22.02.2012

Unfreier Gauck: Vier Leibwächter

Von Lutz Schnedelbach
Die Spitzen von CDU, CSU, SPD und Grünen treten vor die Presse. Zuvor hatten sie sich auf Joachim Gauck als gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten geeinigt. Von links: Claudia Roth (Grüne), Sigmar Gabriel (SPD), Angela Merkel (CDU), Joachim Gauck, Jürgen Trittin (Grüne), Cem Özdemir (Grüne), Philipp Rösler (FDP) und Horst Seehofer (CSU).
Die Spitzen von CDU, CSU, SPD und Grünen treten vor die Presse. Zuvor hatten sie sich auf Joachim Gauck als gemeinsamen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten geeinigt. Von links: Claudia Roth (Grüne), Sigmar Gabriel (SPD), Angela Merkel (CDU), Joachim Gauck, Jürgen Trittin (Grüne), Cem Özdemir (Grüne), Philipp Rösler (FDP) und Horst Seehofer (CSU).
Foto: dapd
Berlin –  

Ist Joachim Gauck zum Bellevue-Chef gewählt, ändert sich sein Leben auch sicherheitstechnisch von heute auf morgen. Als höchster Mann im Staate kann sich dann der freiheitsliebende Pfarrer nicht mehr frei bewegen. Tag und Nacht vom Staat beschützt, das wird nervig.

Egal ob Gauck als Staatsoberhaupt seine Wohnung in Schöneberg behält, sich eine Wohnung im Schloss Bellevue einrichten lässt oder in die Dienstvilla in Dahlem umsiedelt, der Mann hat Sicherheitsstufe 1, so wie die Kanzlerin.

Doch schon jetzt sorgt das Bundeskriminalamt dafür, dass dem Noch-Kandidaten nichts zustößt. Offen oder verdeckt überwachen Beamte seinen Schöneberger Kiez und kontrollieren jeden, der Gaucks Wohnhaus betritt. Auch seine Lebensgefährtin wird sich mit Sicherheit an die Sicherheit gewöhnen müssen. So ganz privat auf dem Kurfürstendamm schlendern, in der Friedrichstraße am Wochenende Eis essen oder am Abend in der Bötzowstraße ein Bier trinken, das wird schwer werden.

Im Schloss Bellevue wird Joachim Gauck die Beamten des Bundeskriminalamtes kennenlernen, die vor seinen Gemächern sitzen und ihn und seine Gäste schützen. Schaut er mal aus dem Fenster erblickt er statt der schönen Aussicht Bundespolizisten, die mit Hunden oder ohne ums Gebäude patrouillieren oder er sieht Uniformierte, die an den Eingängen den Besuch kontrollieren. Und im Park wird Gauck beobachtet. Überwachungskameras sind rund um das Haus installiert und senden ständig ihre Bilder an eine Leitstelle.

Kein „lecker Mittagessen“ mit Hape Kerkeling

Ja, er kann sich sicher fühlen. Obwohl, trotz der Technik und der vielen Sicherheitsleute gab es auch schon Pannen. So fuhr Hape Kerkeling verkleidet als Königin Beatrix am 25. April 1991 zum Schloss, betrat es und wollte dort „lecker Mittagessen“. Mit Schrecken erinnern sich ältere Polizisten daran, dass es 1996 einem Mann gelang, die Absperrung des Schlosses zu durchbrechen und bis vor den Eingang zu fahren.

Der Sicherheitschef ließ daraufhin den Rasen absenken und eine verdeckte Betonwand mauern. Peinlich ist den Polizisten auch, dass vor elf Jahren ein Tourist über den Zaun kletterte und bis vor das Foyer gelangte. Die Überwachungskameras hatten den Mann nicht gefilmt. Sie waren ausgeschaltet, weil sich Beamte auf den Monitoren lieber Sport anschauten, der im Fernsehen übertragen wurde.

Nach all diesen Pannen wird es für den neuen Präsidenten nahezu unmöglich, unbemerkt auszubüxen. Tritt er vor die Tür, begleiten ihn vier Personenschützer zu einem gepanzerten Auto. Dessen Marke kann sich Gauck zwar aussuchen, den Sicherheitsstandard aber nicht. Die Bodyguards vom Bundeskriminalamt sind Frauen und Männer, die das Waffenhandwerk und das Autofahren perfekt beherrschen. Sie sind sportlicher als andere und kennen sich auch in der Ersten Hilfe aus. Es ist stets das selbe Team, das dem Präsidenten den Rücken freihält. Auffällig oder verdeckt. Sie tun es, bis sie um die 40 Jahre alt sind. Dann werden sie durch jüngere Leute ersetzt. Beim Amt des Bundespräsidenten ist das anders. Hier gilt ein Mindestalter von 40 Jahren.

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