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Berliner Zeitung | Truppenübungsplatz Lichterfelde: Wildnis oder Wohnquartier
21. April 2012
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Truppenübungsplatz Lichterfelde: Wildnis oder Wohnquartier

Spiel mit der Historie: Mit diesen Schildern versuchen Gewerbetreibende am Rand des ehemaligen Truppenübungsplatzes, unliebsame Gäste fernzuhalten.

Spiel mit der Historie: Mit diesen Schildern versuchen Gewerbetreibende am Rand des ehemaligen Truppenübungsplatzes, unliebsame Gäste fernzuhalten.

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Christian Schulz

Berlin -

Betrübt sei er über den Argwohn, der ihm entgegenschlage, sagt Henrik Thomsen. Er ist der Berlin-Chef des Unternehmens CA Immo und damit quasi der Eigentümer eines knapp 100 Hektar großen Geländes in Lichterfelde-Süd. Das Areal am südwestlichen Stadtrand war 40 Jahre Truppenübungsplatz der US-Armee. Seit dem Abzug der Amerikaner 1994 entwickelte sich das umzäunte Gebiet zum Biotop. Henrik Thomsen steht am Donnerstagabend vor gut 200 Anwohnern und will wissen, was sie auf dem Areal gern hätten.

Die meisten der vom Bezirk und der CA Immo Eingeladenen bleiben argwöhnisch. Dass ihre Wünsche gefragt sind, ist ihnen neu. „Es hat schon etliche Baupläne für das Gelände ohne uns gegeben. Wieso sollte es diesmal anders sein?“, sagt Gerhard Niebergall vom Aktionsbündnis Landschaftspark Lichterfelde-Süd.

Vor Jahren sollten 5000 Wohnungen für Bonner Beamte entstehen, und als diese nicht an den Stadtrand wollten, waren ein Golfplatz und ein Gewerbegebiet im Gespräch. „Was wird wohl diesmal kommen?“, fragt Niebergall, die Umsitzenden nicken. Misstrauen in Politik und Investoren scheint auch im bürgerlichen Steglitz-Zehlendorf verbreitet zu sein.

Noch ist nichts entschieden

Die Anwohner wollen, dass der Truppenübungsplatz zum Landschaftspark wird. Vor allem für die Mieter der benachbarten Thermometer-Siedlung sei Natur wichtig. Das dicht bebaute Hochhausviertel hat – wie andere Stadtrandsiedlungen auch – mit zunehmenden sozialen Problemen zu kämpfen. Freiräume fehlten, ein Schwimmbad , ein Kinderbauernhof, Mietergärten sowie Spiel- und Sportmöglichkeiten für Kinder und Senioren.

Es sind schließlich etliche Wünsche, die Henrik Thomsen hört. Ein Wohnquartier, wie er es sich auf dem Gelände vorstellt, ist nicht dabei. Oder nur ein ganz kleines am Rand des Geländes. Aber es dürften keine hohen Häuser sein, sagen die Anwohner, die gebe es schon und die Straßen stünden jetzt schon vor dem Verkehrskollaps.

Henrik Thomsen spricht von Chancen, die das Gelände berge. Und dass nicht alle Interessen unter einem Hut Platz finden würden: „Wenn wir ein Drittel oder die Hälfte der Fläche mit Wohnungen bebauen, würden wir Druck aus der City nehmen, wo der Platz für Familien langsam knapp wird“, sagt er.

Doch noch ist nichts entschieden. Auch nicht, was aus den Gewerbetreibenden am Rand des Geländes wird. 21 Firmen gibt es dort. Autowerkstätten, Dachdecker, Winterdienste. Monika Weber, 32, führt ein Unternehmen, das Holzverpackungen herstellt. „Wir müssen wissen, was aus uns wird“, sagt sie. Henrik Thomsen nickt. Im Juni soll feststehen, welche Flächen bebaubar sind. Weitere Anwohnerforen sollen folgen. Und es soll nach militärischen Altlasten gesucht werden.