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Transformatorenwerk Oberspree in Oberschöneweide: Bürger und Parteien streiten um Wohnungen auf dem TRO-Gelände

Wenn eine Fabrikhalle 20 Meter hoch ist, passt sogar ein Hotel hinein.

Wenn eine Fabrikhalle 20 Meter hoch ist, passt sogar ein Hotel hinein.

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toruro Gmbh&Co.Kg/stadtlandprojekte georg balzer

Werden Gewerbebetriebe durch Wohnungen in unmittelbarer Nachbarschaft verdrängt? Nein, sagt die irische Toruro GmbH & Co. KG und plant auf dem Gelände des einstigen Transformatorenwerks Oberspree (TRO) in Oberschöneweide rund 250 Wohnungen. Diese sollen hauptsächlich am Spreeufer entstehen, im Süden des etwa 70.000 Quadratmeter großen Areals an der Wilhelminenhofstraße. Geplant sind auch ein Konferenzzentrum, Büros für Start-ups, eine Ladenpassage und ein Sportbereich. In die 20 Meter hohe Halle mit dem AEG-Logo an der Fassade soll ein Hotel gebaut werden.

Lärm kontra Ruhebedürfnis

Das Unternehmen begründet seine Pläne mit den hohen Sanierungskosten für die maroden Werkshallen. Diese Kosten müssten durch Wohnungsbau kompensiert werden. Doch die Pläne, für die im Bezirksamt Treptow-Köpenick derzeit ein Bebauungsplan erarbeitet wird, stoßen auf Kritik. Vor allem die ortsansässigen etwa 70 Gewerbetreibenden protestieren. Sie fürchten ihre Vertreibung. Denn Gewerbe, sagen sie, egal, ob Logistikunternehmen oder Schlosserei, verursache Lärm und Staub. Und dies vertrage sich nicht mit Wohnen. Eine Initiative hat mehr als tausend Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Auch die IHK Berlin äußert Kritik:„Der vorgesehene Wohnanteil entspricht nicht einem dem Standort angemessenen Nutzungsprofil und ruft zudem Nutzungskonflikte zulasten des Gewerbes hervor“, heißt es in einer Stellungnahme zum Bebauungsplan. Überhaupt fehle eine Gesamtstrategie des Bezirks zur gewerblichen Entwicklung mit Einordnung des Standortes Rathenau-Hallen.

Die Rathenau-Hallen, wie die denkmalgeschützten ehemaligen Werkshallen auf dem Areal genannt werden, gelten als Ursprungsort der Berliner Elektroindustrie. Emil Rathenau gründete dort die AEG, ab 1890 entstand am Spreeufer ein fast zwei Kilometer langer Industriegürtel. Zu DDR-Zeiten waren 25.000 Menschen dort beschäftigt. Auf dem Gelände des einstigen Kabelwerks Oberspree (KWO) baute die Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW ihren Campus, und nach Jahren des Verfalls zieht jetzt auch wieder Gewerbe nach Oberschöneweide. Von Nutzungskonflikten spricht deshalb auch das Regionalmanagement, das vom Senat eingesetzt wurde, um Gewerbe dorthin zu holen.

Die Bezirksverordneten, die letztlich über den Bebauungsplan entscheiden, sind sich uneins. Während CDU und Grüne sagen, es würden nicht nur Wohnungen gebraucht, sondern auch Arbeitsplätze, und deshalb gegen Wohnungen votieren, versuchen SPD und Linke einen Kompromiss: Entwicklung von Gewerbe, Kreativwirtschaft und Kunst müssten Vorrang haben, sagen sie. Und: Wenn schon Wohnungsbau dort, dann bitte mindestens 25 Prozent Sozialwohnungen.

Kein Wohnen bei Bryan Adams

Jetzt werden mehrere Gutachten erarbeitet. Darin geht es um Lärmbelastung und Schallschutz, um Staubbelastung, Verkehr und Artenschutz für seltene Tiere wie Fledermäuse. Damit soll geklärt werden, ob mit der Wohnbebauung ein unkalkulierbares Risiko fürs Gewerbe eingegangen oder ein verträgliches Miteinander erreicht wird.
Noch ein Bauprojekt in Oberschöneweide sorgt für Gesprächsstoff. Nur wenige Meter von den Rathenau-Hallen entfernt, auf dem Nachbargrundstück, steht eine weitere alte Werkshalle. Sie gehört dem kanadischen Popsänger Bryan Adams, der sie umbauen will. In einem Interview mit der Berliner Zeitung sagte er kürzlich, das Gebäude solle vielfältig genutzt werden, auch als Wohnraum. Doch dies sei dort gar nicht möglich, sagt Baustadtrat Rainer Hölmer (SPD): „Das Gebiet ist ausschließlich für Kunst und Kreativwirtschaft vorgesehen. Wohnen ist dort nicht erlaubt.“ Und sei auch nicht Bestandteil des Bauantrags von Bryan Adams. Der habe beantragt, dass in seiner Halle Ateliers, eine Kunsthalle, ein Café und ein Buchladen einziehen sollen. Hölmer: „Im Bauantrag, der noch nicht genehmigt ist, steht nur etwas von gelegentlichen Übernachtungen. Das ist aber nicht Wohnen.“