulessen: Zu wenige Köche für Berlins Kinder
30. October 2013
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Testverkostung für Schulessen: Zu wenige Köche für Berlins Kinder

Wäre schön, wenn’s schmeckt: Nach den Winterferien soll das Schulessen besser werden.

Wäre schön, wenn’s schmeckt: Nach den Winterferien soll das Schulessen besser werden.

Foto:

Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Auf kleinen weißen Tellern werden die beiden Probegerichte auf dem Tisch im Bürgersaal des Rathauses Zehlendorf serviert. Die Viertklässlerinnen Anni und Janne probieren den Rindsgulasch mit Kartoffeln. Dazu gibt es einen kleinen Salat. „Die Kartoffeln sind etwas hart“, sagt Anni. Die beiden Viertklässlerinnen gehören zum Essensausschuss der Zehlendorfer Zinnowald-Grundschule. Sie fanden ihr bisheriges Schulessen nicht immer gut. „Besonders schlecht fand ich Reis mit zermatschtem Fisch“, sagt Anni.

Diese Essensausschüsse, die maximal aus sechs Lehrer- oder Elternvertretern und höchstens drei Schülern bestehen, bewerten die dargebotenen Speisen der verschiedenen Essensanbieter. Macht der Salat einen frischen Eindruck? Ist das Fleisch zäh? Sieht alles appetitlich aus?

Doch an diesem Mittwoch zeigt sich, dass Caterer sich an vielen Schulen gar nicht bewerben. So gab es allein in Steglitz-Zehlendorf an vier Schulen nur einen Anbieter, wie Stadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) bestätigt. Wie zum Beispiel an der Grundschule am Insulaner. Insgesamt boten im Bezirk überhaupt nur fünf Caterer mit. Im weitläufigen Bezirk Treptow-Köpenick machten sogar nur vier Essensanbieter mit, dort und in Marzahn-Hellersdorf gab es bei einzelnen Förderschulen keine einzige Bewerbung. Einen Wettbewerb um das beste Essen würde man sich anders vorstellen.

„Der große Run auf Berlin ist ausgeblieben“, erklärt Rolf Hoppe vom Verband der Schulcaterer. „Alle Anbieter haben Angst, sich zu übernehmen.“ Allein große Schulen mit vielen Essern seien generell attraktiv, sagt Hoppe, der den Essensanbieter Luna betreibt. Besonders günstig sei es, wenn die Ausgabeküche gut ausgestattet und zentral gelegen ist. „Dann können wir mit hoher Schlagzahl arbeiten.“ Wenn hingegen die Essensausgabe innerhalb einer Schule auf zwei Gebäude verteilt sei, brauche man mehr Personal zur Essensausgabe. Und das sei nun mal teuer, zumal ein Mindestlohn von 8,50 Euro gezahlt werden müsse.

Kündigungen möglich

Die meisten Caterer, nämlich 14, bewarben sich in Friedrichshain-Kreuzberg. Hier sind die Anfahrtswege kurz, auch kleinere Firmen haben hier ihre Küchen. Doch selbst dort gab es an vier Schulen offenbar nur einen Bewerber. Klaus Kühn vom Caterer „Drei Köche“ bewirbt sich in mehreren Bezirken. Aber nicht mehr in Spandau, zu lang sind Anfahrtswege von seinen Küchen. „Die vorgeschriebene Warmhaltezeit des Essens von maximal drei Stunden ist dann nur schwer einzuhalten“, sagt er.

Wird die Qualität des Essens aber tatsächlich besser? „Wir können jetzt generell Essen mit drei oder vier Komponenten anbieten“, sagt Hoppe. Früher habe man meist ein besonders preiswertes Gericht anbieten müssen wie Grießbrei oder Eintopf.

„Wichtig ist, die Einhaltung der Essensqualität fortlaufend zu kontrollieren“, sagt Cornelia Partmann vom Landeselternausschuss. Hier sollen die Essenausschüsse weiter eine Rolle spielen, vor allem aber soll eine Landesstelle aus vier Mitarbeitern geschaffen werden, die das Essen permanent überprüft. So etwas ist bisher nicht geschehen. Die neuen Verträge haben eine Laufzeit von gut drei Jahren. Neu ist aber, dass die Bezirke einem Caterer auch zwischendurch kündigen können.

Erst Mitte Januar wissen die Caterer definitiv, wo sie den Zuschlag erhalten. Doch Februar soll es losgehen. „Die Anbieter haben praktisch nur die Winterferien, um in den Schulen ein- und auszuziehen“, sagt Hoppe. Vielen wäre ein Wechsel während der Sommerferien lieber gewesen. Jetzt wisse er erst spät, ob und wie viele neue Edelstahltöpfe und weiteres Kochgerät er zusätzlich benötigt.