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Tourismus: Für 220 Euro von Tegel nach Mitte

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Taxi am Alexanderplatz: Noch hat die Branche einen guten Ruf.
Taxi am Alexanderplatz: Noch hat die Branche einen guten Ruf.
 Foto: Imago
Berlin –  

Betrügerische Taxifahrer kassieren ahnungslose Berlin-Touristen ab. Die Branche schlägt Alarm. Sie haben sich auf Touristen spezialisiert, die gerade am Flughafen Tegel angekommen sind. Manche Taxifahrer verlangen das Dreifache des normalen Preises von den Berlin-Neulingen.

Für ahnungslose Touristen kann Berlin ganz schön teuer sein. 53,50 Euro verlangte ein Taxifahrer für die Tour vom Flughafen Tegel zum Lützowplatz – dreimal so viel wie sonst. Ein anderer Berlin-Neuling, der sich ebenfalls von Tegel zum Hotel Berlin chauffieren ließ, sollte 88 Euro hinlegen. Einer Spanierin wollte der Taxifahrer, der sie gerade nach Mitte gebracht hatte, sogar fast 220 Euro abknöpfen.

Betrügerische Taxifahrer, die sich auf gerade in Tegel eingetroffene Touristen spezialisiert haben, bringen den guten Ruf der Branche in Gefahr. „Und den guten Ruf Berlins. Das ist sehr peinlich für unsere Stadt“, sagt Stephan Berndt von Taxi Deutschland. „Die Flughafenmafia geht immer dreister vor“, klagt Detlev Freutel vom Taxi Verband Berlin Brandenburg (TVB).

Der Betrug beginnt am Flughafen Tegel immer auf dieselbe Art: Die kriminellen Chauffeure ignorieren den Taxi-Wartebereich und fahren verbotenerweise gleich zum Innenring weiter. Abseits der offiziellen Taxi-Ladezone, meist vor den Gates 10 bis 15, halten sie und sprechen Touristen an. Sitzen die Berlin-Neulinge im Taxi, dankbar über so viel Hilfsbereitschaft, steht der Abzocke nichts im Wege.

Selbst Detlev Freutel, der mit seinem Taxi-Unternehmen schon lange im Geschäft ist, staunt darüber, wie dreist die Betrüger vorgehen. Jüngst erfuhr der TVB-Vorsitzende von einem neuen Trick.

Doppelter Fahrpreis

„Am Mittwoch bekamen wir einen Anruf vom Hotel Hilton am Gendarmenmarkt. Dort war gerade ein Geschäftsmann aus dem Ausland aus dem Taxi gestiegen. Auf der Uhr hatte 36 Euro gestanden – und dann sagte der Fahrer, dass das nur die erste Hälfte des Preises sei“, so Freutel. Der Mann sollte das Doppelte des angezeigten Betrags zahlen, das sei in Berlin so üblich. Normalerweise werden für diese Tour statt 72 nur 25 Euro fällig.

Meist aber bleibt der Taxameter aus, ebenfalls mit merkwürdigen Begründungen. „Ein Fahrgast bekam zu hören, dass es sich um einen speziellen Taxameter handele, das erst am Ende der Fahrt in Aktion trete“, sagt der TVB-Chef. Am Ziel drückte der Chauffeur eine Taste. Auf dem Gerät leuchtete ein Preis auf, der zu hoch war. Kein Wunder: Er stammte von der vorangegangenen Tour – was der Fahrgast nicht wissen konnte.

Einigen Touristen schwant, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht. Sie verlangen eine Quittung. Doch auf dem Zettel, den sie dann bekommen, steht weder ein Firmenstempel noch eine Konzessionsnummer, die Unterschrift ist unleserlich. Zwar klebt die Nummer auch auf der Heckscheibe. Doch nicht selten fahren die Betrüger mit hochgeklapptem Kofferraumdeckel weg, damit der Fahrgast sie nicht notieren kann.

Für Kontrollen fehlt Personal

Viele Berlin-Besucher schöpfen jedoch zunächst keinen Verdacht. Sie haben anderswo die Erfahrung gemacht, dass Taxifahrten vom Flughafen in die Innenstadt teuer sind. In Oslo zum Beispiel werden dafür umgerechnet 87 Euro fällig, ab London-Heathrow 50 bis 80 Euro. „Erst wenn die Touristen zum Flughafen Tegel zurückfahren und weniger zahlen müssen, merken sie, dass sie betrogen worden sind“, so Berndt. Hotels bestellen Taxis bei den Funkzentralen, mit deren Partnerunternehmen gibt es meist keine Tarifprobleme. Freutel: „Unsere Branche leistet gute Arbeit, unser Ruf ist gut – noch.“

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