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Berliner Zeitung | Turnhallen sind belegt: Beachvolleyball, Tennis oder Skateboarden als Sportunterricht
12. February 2016
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Turnhallen sind belegt: Beachvolleyball, Tennis oder Skateboarden als Sportunterricht

Schlafen statt Sport: Das Lageso requiriert immer mal wieder Turnhallen.

Schlafen statt Sport: Das Lageso requiriert immer mal wieder Turnhallen.

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dpa/Kay Nietfeld

Die Kinder der Reginhard-Schule in Reinickendorf turnen in diesen Tagen in der Aula – und das auch nur alle vierzehn Tage. Anders geht es nicht.

Mitte Dezember wurde die Turnhalle, die sich die Grundschule mit dem benachbarten Oberstufenzentrum teilt, in eine Notunterkunft für Flüchtlinge umgewandelt. Für die Schulleiterin, Antje Mikolajski, selbst Sportlehrerin, ist dieser Zustand unhaltbar. Wie für viele andere Lehrer, Eltern, Schüler der Stadt.

Bündnis für Schulsport

Jetzt hat der Senat ein Sonderbudget von 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, um betroffenen Schülern Zugang zu einem alternativen Sportangebot zu ermöglichen. „Die Flüchtlingskrise kann nicht auf Kosten der Schüler gehen“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), als sie am Freitag vorstellte, wie die Schulen das Geld abrufen sollen. „Es ist die Aufgabe des Senats, die Schulen zu unterstützen.“

Anfang des Jahres wurde dafür ein „Bündnis für Schulsport“ gegründet, das möglicherweise eine zukunftsfähige Lösung gefunden hat. Über das Online-Buchungsportal Eversport können Lehrer Stunden in Sportcentern in der Stadt buchen. Dafür erhält jede Klasse bis April ein Budget von 500 Euro.

Eversport ist ein Unternehmen aus Österreich, über dessen Onlineportal Sportplätze nach dem gleichen Prinzip wie etwa Hotelzimmer gebucht werden können. Für das Schulprojekt hat Eversport seine Software zur Verfügung gestellt und mit dem Sportnetzwerk Funpool zusammengearbeitet, in dem sich berlinweit 600 gewerbliche Sportstätten vom Beachvolleyballplatz bis zur Kletterhalle vernetzt haben. Etwa 100 Sportstätten haben sich bereits bereiterklärt, Schulklassen zu vergünstigten Preisen sporteln zu lassen.

Eine Stunde auf einem Kunstrasenplatz kostet zum Beispiel 10 Euro. Über die Software loggen sich Lehrer ein und können auf dem Stadtplan die Sportstätten in ihrer Nähe sehen. Mit einem Klick erfahren sie, wann es Kapazitäten gibt. Mit einem weiteren Klick buchen sie. Das Angebot erweitert sich derzeit täglich, schon dabei sind Sportarten wie Badminton, Tennis, Klettern, Fußball, Skateboarden, Yoga und Kurse in Gewaltprävention. Für die Fahrt zu den Sportcentern gibt die BVG verbilligte Tickets aus.

Später auch für Wandertage

Zu dem Programm der kommerziellen Anbieter organisiert der Berliner Leichtathletikverband, ebenfalls Teil des Bündnisses, Sporteinheiten: Klassen können sich für einen Lauftreff oder ein Crosstraining mit Übungsleitern des Verbandes anmelden oder einen Ausflug ins Olympiastadion buchen.

„Es bleibt Ziel, die Sporthallen wieder frei zu machen“, sagte Senatorin Scheeres. „Aber das geht eben nur sukzessive.“ Das Portal könnte aber auch dann noch im Betrieb bleiben, wenn die derzeitige Ausnahmesituation vorbei ist – und Lehrern die Planung von sportlichen Wandertagen erleichtern.