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Umbau am Adlergestell: Ein Autofahrer-Paradies verschwindet

Berlin -

So sieht ein Refugium für Autofahrer aus: Die Strecke ist schnurgerade, in beiden Richtungen stehen nicht zwei, nicht vier, nein, sechs Fahrspuren zur Verfügung. Vielerorts darf Tempo 70 gefahren werden, obwohl sich die Straße mitten in Berlin befindet. Doch die Tage des Automobilisten-Paradieses im Südosten sind gezählt. 2013 soll damit begonnen werden, das Adlergestell umzubauen. Es wird schmaler.

Das ist erst der Anfang: Nach und nach soll in Berlin fast die gesamte Bundesstraße 96a umgestaltet werden, bekräftigte der Senat. Zu ihr gehören außer großen Teilen des Adlergestells unter anderem auch die Schnellerstraße und die Straße Am Seegraben. „Auf der B 96a sind zukünftig, außer im Bereich Schöneweide, nur noch zwei Fahrstreifen für den fließenden Verkehr erforderlich“, sagte Petra Rohland, Sprecherin des Stadtentwicklungssenators Michael Müller (SPD). Je eine Spur fällt weg.

Attraktive Vorplätze und "höherer Grünanteil" geplant

Dafür gibt es zusätzliche Angebote für den Radverkehr und mehr Parkplätze, auch die Gehwege werden umgestaltet. Die S-Bahnhöfe bekommen attraktive Vorplätze mit Parkmöglichkeiten für Autos und Fahrräder. Geplant sind auch ein „höherer Grünanteil“ und (auf dem Mittelstreifen) eine dritte Baumreihe. Abbiegeverbote werden aufgehoben, neue Abbiegespuren geschaffen. Auf den umgestalteten Abschnitten müssen sich die Autofahrer an ein neues Tempolimit gewöhnen: Tempo 50 statt Tempo 70.

2011 sollte es auf dem Adlergestell zwischen Glienicker Weg und Dörpfeldstraße losgehen. Doch weil die Wasserbetriebe zuvor neue Entwässerungsanlagen bauen wollen, verschiebt sich der Umbau „voraussichtlich auf 2013“, so Rohland. 2,5 Millionen Euro sind vorgesehen, die Ausführungsplanungen sind fertig.

Für die Michael-Brückner- und die Schnellerstraße nennt der Senat noch keine Termine. Doch klar ist: Wenn in Schöneweide der Bahnhof neugestaltet und in Baumschulenweg die Südostverbindung fertig wird, sollen diese Bereiche ebenfalls verschmälert werden. Auch in Richtung Stadtgrenze wird gebaut. So soll die Grünauer Schleife künftig nicht mehr wie ein Autobahndreieck aussehen. Langfristig geplant ist ein ebenerdiger Knotenpunkt mit Ampeln. Die Straße Am Seegraben, die sich dort ausfädelt, wird ebenfalls umgestaltet – wofür aber laut Senat wahrscheinlich ein Planrechtsverfahren erforderlich ist. Ein erster Abschnitt wurde bereits erneuert, für rund 2,1 Millionen Euro.

„Stadtverträglicher Umbau“

2008 wurde die parallele Autobahn A 113 fertig. Seitdem habe der Verkehr auf der B 96a abgenommen, so der Senat. Darum werde der „stadtverträgliche Umbau“ nicht zu Verkehrsproblemen führen. Jörg Becker vom ADAC sieht das anders: „Wenn es auf der A 113 Störungen gibt, brauchen wir eine leistungsfähige Alternative.“ Zudem sei auf der B 96a immer noch viel los, auch deshalb, weil sie für viele die schnellste Route ins östliche Stadtzentrum darstellt. Das werde sich erst ändern, wenn die A 100 bis zum Treptower Park verlängert worden ist. Becker: „Bis dahin darf das Adlergestell nicht zurückgebaut werden.“

Die Bundesstraße 96a in Treptow-Köpenick ist eine der wichtigsten Ausfallstraßen Berlins. Allein auf dem Teilstück Köpenicker Straße – Am Seegraben waren 2010 werktags im Durchschnitt 47.000 Fahrzeuge unterwegs, fast so viele wie auf Abschnitten der A 100 und 111. 2005 waren es 53 900.

Als Ausgleich für den Bau der A 113 will der Senat Abschnitte der B 96a „stadtverträglich umbauen“. Ähnliche Kapazitätsreduzierungen sind langfristig auch in Mitte im Straßenzug Gruner-/ Gertraudenstraße geplant.