04.01.2012

Tom Hanks: "Iron-Hut-City" bei Letterman

Von Katrin Bischoff und Sabine Rennefanz

Kathrin Henck kann sich noch gut daran erinnern, als ein „ganz normaler Anrufer“ bei ihr eine Führung für zwei Amerikaner buchte und dann irgendwann eine E-Mail kam, in der stand, dass einer der Amerikaner Tom Hanks sein werde. „Wir haben hier natürlich alle gedacht, das ist ein Scherz“, erzählt die 46-Jährige. Selbst als Hanks vor der Tür der Touristinformation stand, erkannte ihn niemand. Doch dann, als er Brille und Mütze abnahm war klar, er war es wirklich. „Hier herrschte helle Aufregung. Ich habe kein Wort herausbekommen, nicht auf Deutsch und auch nicht auf Englisch“, sagt Kathrin Henck. Schließlich stand da einer der „weltbekanntesten Männer der Welt“, wie sie sagt. „Das ist jetzt nur noch von Barack Obama zu toppen.“

Zwei Stunden ließ sich Hanks durch die Stadt führen. „Er war total interessiert an der Architektur“, erzählt Kathrin Henck. Auch im Rathaus schaute der Filmstar vorbei, schüttelte der überraschten Frau „Börgermeister“ die Hand. „Ein absoluter Glücksfall“, sagt Stadtsprecherin Kathrin Heyer. Und mit der Letterman-Show habe Tom Hanks den Namen Eisenhüttenstadts in die ganze Welt getragen. Vielleicht würden jetzt US-Bürger, die in Deutschland sind, auch mal in Eisenhüttenstadt vorbeikommen.

Eine "Truman Show der DDR"

Die einst erste sozialistische Stadt zieht schon seit einiger Zeit ausländische Touristen an. Der englischsprachige Reiseführer Time Out Berlin (Ausgabe 2004) beispielsweise schreibt, die Stadt sei eine Art „Truman Show der DDR“.

Der Londoner Journalist Matthew Tempest, der einen Architekturblog betreibt, interessierte das. Er besuchte die Stadt vor eineinhalb Jahren – und war wie auch jetzt Tom Hanks begeistert. Er spüre, wie sich das Leben vor 1989 angefühlt hat. „Besonders wenn man durch die Haupteinkaufsstraße spaziert, fühlt man sich wie in einer Zeitkapsel, die Architektur mit den Wohnblöcken aus Stalins Zeiten wirken nahezu unberührt seit dem Fall der Mauer“, sagt der 38-Jährige. Er lobt auch das Museum für Alltagskultur, in dem ein Überblick über das Leben in der DDR gegeben wird. „Endlich mal etwas Anderes als Stasi-Geschichten.“

Doch nicht nur für Touristen war der Besuch von Tom Hanks wichtig, sagt Stadtsprecherin Kathrin Heyer. Er stärke das Selbstwertgefühl einer gebeutelten Stadt. Die Einwohnerzahl sinke seit Jahren. Lobende Worte eines Stars, so etwas könne Eisenhüttenstadt gut gebrauchen.

Ins Goldene Buch der Stadt konnte sich Hanks nicht eintragen. Weil es dazu einer Absprache der Bürgermeisterin mit dem Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung bedurft hätte. Das sei in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen, hieß es. Das Knöllchen wegen einer fehlenden Parkscheibe am Auto aber braucht der Filmstar nicht zu bezahlen. Den Strafzettel habe wohl der Wind weggeweht.

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