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Tierschutz: Wolf erschossen und geköpft

Es ist streng verboten, Wölfe zu schießen. Sie stehen europaweit unter Naturschutz.

Es ist streng verboten, Wölfe zu schießen. Sie stehen europaweit unter Naturschutz.

Foto:

Carina Vogel

Lieberose -

Ein wenig sieht es aus wie eine Provokation: In der Nähe des ehemaligen Truppenübungsplatzes bei Lieberose (Dahme-Spreewald) hat jemand einen Wolf erschossen. Eigentlich stehen diese Tiere europaweit unter strengstem Schutz. Dass jemand das Tier trotzdem erlegt hat, gilt als Straftat, die mit Geldbußen bis zu 50.000 Euro geahndet wird. Wenn jemand illegal ein geschütztes Tier tötet, halten sich die Täter meist an die 3-S-Regel: „Schießen-Schaufeln-Schweigen“.

Dass der erlegte Wolf diesmal im Straßengraben neben einer Bundesstraße lag – und dann auch noch genau unter einem Schild mit der Aufschrift „Naturschutzgebiet“ –, sehen Naturschützer als eindeutige Provokation. Außerdem hatte der Täter dem Wolf auch noch den Kopf abgetrennt. Seit Jahren gibt es Leute, die die Angst vor dem Rückkehr des Wolfs schüren und die weitere Ausbreitung dieser Raubtiere gern verhindern wollen.

Das Tier wurde auf einem Areal der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg gefunden. Dabei handelt es sich um einen riesigen ehemaligen Truppenübungsplatz, der sich nun wieder zur Wildnis werden soll und auf dem seit 2009 wieder Wölfe heimisch sind. „Wir wollen, dass sich Tiere und Pflanzen auf einer möglichst großen Fläche möglichst ungestört vom Menschen entwickeln können“, sagte Stiftungssprecherin Anika Niebrügge. Die Stiftung hat in ihrem Wildnisprogramm insgesamt vier Truppenübungsplätze mit 12.000 Hektar.

Wolfskopf als Jagdtrophäe

Nach dem Abschuss hat die Stiftung nun Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Cottbus gestellt. „Der Wolf steht unter strengem nationalen und internationalen Schutz“, sagte Andreas Piela von der Stiftung. „Das Verletzen und Töten von Wölfen als Verstoß gegen das Artenschutzrecht stellt einen Straftatbestand dar.“

Das tote Tier wurde bereits am 7. August von einem Radfahrer gefunden, der auf der Bundesstraße B168 entlang fuhr und das kopflose Tier im Straßengraben sah. Der Radler informierte das Forstamt Peitz über den „deutlich riechenden Kadaver“ – wie es im Fundbericht heißt. Am nächsten Tag wurde das Tier im Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) obduziert. Dabei wurde zweifelsfrei fest gestellt, dass der Wolf an einer Schussverletzung gestorben ist. Dass der Kopf des Tieres erst nach dem Abschuss abgetrennt wurde und dass der Wolf ein erwachsenes Männchen von etwa zwei bis drei Jahren war.

Nun wird davon ausgegangen, dass der Täter ein Sammler sein könnte, der den abgetrennten Wolfsschädel als Trophäe haben wollte. „Die Tatsache, dass der Wolf enthauptet und so abgelegt wurde, dass man ihn gut finden konnte, zeugt davon, dass da jemand am Werk war, der die Öffentlichkeit provozieren möchte“, sagte Robert Franck vom Landesjagdverband. „Wir hoffen, dass am Ende dieser Provokation eine rechtskräftige Verurteilung des Straftäters steht.“

Eine andere Variante gilt als eher unwahrscheinlich: Dass ein Schütze das Tier erlegt und in den Straßengraben geworfen hat und ein Trophäensammler später den Kadaver fand und den Kopf abtrennte.

„Ich finde diesen Abschuss wirklich verwerflich“, sagte der Präsident des Landesumweltamtes Matthias Freude. „Aber es wird den Wolf bei uns nicht wieder ausrotten.“

Nabu fordert Ermittlungen

Anfang der 90er-Jahre wanderten aus Polen die ersten Wölfe über Sachsen nach Brandenburg ein. Inzwischen gibt es landesweit 100 Wölfe. Sie leben in 13 Rudeln, das bedeutet, es gibt bereits Jungtiere. Dazu kommen fünf Wolfspaare und einige Einzeltier. Die Tiere sind äußerst scheu und leben meist zurückgezogen auf ehemaligen Truppenübungsplätzen oder Tagebaurestlöchern. Trotzdem reißen die Raubtiere auch immer wieder Schafe und andere Haustiere. Deshalb zahlt die Landesregierung extra Geld, damit die Tierhalter ihre Weiden besser vor den Raubtieren schützen können.

Bundesweit wurden seit der Rückkehr des Wolfes in den 90er-Jahren zwölf Wölfe illegal erschossen. Im Land Brandenburg wurde 36 tote Wölfe gefunden, 25 starben durch Verkehrsunfälle, fünf durch Krankheiten oder die Ursache ist unklar – sechs wurden nachweislich erschossen: drei davon 1991, einer 1994, dann noch einer 2007, und nun der Wolf in Lieberose.

Der Naturschutzbund (Nabu) fordert nun, dass beim Landeskriminalamt eine Ermittlungsstelle eingerichtet wird, die immer dann aktiv wird, wenn Wilderer oder Jäger gegen den Artenschutz verstoßen. „Denn immer wieder werden auch andere geschützten Arten wie beispielsweise Biber, Kormoran oder Kranich aufgefunden, die den Verdacht nahe legen, dass sie mit Vorsatz getötet wurden“, so Katharina Weinberg vom Nabu.

Bei den zwölf Fällen, bei denen bundesweit ein Wolf erschossen wurde, konnten nur drei Täter ermittelt und bestraft werden. Sollte der Täter gefasst werden, droht ihm nicht nur eine hohe Geldstrafe, sondern – wenn es ein Jäger sein sollte – auch die wahre Höchststrafe für einen Waidmann: der Entzug der Jagdlizenz.