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Umstrittenes Kunstwerk "Peace Wall": Kreuzberger Klagemauer

Berlin -

Anstatt die Kreuzberger diese Mauer als Forum verstehen, fühlen sie sich gestört: doof, hässlich, keine Parkplätze. Dabei nutzten viele die Mauer bereits an den ersten Tagen: als Kummerkasten und großen Wunschzettel. Ein Angebot der Künstlerin, das zwar angenommen, wohl aber noch nicht als Chance verstanden wird. Denn die Wand richtet sich nicht gegen die, die dort wohnen, auch wenn manche das Kunstwerk als Zumutung empfinden. Die Wand richtet sich an jene, die die Probleme im Kiez nicht kennen: Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Mieterhöhungen.

Die Mauer macht die soziale Trennung an diesem Ort greifbar, der vernachlässigte Süden der Friedrichstraße hat ein Symbol bekommen: Bis zur Mauer schick, dahinter trist. Auch wenn das soziale Gefälle an der Friedrichstraße nicht neu und völlig unbekannt ist – mit dem Projekt legt die Künstlerin ihren Finger in die dreckige Wunde der Prachtstraße. Insofern sollten die Anwohner nicht gegen ihre Mauer meckern, sie sollten sie nutzen – als Anzeigetafel für Sorgen und Probleme. Die Mauer muss auch als Plattform verstanden werden, auf der eine Neugestaltung des Kiezes diskutiert und angestoßen werden kann.

In den nächsten sieben Wochen werden sich viele Passanten nach der Mauer umdrehen und verstehen wollen, was es auf sich hat mit dieser Barrikade, wovor sie abschirmt. Sie wird Fotomotiv sein und Diskussionsobjekt. Und hierin liegt das Potenzial dieser Kunst: Endlich werden die Probleme im Kiez wahrgenommen.



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