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Umzug ins Amerika-Haus: Neue Möglichkeiten für Berliner Landeszentrale

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Das Amerikahaus) in der Hardenbergstraße.

Foto:

imago/PEMAX

Berlin -

Was macht eigentlich die Landeszentrale für politische Bildung? Lange Jahre hat sie offenbar nicht allzu viel getan. „Sie war ein wenig dem Dornröschen-Schlaf verfallen“, sagte die zuständige Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) mit recht deutlichen Worten am Montag. „Es hatte sich dort ein  1970er-Jahre-Touch erhalten.“ Tatsächlich wussten bisher nicht wirklich viele Berliner, dass die Landeszentrale an der unwirtlich gelegenen Urania ihren Sitz hatte. Dabei ist die politische Bildung ja durchaus ein wichtiges Thema.

Nun soll alles  besser werden: Die Landeszentrale für politische Bildung hat jetzt ihren Räume in  zentraler Lage bezogen und an prominentem Ort noch dazu. Im Amerika-Haus direkt  Bahnhof Zoo. Gut erreichbar über öffentliche Verkehrsmittel, das Gebäude teilt man sich mit der hippen Fotogalerie C/O. Es gibt einen hellen Eingangsraum mit offener Fensterfront zur Hardenbergstraße. Dort steht eine drei Meter hoher Bücherwand und es liegen zahlreiche Broschüren und Informationsmaterialien aus.

Hier können  Bücher über deutsche Politik, den  Nationalsozialismus, die Globalisierung oder die Wirtschaftsordnung gelesen werden. Es handelt sich um eine Präsenzbibliothek.  Zahlreiche Broschüren, etwa über die Arbeit des Parlaments oder zum Thema  Flucht und Migration, können mitgenommen werden. Ein erster Besucher  steht schon hinten am Schalter und verlangt das Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ des französischen Wirtschaftswissenschaftlers Thomas Piketty. Leider ist nur noch das Ansichtsexemplar vorrätig.

Zwölf Mitarbeiter und ein großer Seminarraum

Es gibt in der Landeszentrale zudem  einen Seminarraum samt Teeküche und kleiner Terrasse, in dem 100 Leute Platz finden. „Diesen Raum sollen auch politisch aktive Gruppen mieten können“, sagt Thomas Gill, Leiter der Zentrale. Zuvor hat er eine Jugendbildungsstätte in Werneuchen (Barnim) geleitet. Im Keller werden weitere Bücher gelagert. Zwölf Mitarbeiter hat die Landeszentrale, einen jährlichen Etat von 1,3 Millionen Euro und das neue Domizil ist sogar barrierefrei, eigens wurde ein Aufzug eingebaut. Der Internetauftritt wird gerade  überarbeitet und aufgefrischt. Auf  Facebook oder Twitter ist die Zentrale aber noch nicht präsent.

In den kommenden Wochen setzen Gill und seine Leute   auf erwartbare Themen: Es wird Veranstaltungen zum Thema Flucht und Asyl geben. Und ab März ist eine Veranstaltungsreihe „Berlin-Amerika“ geplant. Für Letzteres ist das Amerika-Haus natürlich ein geeigneter Ort. Schließlich hatten die USA das Haus vor 60 Jahren eingerichtet, um für demokratische Werte zu werben, vor dem Mauerbau sollte es auch Ost-Berliner anlocken. Ab 1968 drehte sich dann auch in West-Berlin der Wind, das Amerika-Haus wurde aus Protest gegen den Vietnam-Krieg selbst Ziel von Farbbeuteln und Steinwürfen. Nach den Terroranschlägen von 2001 und der Kritik am Irak-Krieg schotteten sich die US-Amerikaner stärker ab; 2006 gaben die USA die Immobilie an das Land Berlin zurück.

Nun soll das Haus wieder zum offenen Dialog einladen. Schüler sollen kommen, sie waren zuletzt durch Gebühren verprellt worden. Jetzt  können sie sich immerhin fünf Publikationen pro Quartal kostenfrei ausleihen.


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