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Tram zum Hauptbahnhof: Eine Bahn mit 13 Jahren Verspätung

Laufen im Zickzack: In Mitte wird die Invalidenstraße auf vier Fahrstreifen verbreitert und mit Gleisen versehen.

Laufen im Zickzack: In Mitte wird die Invalidenstraße auf vier Fahrstreifen verbreitert und mit Gleisen versehen.

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Markus Wächter

Berlin -

Die ersten Gleise liegen schon. Vor dem Hauptbahnhof, auf dem grünen Mittelstreifen Alt-Moabit, sieht alles so aus, als könnten bald die ersten Züge rollen. Doch bis der 2006 eröffnete Hauptbahnhof tatsächlich Anschluss ans Straßenbahnnetz bekommt, wird noch viel Zeit vergehen. Inzwischen ist in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung nach Informationen der Berliner Zeitung von Mitte 2015 die Rede. Das wäre eine Verspätung von 13 Jahren. Nicht nur der Bau von Flughäfen dauert in dieser Region länger – auch eine 2,3 Kilometer lange Straßenbahntrasse scheint eine Herausforderung zu sein.

Bizarre Baustellelandschaft

Ganz zu Beginn hieß es im Senat, dass die ersten Züge 2002 über die Invalidenstraße fahren sollten. Dann war von 2006 die Rede. Zur Eröffnung des Hauptbahnhofs sollte der neue Verkehrsknoten auch mit der Straßenbahn erreichbar sein, aus Richtung Osten. Mittlerweile werde 24.000 Fahrgäste pro Tag auf der Strecke erwartet. Doch wie bei anderen Tramprojekten gingen die Senatsplanungen nur gemächlich voran. Zwischendurch wurden sie sogar abgebrochen und komplett neu aufgerollt. So gingen die Jahre ins Land. Inzwischen liegt die Genehmigung vor.

Die Invalidenstraße, die zugleich durchgehend auf vier Fahrstreifen ausgebaut wird, ist in eine bizarre Baustellenlandschaft mit kilometerlangen Plastik-Bauzäunen verwandelt worden. Doch Probleme gibt es weiterhin. Denn bevor Straßen- und Gleisbauer überall aktiv werden können, müssen Rohre und Leitungen erneuert werden. „Dabei gibt es Verzögerungen“, heißt es bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Einige Versorger argumentieren damit, dass die federführenden Straßenbauplaner im Senat das Gesamtprojekt bis 2015 terminiert hätten – es gebe keinen Grund zur Eile.

Auch die Deutsche Bahn, die unter der künftigen Tramtrasse einen Tunnel für die neue S-Bahn-Linie S 21 vom Nordring zum Hauptbahnhof und zum Potsdamer Platz buddelt, habe Zeitverzug gemeldet. Doch mit der eigenen großzügigen Zeitvorgabe fühlen sich nicht alle Senatsplaner wohl. Denn der wichtigste Abschnitt der Straßenbahnstrecke, von der Kreuzung Invaliden-/Chausseestraße zum Hauptbahnhof, könnte lange vorher befahren werden. Laut BVG wäre es möglich, dass dort im September 2014 die erste Bahn fährt – nach neuer Planung die M 5, die in Hohenschönhausen beginnt. „Dann könnten wir die erste Stufe des Projekts in Betrieb nehmen“, sagte die BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta.

Schwartzkopffstraße ohne Gleise

An dem anderen Teilstück, das über das Baufeld Ost zum Nordbahnhof führt, würde dann zwar noch gearbeitet. Die M 8 und die M 10, die von dort kommen, könnten also auf jeden Fall erst Mitte 2015 zum Hauptbahnhof weiterfahren, voraussichtlich im Sommer. Aber mit dem Abschnitt zum Hauptbahnhof wäre ein Anfang im Sinne der Fahrgäste gemacht, hieß es. Auch wenn es der Bauablauf erfordere, dass er zwischendurch für zwei oder drei Wochen wieder gesperrt werden muss. „Wir suchen jetzt nach einer Lösung“, hieß es im Senat. Eine Lösung, bei der die Verspätung nicht 13 Jahre beträgt. der Hauptbahnhof ist übrigens seit Mai 2006 in Betrieb.

Eines steht inzwischen fest: Die Straßenbahnstrecke, die über die Chausseestraße zur heutigen Endstation der M 6 und M 8 in der Schwartzkopffstraße führt, wird zum 1. Juni dieses Jahres stillgelegt. „Grund sind Abdichtungsarbeiten am Tunnel der U-Bahn-Linie 6“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Für vier weitere Neubauprojekte treibt die Senat die Planung voran, teilte die Verwaltung mit. Es geht um die Straßenbahnstrecken vom Alexanderplatz zum Potsdamer Platz und zum Kulturforum, vom Hauptbahnhof zum U-Bahnhof Turmstraße, von der Wissenschaftsstadt Adlershof zum Sterndamm und am Bahnhof Mahlsdorf.

Bis Ende 2013 werde geprüft, ob die Bahn Vorteile gegenüber anderen Verkehrsmitteln biete. Bei positivem Resultat beginne die Entworfsplanung. „Vor 2016 wird aber kein Projekt baureif sein“, teilte eine Sprecherin mit.