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Union-Präsident Dirk Zingler: „Wir fischen nicht im selben Teich“

Dirk Zingler auf der neuen Haupttribüne im Stadion An der Alten Försterei. Dort gibt es 3800 Sitzplätze, auf den Tribünen rundum haben sich die Unionfans selbst an die 18.000 Stehplätze gebaut.

Dirk Zingler auf der neuen Haupttribüne im Stadion An der Alten Försterei. Dort gibt es 3800 Sitzplätze, auf den Tribünen rundum haben sich die Unionfans selbst an die 18.000 Stehplätze gebaut.

Foto:

Benjamin Pritzkuleit

Zum Gespräch treffen wir uns im Stadion An der Alten Försterei in Köpenick. Auf der Suche nach einem schönen Platz für das Foto kommen mehrere Spieler des Vereins zu uns und begrüßen alle artig mit Handschlag. Das Interview führen wir auf der Haupttribüne, die seit einem Jahr das modernisierte Fußballstadion komplettiert.

Herr Zingler, die Saison hat begonnen. Wollen Sie diesmal in die 1. Liga aufsteigen?

Nicht unbedingt. Wir erzwingen die Dinge nicht. Wenn’s kommt, dann kommt’s. Wenn nicht, dann bricht die Welt für uns auch nicht zusammen. Entscheidend ist, dass wir uns wohlfühlen bei dem, was wir tun.

Was würde sich denn für Union verändern in der 1. Liga?

Dann spielt hier nicht mehr der SV Sandhausen, sondern der FC Bayern München. Wir bleiben dieselben.

Es ist doch eine Illusion, dass ein Verein, der gegen München und Dortmund spielt, derselbe bleibt.

Wieso? Wir haben uns auch nicht allzu sehr verändert, als wir von der 4. in die 3. und dann von der 3. in die 2. Liga aufgestiegen sind. Die Menschen hier bleiben ja dieselben.

Vor zehn Jahren, als Sie Präsident wurden, kamen 6000 Menschen ins Stadion. Jetzt sind es 20.000. Da hat sich doch vieles verändert.

Ja, das Stadion ist voller geworden. Wir haben eine Auslastung von 97 Prozent und darüber freuen wir uns. Ich glaube, dass jeder, der unsere Art des Fußballs gut findet und wiederkommt, irgendwann auch ein Unioner wird.

Wenn immer mehr Menschen kommen, kann man dann das Besondere bei Union, das Familiäre, bewahren?

Wir sollten nicht immer nur verklärt nach hinten schauen. Wenn wir Angst haben vor neuen Menschen und irgendwann ein Schild hinhängen mit der Aufschrift „Geschlossene Gesellschaft“, dann werden wir uns verändern, und zwar in die falsche Richtung. Ich glaube, dass Union sich auch deshalb so positiv entwickelt hat, weil immer neue Unioner mit neuen Ideen gekommen sind.

Neue Ideen kommen aber nicht nur gut an, wie das WM-Wohnzimmer. Im Stadion auf Sofas WM gucken galt weltweit als charmanteste Idee für Public Viewing. Doch unter manchen Unionfans gab es Widerstand. Haben Sie da etwas unterschätzt?

Nein. Dass es unterschiedliche Auffassungen zum WM-Wohnzimmer gab, wussten wir seit Monaten. Aber Gegner sind immer lauter als Befürworter. Normalerweise ist es bei uns ja so, dass etwas diskutiert und geklärt wird und am nächsten Tag gibt es das nächste Thema. Das WM-Wohnzimmer dauerte aber viereinhalb Wochen, da haben sich einige regelrecht festgebissen. Es wurde bei einigen zum Synonym für grundsätzliche Ängste, die im deutschen Fußball grassieren – und für die wir vollstes Verständnis haben. Es geht um Kommerzialisierung und während der WM um die Fifa. Und dann gibt es Einzelne, die sagen, hier darf nichts stattfinden außer 17 Heimspiele von Union. Da muss man als Verantwortlicher Ruhe bewahren, sich alles respektvoll anhören und Argumente austauschen.

Und auch klare Ansagen machen?

Ich bin nicht der Typ für Ansagen, ich spreche lieber in kleinen Runden und direkt mit den Menschen. Die Stadion AG hat den klaren Auftrag, gewinnorientiert zu arbeiten. Und wenn Veranstaltungen möglich sind im Stadion, dann werden wir die auch durchführen. Womit wir künftig kritischer umgehen werden, sind fußball-ähnliche Veranstaltungen.

Lesen Sie im nächsten Abschnitt, was Dirk Zingler über Hertha BSC und RB Leipzig denkt

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