Neuer Inhalt
Berliner Zeitung | Türsteher erschossen - Drei Rocker vom Mordvorwurf freigesprochen
21. March 2016
http://www.berliner-zeitung.de/23762186
©

Türsteher erschossen - Drei Rocker vom Mordvorwurf freigesprochen

Spurensuche: Vor dem Soda Club in Prenzlauer Berg starb der Türsteher.

Spurensuche: Vor dem Soda Club in Prenzlauer Berg starb der Türsteher.

Foto:

Berliner Zeitung/Markus Wächter

Die tödlichen Schüsse auf einen Türsteher in Berlin-Prenzlauer Berg bleiben weiter ungeklärt. Das Landgericht hat drei Rocker vom Mordvorwurf freigesprochen - aus Mangel an Beweisen. „Es gibt Zweifel“, hieß es am Montag im Urteil. Nach anderthalbjährigem Prozess hatte auch die Anklägerin die Indizien als nicht ausreichend eingeschätzt. Zwei der Angeklagten wurden aber wegen eines anderen Gewaltdeliktes zu Haftstrafen von drei Jahren sowie von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt.

Der 39-jährige Türsteher stand allein vor einem Club auf dem Gelände der Kulturbrauerei, als am Morgen des 1. September 2013 vier Schüsse fielen. Zwei Kugeln verletzten den Mann tödlich. Er galt als friedfertig und hatte keine Verbindung in die Rocker-Szene.
Sieben Monate später führten Angaben eines Hells-Angels-Rockers zur Festnahme der drei Angeklagten. Ein heute 30-Jähriger kam kurz aber darauf wieder frei, ein 33-Jähriger nach zehnmonatigem Prozess und zuletzt im Dezember ein 32-Jähriger.

Als mögliche Beweise gebe es nur die Angaben eines damaligen Rockers, der in einem anderen Prozess gegen Mitglieder der Hells Angels selbst unter Mordverdacht steht, sagte Richter Peter Faust. Der 29-Jährige aber sei ein sogenannter Zeuge vom Hörensagen. „An solche Zeugen sind nach der Rechtsprechung besonders hohe Anforderungen zu stellen.“ Der Mann, der in seinem eigenen Verfahren als Kronzeuge gilt, habe aber zum Teil falsche Angaben gemacht oder solche, die zeitlich nicht konkretisiert werden konnten. In der Gesamtschau sei eine Verurteilung „allein auf Bekundungen dieses Mannes nicht möglich“.

Die Anklage ging ursprünglich von einem Racheakt dafür aus, dass zwei Wochen vor dem Mord an dem Türsteher andere Mitglieder der Hells Angels vor dem beliebten Club abgewiesen worden waren. Dabei kam es zu einer Prügelei, bei der sich Rocker geschlagen geben mussten. Der Türsteher war Ermittlungen zufolge nicht in den Streit einbezogen - die Anklägerin hielt ihn für ein Zufallsopfer.
Der Kronzeuge habe sich für die Polizei als ein „ungemein wichtiger Zeuge erwiesen“, sagte der Richter. Nach seiner Festnahme wegen gemeinschaftlichen Mordes aus Rache in einem Wettbüro im Januar 2014 habe er eher zufällig auch Angaben zum Türsteher-Mord gemacht. „Doch die Tat bleibt ungeklärt und ungesühnt.“

Zwei der Angeklagten aber seien des Raubes sowie der Körperverletzung schuldig. Sie seien für einen Überfall auf die ehemalige Freundin des 32-Jährigen verantwortlich - „einer gab den Tipp, der andere führte die Tat aus“. Die Frau hatte 15 000 Euro für eine Schönheitsoperation in der Tasche. Davon habe der 32-Jährige gewusst, so das Gericht. Der dritte Angeklagte soll für 480 Tage Haft entschädigt werden.

Das Urteil im Prozess um die Schüsse auf den Türsteher fiel nach 60 Verhandlungstagen. Bereits 95 Prozesstage hat das Verfahren gegen Mitglieder der Hells Angels wegen Mordes im Wettbüro hinter sich. Elf Angeklagte müssen sich vor einer anderen Strafkammer des Landgerichts verantworten, darunter ein Rocker-Boss. Er soll die Schüsse auf das 26-jährige Opfer in Auftrag gegeben haben. (dpa)