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Berliner Zeitung | Tierschutzbeauftragter will Verbot von Wildtieren in Zirkussen forcieren
07. March 2016
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Tierschutzbeauftragter will Verbot von Wildtieren in Zirkussen forcieren

Elefant in der Manege

Elefanten sind in vielen Zirkusmanegen Teil des Programms - hier zum Beispiel beim Circus Krone.

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imago/Future Image

Elefanten seien intelligente Riesen und die Besucher, die sich die Tiere im Circus Busch anschauen, würden „eine nie gesehenen Verständigung und Zuneigung“ zwischen den Tieren und ihrem Betreuer Hardy Scholl erleben – „imposant, kreativ und spielerisch“. So wirbt der Berliner Familienbetrieb Circus Busch für seine Darbietungen mit zwei indischen Elefanten. Auch sechs bis sieben Kamele sind dabei, wenn Circus Busch ab der kommenden Woche zu seinen Vorstellungen in die Pankower Granitzstraße einlädt.

Doch so imposant und spielerisch scheint das Zirkusleben für Wildtiere gar nicht zu sein. Seit vielen Jahren fordern Tierschützer und Tierärzte, dass Wildtiere in Zirkussen verboten werden. „Mit Dreizack, Peitsche, Elektroschock und anderen Foltermethoden werden den Tiere von den Dompteuren die Tricks eingeprügelt. Eine Raubtiernummer ohne Stromschlaggerät oder Dreizack gibt es nicht“, schreibt die Tierrechtsorganisation „Die Tierbefreier“. Bären auf Schlittschuhen, der Elefant, der Kopfstand macht oder der Löwe, der mit anderen Tieren eine Pyramide baut – das alles seien „entwürdigende Mätzchen“.

Zirkuslöwe

Zuschauer freuen  sich über die Kunststücke eines Löwen.  Tierschützer kritisieren, das  einstudierte Programm entspräche nicht seinem natürlichen Verhalten.

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Andrea Izzotti - Fotolia

Die Amtstierärztin von Spandau, Diana Plange, berichtet von „abgemagerten und ungepflegten Tieren“ in den Zirkusunternehmen: Kamele mit Räude, angekettete Elefanten und schwer verhaltensgestörte Tiere. Plange sagt: „Bestimmte Wildtierarten gehören keineswegs in den Zirkus. Ein guter Zirkus kommt auch ohne Tiere aus.“

Obwohl dem Berliner Senat diese Argumente und Forderungen bekannt sind, hat die Landesregierung sich in den vergangenen Jahren nicht darum gekümmert, ein berlinweites Verbot von Wildtieren in Zirkussen durchzusetzen. Allein zuständig seien die Veterinärämter in den zwölf Bezirken, heißt es.

Dabei hatte bereits 2010 die frühere Senatorin Katrin Lompscher (Linke) ein solches Verbot gefordert. Sie regte auch an, dass in Berlin öffentliche Flächen nicht mehr an Zirkusse vermietet werden, die Affen, Elefanten, Giraffen, Raubkatzen Nashörner und andere Wildtiere halten. „Es hat sich seitdem niemand mehr darum gekümmert“, sagt Berlins Tierschutzbeauftragter Horst Spielmann. Am heutigen Montag hat Spielmann Gesprächstermine in der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz. Er wird mit den Zuständigen dort auch darüber reden. „Berlin braucht endlich eine einheitliche Regelung“, sagt Spielmann.

Das hat jetzt wohl auch der Senat erkannt. Auf Anfrage der Berliner Zeitung teilte die Sprecherin von Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) am Freitag mit, der Senat werde sich der hessischen Bundesratsinitiative anschließen. Hessen fordert, dass es künftig verboten ist, bestimmte wildlebende Arten im Zirkus zu halten. Den Antrag hat der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier Anfang Februar diesen Jahres an den Präsidenten des Bundesrates Stanislaw Tillich geschickt.

Eine Entscheidung auf Bundesebene hat Steglitz-Zehlendorf nicht abgewartet. Als erster Berliner Bezirk hat das Bezirksparlament dort Ende Februar beschlossen, künftig keine Flächen mehr an Zirkusse mit Wildtieren zu vermieten. Konkret geht es um Affen, Löwen, Tiger und Elefanten, aber nicht um Hunde und Pferde. Auch in Charlottenburg-Wilmersdorf werde nun darüber diskutiert, kündigt Stadtrat Marc Schulte (SPD) an.

In Pankow hingegen sehe man keine Möglichkeit, Wildtiere zu verbieten, sagt Stadtrat Torsten Kühne (CDU). „Wir haben keine rechtliche Handhabe.“ In Bezug auf das Gastspiel von Circus Busch sagte Kühne, der Zirkus stehe auf einer privaten Fläche. Mitarbeiter des Veterinäramtes würden dennoch überprüfen, ob die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes eingehalten würden. „Bisher konnten wir keine Verstöße feststellen“, sagt er. „Um Wildtiere im Zirkus grundsätzlich zu untersagen, dafür fehlt die gesetzliche Grundlage.“

Die Zirkusfamilie Busch reagiert indes mit Unverständnis. „Wir haben nichts gegen Tierschutz. Aber bitte dort, wo es angebracht ist“, teilte Zirkusdirektor Hardy Scholl der Berliner Zeitung mit. „Die Tiere gehören zum Zirkus wie das Zelt und die Sägespäne.“

Scholl sagt: „Das, was wir machen, ist nicht unser Job, es ist unser Leben. Und da unsere Tiere zur Familie und zu unserem Leben gehören, ist es für uns undenkbar, unsere Tiere nicht mehr mit im Circus mitführen zu können.“ Und vor allem Kinder würden in einem Zirkus Auftritte von Tieren erwarten.