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Umstrittene Spendenaktion „Weihnachten im Schuhkarton“: Weihnachtsspende als Missionsaktion

Empfänger eines „Schuhkartons“

Empfänger eines „Schuhkartons“

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Geschenke der Hoffnung

Berlin -

Tausende Schuhkartons gefüllt mit neuen Kleidern, Süßigkeiten, Hygieneartikeln oder Spielzeugen werden in diesen Tagen in Berlin auf Lkws gepackt und nach Osteuropa, Georgien und selbst in die Mongolei gebracht. Dort erhalten bedürftige, von dortigen Kirchengemeinden ausgewählte Kinder jeweils ein Paket. „Weihnachten im Schuhkarton“ heißt diese Aktion. Mitgemacht haben auch wieder viele Berliner Schulen und Kitas, oft auf Initiative einzelner Klassenlehrer oder Eltern. Kinder und Eltern haben einen Schuhkarton mit Sternchen und Papier beklebt und mit zahlreichen Geschenken befüllt. Im deutschsprachigen Raum waren zuletzt gut 500.000 solcher Pakete zusammengekommen.

Was viele nicht wissen: Hinter der Aktion steht eine evangelikale-freikirchliche Organisation, die bei der Vergabe der Spenden vor Ort den Missionierungsgedanken verfolgt. So erhalten die Kinder bei Weihnachtsfeiern in Osteuropa oder Asien, die nicht selten in freikirchlichen Gemeinden stattfinden, mit dem Schuhkarton auch sogenannte Bibelhefte ausgehändigt. Zu sehen ist das in Internet-Videos, etwa bei der Geschenkvergabe in einem ostslowakischen Dorf, die von einem Pfingstgemeinde-Pfarrer geleitet wird.

Kritik von der katholischen Kirche

Der deutsche Ableger der international tätigen Organisation heißt „Geschenke der Hoffnung“ und hat seinen Sitz in Lankwitz. „Wir bieten diese Hefte nur an, wollen niemandem den Glauben überstülpen“, sagt Sprecherin Katharina Stiefelhagen. „In den Bibelheften wird erklärt, was die christliche Botschaft bedeutet. Dass wir mit Jesus leben und Vergebung unserer Sünden erfahren können.“ Wie in einem Cartoon werde das dargestellt. Die Kooperationspartner vor Ort hätten darauf zu achten, ob die Ausgabe der Bibelhefte kulturell passend sei.

Vielen Verantwortlichen in Berliner Schulen und Kitas sind diese Hintergründe unbekannt. „An unserer Schule machen das derzeit drei Klassen“, sagt Matthias Meyer, Leiter der frisch fusionierten Grundschule am Stadtpark Steglitz. Das hätten die Lehrer von ihrer bisherigen Schule mitgebracht. Die Bildungsverwaltung konnte sich auf Anfrage nicht dazu äußern. Prinzipiell sind Berliner Schulen zu weltanschaulicher Neutralität verpflichtet, es gibt auch keinen staatlich organisierten Religionsunterricht.

Besonders heftige Kritik an der Sammelaktion kommt von der katholischen Kirche. Das Bistum Trier zum Beispiel teilte bereits mehrmals mit, dass die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ in erster Linie eine evangelikale Missionsaktion sei, um Kinder in Kontakt mit Gemeinden zu bringen. Es sei abzulehnen, wenn Geschenke als „Türöffner“ für Missionsaktivitäten dienten. Auch gehe es nicht um die langfristige Verbesserung der Lebensumstände, zumal die Geschenke ja in den Herkunftsländern gekauft würden. Angeblich aus hygienischen Gründen kommen nur neu gekaufte Kleider in den Schuhkarton. Im Erzbistum Berlin äußerte man sich hinter vorgehaltener Hand ähnlich kritisch.

Bei „Geschenke der Hoffnung“ verweist man hingegen auf nachhaltige Hilfsinitiativen, die man etwa in Moldawien aufgebaut habe. In anderen Ländern heißt die Aktion „Operation Christmas Child“. Das alles geschieht in enger Kooperation mit dem christlich-fundamentalistischen Missionswerk „Samaritan’s Purse“ aus den USA. Das wurde vom erzkonservativen Baptistenprediger Billy Graham gegründet. Heute leitet es sein Sohn Franklin Graham, der den Islam 2003 als „sehr böse Religion“ bezeichnete.