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Traditionshaus in Berlin-Friedrichshagen: Kino Union eröffnet zwei neue Säle

Seit 1923 werden in dem Haus an der Bölschestraße 69 Filme gezeigt.

Seit 1923 werden in dem Haus an der Bölschestraße 69 Filme gezeigt.

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Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Es sei doch toll, sagt Ingeborg Walter, dass sie Kultur gleich nebenan im Kiez erleben könne und dafür nicht extra in die Stadt fahren muss. Die 73-Jährige aus Friedrichshagen ist ganz offenkundig nicht allein mit dieser Meinung: Es ist Mittwoch, gegen 9.30 Uhr, und im Foyer des Kinos Union an der Bölschestraße stehen sie Schlange.

Am Tresen, über dem in gelben Buchstaben der Schriftzug „Filmtheater“ leuchtet, gibt es für jeden ein Stück Kuchen und ein Glas Tee oder Kaffee. Ab 10 Uhr herrscht Ruhe, dann läuft nebenan im Saal, dessen 163 Plätze fast alle besetzt sind, die französische Komödie „Unter Freunden“. Das wöchentliche Seniorenkino ist einer der Renner im Traditionshaus am südöstlichen Stadtrand.

Schallschutz für 150.000 Euro

Aus dem hinteren Teil des Hauses dringen an diesem Vormittag ganz andere Töne, die nichts mit Film zu tun haben. Handwerker bohren Löcher, schrauben hier und da etwas fest und bringen Lampen an. In wenigen Tagen muss alles fertig sein, am Abend des 18. Februar ist die große Eröffnungsparty geplant.

Dann wird im Kino Union der Anbau mit zwei neuen Sälen eingeweiht. Matthias Stütz, der 44-jährige Chef des Hauses, zeigt stolz, was er und sein Team in zwei Jahren geschafft haben: „Wir haben dann Platz für insgesamt 217 Gäste und können in allen drei Sälen drei Vorstellungen täglich zeigen“, sagt er.

Der Anbau mit den beiden neuen Sälen wurde für insgesamt eine Million Euro hinterm Haus auf den Hof gesetzt. Zwei Außenwände, eine aus Ziegeln und eine aus Stahlbeton, schützen die nahe Nachbarschaft vor Lärm. Allein dieser Schallschutz hat 150.000 Euro gekostet.

Durchs Foyer gelangt man in den größeren neuen Saal, der 87 Plätze hat. Dort sollen künftig Blockbuster laufen. „Am 19. Februar beginnen wir dort mit dem neuen George-Clooney-Film ,Hail Caesar‘“, sagt Matthias Stütz. Über eine Treppe gelangt man ins obere Kino mit 62 Plätzen, das als eine Art Studiokino gedacht ist.

Für Arthouse-Filme, lange Filmnächte mit Kultstreifen wie „Per Anhalter durch die Galaxis“, für Live-Übertragungen von Opern aus London, Konzerten aus New York oder für Filme in Originalsprache. Das gibt es bislang im Union noch nicht und soll auch ausländische Gäste anziehen.

Matthias Stütz hat zudem Kontakte zu Schulen aufgenommen, die Interesse an englisch- oder französischsprachigen Filmen haben. Lesungen, Talkrunden oder Firmenveranstaltungen können ebenfalls im Haus stattfinden, in allen drei Sälen.

„Es wurde auch schon gefragt, ob man einen Saal mieten kann, um mit Freunden Playstation auf großer Leinwand zu spielen“, sagt Stütz. Man kann. Der studierte Architekt – der in Friedrichshagen wohnt, aber auch schon mal zwei Jahre mit einem alten Bus durch Südamerika getourt ist – hatte das Haus an der Bölschestraße bei einer Zwangsversteigerung erworben. Unter seiner Regie wurde das Haus innerhalb von zehn Jahren zum Kieztreffpunkt, nicht nur für Senioren. Stütz: „Wir veranstalten auch Konzerte, Partys, Tanzabende, Lesungen und Puppentheater.“

Charme des Altehrwürdigen

Es riecht zwar überall im Haus nach frischer Farbe und auch die Vorführtechnik ist auf dem modernsten digitalen Stand. Trotzdem hat es Matthias Stütz geschafft, dem Haus den Charme eines altehrwürdigen Filmtheaters zu bewahren. Man sitzt in bequemen roten Polstersesseln, die er aus einem ehemaligen Kudamm-Kino und aus einem Kino in Lübben geholt hat. Es gibt überall viel Beinfreiheit und alle zwei, drei Sitze stehen Holztischchen, auf denen man seine Getränke abstellen kann.

Einen weiteren Höhepunkt erlebt das Haus noch vor der offiziellen Eröffnung der neuen Säle: Am Abend davor, am 17. Februar, gastiert die 66. Berlinale im Union. In der Reihe „Berlinale goes Kiez“ wird dann auch vor dem kleinen Kiezkino am Stadtrand der rote Teppich ausgerollt, fahren Limousinen vor, geben sich Filmstars die Ehre.

Zwei Streifen laufen an diesem Abend im neuen Saal (siehe Infokasten). Wenn Matthias Stütz darüber spricht, wirkt er längst nicht mehr so ruhig und entspannt wie sonst. Zwar war das Union schon zweimal Berlinale-Spielort, aber, so sagt er: „So ein Festival ist jedes Mal was Besonderes.“


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