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Tom Hanks: "Iron-Hut-City" bei Letterman

In der Late Show rätseln Tom Hanks (l.) und Talk-Ikone David Letterman, was es mit diesem Straßenschild aus Eisenhüttenstadt auf sich hat. Ergebnis: Es kann sich nur um ein Hundeverbotsschild handeln.

In der Late Show rätseln Tom Hanks (l.) und Talk-Ikone David Letterman, was es mit diesem Straßenschild aus Eisenhüttenstadt auf sich hat. Ergebnis: Es kann sich nur um ein Hundeverbotsschild handeln.

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CBS/youtube.com

Er kam als normaler Tourist. Die Wollmütze tief ins Gesicht gezogen, mit großer Brille auf der Nase und sichtlich verschnupft, stapfte Filmstar Tom Hanks zunächst fast unerkannt durch Eisenhüttenstadt. Das war im Dezember. Hanks hatte eine Pause bei den Dreharbeiten zu seinem neuen Film „Cloud Atlas“ für einen Ausflug von Berlin in die einstige sozialistische Modellstadt genutzt. Doch der 55-jährige Oscar-Preisträger behielt seine Begeisterung für „Eisenhuttenstadt“ nicht für sich. Jetzt schwärmte Hanks vor einem amerikanischen Millionenpublikum von der „Iron-Hut-City“ – bei keinem geringeren als dem wohl bekanntesten US-Talkmaster David Letterman.



Minutenlang sprach Hanks, der sich schon wegen seines geplanten Films über den amerikanischen Sänger und Schauspieler Dean Reed für Ostdeutschland interessiert, in der Show aus New York über seinen Ausflug. „Eisenhuttenstadt, was ist das?“, fragte Letterman. Das sei eine Modellstadt, die von den Kommunisten erbaut worden sei, sagte Hanks. Sie habe den Menschen „the great and wonderful life“ im Sozialismus zeigen sollen. Und er fügte hinzu, dass die Menschen dort leben, arbeiten, tanzen, einkaufen und das Leben lieben konnten. „Ein wunderbarer Ort“, sagte er. In dem viel erneuert worden sei.

Orangen und Socken

Hanks beschrieb seinen Rundgang durch vier der sieben Wohnkomplexe, nannte seinen Stadtführer „sehr nett“ und zeigte Fotos. Von einer Kaufhalle etwa. Dort, erzählte er, habe es früher zu Weihnachten Orangen und im Frühling vietnamesische Socken gegeben. Der Schauspieler übersetzte auch den Namen der Stadt in „Iron-Hut-City“ oder „Iron-Work-City“. Und spekulierte dann gemeinsam mit Letterman, was es wohl mit einem Verkehrszeichen in Eisenhüttenstadt auf sich haben könnte – ein Spielstraßen-Schild.

Vermutlich, sagte Hanks heiter, handele es sich um ein kommunistisches Hundeverbotszeichen. Weil das Schild zeigt, was erlaubt ist: ein Kind, ein Auto und ein Haus. Nur ein Hund fehlt. Als das Studiopublikum lachte, lenkte Hanks ein: „Nein, ich mache nur Spaß.“ Er habe eine großartige Zeit gehabt. Und er wolle wiederkommen nach „Eisenhuttenstadt“.

Acht Millionen Amerikaner sahen die Talkshow. „Eine bessere Werbung für die Stadt können wir uns nicht vorstellen“, sagt Kathrin Henck, die Geschäftsführerin des Tourismusvereins in Eisenhüttenstadt. Auf der Internetseite des Vereins gibt es bereits einen Link zum Letterman-Video. Und ein Foto zeigt: Frau Henck trifft Herrn Hanks.

Kathrin Henck kann sich noch gut daran erinnern, als ein „ganz normaler Anrufer“ bei ihr eine Führung für zwei Amerikaner buchte und dann irgendwann eine E-Mail kam, in der stand, dass einer der Amerikaner Tom Hanks sein werde. „Wir haben hier natürlich alle gedacht, das ist ein Scherz“, erzählt die 46-Jährige. Selbst als Hanks vor der Tür der Touristinformation stand, erkannte ihn niemand. Doch dann, als er Brille und Mütze abnahm war klar, er war es wirklich. „Hier herrschte helle Aufregung. Ich habe kein Wort herausbekommen, nicht auf Deutsch und auch nicht auf Englisch“, sagt Kathrin Henck. Schließlich stand da einer der „weltbekanntesten Männer der Welt“, wie sie sagt. „Das ist jetzt nur noch von Barack Obama zu toppen.“

Zwei Stunden ließ sich Hanks durch die Stadt führen. „Er war total interessiert an der Architektur“, erzählt Kathrin Henck. Auch im Rathaus schaute der Filmstar vorbei, schüttelte der überraschten Frau „Börgermeister“ die Hand. „Ein absoluter Glücksfall“, sagt Stadtsprecherin Kathrin Heyer. Und mit der Letterman-Show habe Tom Hanks den Namen Eisenhüttenstadts in die ganze Welt getragen. Vielleicht würden jetzt US-Bürger, die in Deutschland sind, auch mal in Eisenhüttenstadt vorbeikommen.

Eine "Truman Show der DDR"

Die einst erste sozialistische Stadt zieht schon seit einiger Zeit ausländische Touristen an. Der englischsprachige Reiseführer Time Out Berlin (Ausgabe 2004) beispielsweise schreibt, die Stadt sei eine Art „Truman Show der DDR“.

Der Londoner Journalist Matthew Tempest, der einen Architekturblog betreibt, interessierte das. Er besuchte die Stadt vor eineinhalb Jahren – und war wie auch jetzt Tom Hanks begeistert. Er spüre, wie sich das Leben vor 1989 angefühlt hat. „Besonders wenn man durch die Haupteinkaufsstraße spaziert, fühlt man sich wie in einer Zeitkapsel, die Architektur mit den Wohnblöcken aus Stalins Zeiten wirken nahezu unberührt seit dem Fall der Mauer“, sagt der 38-Jährige. Er lobt auch das Museum für Alltagskultur, in dem ein Überblick über das Leben in der DDR gegeben wird. „Endlich mal etwas Anderes als Stasi-Geschichten.“

Doch nicht nur für Touristen war der Besuch von Tom Hanks wichtig, sagt Stadtsprecherin Kathrin Heyer. Er stärke das Selbstwertgefühl einer gebeutelten Stadt. Die Einwohnerzahl sinke seit Jahren. Lobende Worte eines Stars, so etwas könne Eisenhüttenstadt gut gebrauchen.

Ins Goldene Buch der Stadt konnte sich Hanks nicht eintragen. Weil es dazu einer Absprache der Bürgermeisterin mit dem Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung bedurft hätte. Das sei in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen, hieß es. Das Knöllchen wegen einer fehlenden Parkscheibe am Auto aber braucht der Filmstar nicht zu bezahlen. Den Strafzettel habe wohl der Wind weggeweht.

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