Neuer Inhalt

U-Bahn Berlin: Linie 8 gesperrt: Endstation Boddinstraße

U-Bahnhof Boddinstraße der U8 in Neukölln.

U-Bahnhof Boddinstraße der U8 in Neukölln.

Foto:

IngolfBLN/Wikipedia/CC BY-SA 2.0

Berlin -

Fahrgäste der Berliner U-Bahn müssen sich auf eine neue Großbaustelle einrichten. Eine der am stärksten frequentierten Verbindungen in dieser Stadt, der südliche Abschnitt der Linie U 8, wird ab 12. August für lange Zeit gesperrt.

Zwischen den U-Bahnhöfen Boddinstraße und Hermannstraße können mindestens neun Monate lang keine Züge fahren, teilten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit. Es sei denkbar, dass die Sperrung sogar bis Sommer 2014 dauern könnte, falls es zu Verzögerungen und Nacharbeiten kommt. Die Fahrgäste müssen zum Teil große Umwege in Kauf nehmen.

Schwere Baumängel, die sich ungestört entwickeln konnten, machen die nun anstehende Sperrung in Neukölln erforderlich. Jahrelang drang Feuchtigkeit in die Decke des U-Bahnhofs Leinestraße ein. Sie verursachte umfangreiche Schäden an der Beton- und Stahlkonstruktion, Korrosion setzte der Bewehrung zu. Inzwischen gebe es erhebliche statische Probleme, hieß es.

„Die Sanierung des U-Bahnhofs Leinestraße hatten wir auf der Liste, und es war auch klar, dass bei dem alten Bauwerk ein hoher Sanierungsbedarf besteht. Das volle Ausmaß der Schäden haben wir aber erst festgestellt, als der Putz komplett entfernt war und wir hinter die Fassade blicken konnten“, erklärt BVG-Sprecher Klaus Wazlak.

Umwege für die Fahrgäste

Der 1929 eröffnete U-Bahnhof erstreckt sich unter der stark befahrenen Hermannstraße. Die Bahnhofsdecke muss saniert und verstärkt werden. Wenn die U-Bahn-Strecke in Betrieb bliebe, würde die Sanierung viel zu lange dauern, so die BVG. Deshalb habe man entschieden, den U-8-Abschnitt zu sperren.

„Trotzdem dauert die Unterbrechung zu lange“, sagt Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB. „Zumal das Ersatzangebot unbefriedigend ist.“ Weil auf der Hermannstraße Staus befürchtet werden, soll es entlang des gesperrten Teilstücks keinen zusätzlichen Busverkehr geben. Stattdessen wird die Buslinie M 44 aus Buckow, die derzeit am Bahnhof Hermannstraße endet, montags bis freitags bis zum U- und S-Bahnhof Neukölln verlängert. Dort können die Fahrgäste in die U 7 umsteigen. Für den Lokalverkehr steht weiterhin die Buslinie 344 zur Verfügung.

„Ein Ersatzverkehr wäre möglich gewesen“, entgegnet Wieseke. „Allerdings hätte man dafür Parkplätze aufheben müssen. Das hat sich keiner getraut.“ Jetzt verliert die Innenstadt eine direkte U-Bahn-Verbindung zum S-Bahn-Ring, die von vielen Umsteigern genutzt wird – und in den Wohngebieten östlich des Tempelhofer Feldes verschlechtert sich die Nahverkehrsanbindung.

Zwar gilt die Berliner U-Bahn als sicher. Doch unbestritten ist, dass sich über die Jahre ein Investitionsstau gebildet hat, weil die Finanzierung mit dem Verfall nicht überall Schritt hielt. 2008 wurde er bei der BVG erstmals beziffert. Danach betrug der Rückstand bei den U-Bahn-Streckenanlagen im Westen Berlins 179,4 Millionen Euro, bei den dortigen Tunneln, Brücken und Viadukten sogar 211,4 Millionen Euro. Im Osten Berlins ist der Rückstand, der von Gutachtern errechnet worden ist, geringer. Dort belaufe sich der Investitionsstau bei den Streckenanlagen auf 105,1 Millionen Euro, bei den Tunneln, Brücken und Viadukten auf 169,8 Millionen Euro.

Fast 50 Stationen sind marode

Obwohl seitdem weitere U-Bahn-Bereiche saniert wurden, bleibt der Erneuerungsbedarf groß. Trotzdem muss die BVG immer wieder Projekte vertagen. Allein im vergangenen Jahr wurden Bauvorhaben zur Grundinstandsetzung von U-Bahnhöfen, die sich auf 9,6 Millionen Euro summieren, in die Folgejahre verschoben. Dabei zeigt eine interne Karte, dass fast 50 der 173 Stationen saniert werden müssten.

55 Prozent der U-Bahn-Strecken wurden vor 1930 gebaut, dort gibt es besonders viele Probleme. Aber auch in den Stationen entlang der U 9 in Steglitz, die während der frühen 70er Jahre gebaut wurden, stehen Arbeiten an. Dafür muss der Abschnitt zwischen Walther-Schreiber-Platz und Rathaus Steglitz ab 2015 monatelang gesperrt werden.