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U-Bahnhof Magdalenenstraße: Der langsamste Aufzug von Berlin

Der Aufzug auf der Frankfurter Allee ist fertig, doch niemand darf ihn nutzen.

Der Aufzug auf der Frankfurter Allee ist fertig, doch niemand darf ihn nutzen.

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berliner zeitung/Gerd Engelsmann

Er sieht wirklich schick aus. Das Glas ist unzerkratzt, die Stahlteile glänzen frischpoliert. Der neue Aufzug des U-Bahnhofs Magdalenenstraße in Lichtenberg ist ein Schmuckstück. Doch die Fahrgäste werden sich noch viele Monate gedulden müssen, bis sie ihn benutzen dürfen. Denn obwohl die Bauarbeiten schon Anfang Juni beendet worden sind, wird der Aufzug voraussichtlich erst am Jahresende in Betrieb genommen. Bis dahin bleibt er gesperrt. „Ein großes Ärgernis“, meint der Lichtenberger SPD-Abgeordnete Ole Kreins. Und ein Beispiel dafür, auf welche Probleme die Verkehrsunternehmen stoßen, wenn sie ihrer Kundschaft den Zugang zu den Bahnhöfen erleichtern wollen.

Aufzüge nützen vielen Fahrgästen. Nicht nur Alte und Rollstuhlfahrer, auch Eltern mit Kinderwagen und Touristen mit Gepäck nehmen sie dankbar in Anspruch. Um so schmerzlicher ist es für sie, wenn sie wie im U-Bahnhof Magdalenenstraße einen funktionsfähigen Aufzug sehen, ihn aber nicht nutzen können. „Ich muss täglich feststellen, wie junge Frauen mühselig Kinderwagen und Behinderte Rollatoren die Treppen ’rauf und ’runter buckeln“, berichtet ein Anwohner.

Gemessen an der Zeit, die von der Fertigstellung bis zur Inbetriebnahme verstreicht, dürfte die eine Million Euro teure Anlage an der U-Bahn-Linie 5 der langsamste Aufzug Berlins sein. Warum ist das so?

„Die Inbetriebnahme konnte bislang nicht erfolgen, da eine Ampelanlage fehlt“, erklärt Klaus Wazlak, Sprecher der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Der Aufzug führt auf den Mittelstreifen der stark befahrenen Frankfurter Allee. Ohne Ampel wäre er für Senioren und andere Fahrgäste, die nicht so gut auf den Beinen sind, fast unerreichbar – für die anderen nur unter Gefahren.

Urinstein legt Technik lahm

Aber warum steht die Ampel noch nicht? „Die Bezirksverwaltung schiebt die Schuld auf die Verkehrslenkung. Die Senatsverwaltung sagt, die Alliander Stadtlicht kommt nicht hinterher“, berichtet Ole Kreins. Die Verkehrslenkung, eine Behörde des Senats, ordnet den Bau an, die Firma Alliander organisiert die Ausführung. „Ein solches Projekt braucht Vorlauf“, sagt Petra Rohland von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Immerhin: „Im September soll der Bau beginnen. Ende 2013 soll die Ampel fertig sein.“

Nach Informationen des Fahrgastverbands IGEB muss allerdings auch noch die Fahrbahn erneuert und von Spurrillen befreit werden, bevor der Überweg entstehen kann. „Was auch der Grund ist: Für die Fahrgäste kommt es auf dasselbe heraus. Der Aufzug ist für sie nicht verfügbar“, sagt Jens Wieseke, der Vize-Vorsitzende des Verbands.

Zwar sei das Aufzugsprogramm des Senats und der BVG ambitioniert: Ende des vergangenen Jahres waren 89 der 173 U-Bahnhöfe mit Aufzügen erreichbar, 2020 soll die gesamte BVG barrierefrei sein. Doch in vielen Fällen strapazieren lange Verfahren die Geduld der potenziellen Nutzer. Verbesserungsbedürftig sei auch das Tempo, mit dem Ausfälle von Aufzügen und Fahrtreppen behoben werden. „Bei der DB Station & Service dauert es zu lange“, so Wieseke. Dabei komme es auf vielen S-Bahnhöfen zum Stau, wenn Fahrtreppen nicht mehr funktionieren. „Das macht sich vor allem in Friedrichstraße und auf anderen Stadtbahnstationen bemerkbar.“

Manche Störfälle seien allerdings kompliziert, entgegnet die Deutsche Bahn (DB). Und vielfach sei Vandalismus im Spiel. Ein Beispiel sei der Aufzug, der im Bahnhof Hohenschönhausen auf den Regionalbahnsteig stadteinwärts führt. Er ist seit dem 10. Oktober 2012 außer Betrieb. „Die Schachttürschwellen sind durch Urinstein verschlissen“, sagt ein Sprecher. Anders formuliert: Die Technik wurde kaputt gepinkelt. Eine Prüfung ergab, dass sich eine Reparatur nicht lohnt. Die Anlage muss neu gebaut werden, für rund eine halbe Million Euro. Das dauert. Laut Aushang soll der neue Aufzug im Mai 2014 fertig sein.