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Unter der Linie U9: Rätselhaftes Zimmer in Berliner U-Bahn-Tunnel entdeckt

Hereinspaziert: Sogar die Wänder im Zimmer sind tapeziert.

Hereinspaziert: Sogar die Wänder im Zimmer sind tapeziert.

Foto:

zVg

Ende Januar haben BVG-Mitarbeiter in einem U-Bahntunnel ein komplett eingerichtes Zimmer entdeckt. Sie waren im Tunnelsystem der U-Bahnlinie 9 unterwegs, um dort routinemäßig die bereitgestellten Feuerlöscher zu kontrollieren.

Ein Zimmer im 80er Jahre Look

In einem unbefahrenen Tunnelstück entdeckten sie das, was das Foto zeigt: Ein mit Tapete, Teppich, Bett und Fernseher aufgebautes Zimmer, das den Charme der 1980er Jahre verströmt.

Ein Ikeabett aus klar lackiertem Holz, blaues Laken, geblümte Bettwäsche. In der Ecke steht eine Yucca-Palme, auf einem Tischchen ein kleiner Röhrenfernseher. An der mit blasser Karotapete tapezierten Wand hängt ein in der damaligen Zeit sehr beliebter Matisse-Druck, an einer anderen ein kitschiges Bild von Frau mit Katze. Von oben baumelt eine weiße Reispapierkugel-Lampe. Sogar das Licht brennt. Dennoch erkennt man, dass in diesem Zimmer nicht gewohnt wurde. Es wirkt kulissenhaft und etwas steril.

Wer hat die Fotos gemacht?

Die professionell ausgeleuchteten und in bester Qualiät aufgenommenen Fotos haben die BVG-Mitarbeiter nicht selbst gemacht. Sie wurden mehreren Zeitungen „zugespielt“, sprich sie gingen unter Nennung von Allerweltsnamen als Absender per Mail ein. Also: Was soll das? Ist das lustig? Ist das Kunst? Eine Aktion? Vor allem ist es eins: unglaublich leichtsinnig weil hochgradig lebensgefährlich.

Denn die Unbekannten, die das Zimmer aufgebaut haben, mussten alle Gegenstände über Gleise und durch Tunnelteile transportieren, wo Starkstromleitungen verlaufen und U-Bahnen in voller Fahrt durch die Tunnel rasen. „Das ist kreuzgefährlich“, sagt BVG-Sprecherin Petra Reetz. „Dort war überall Strom angeschaltet“. Ein falscher Schritt, ein schnell heranfahrender Zug hätten den Tod bedeuten können.

Klarer Fall von Hausfriedensbruch

Über einen aufgebrochenen Zugang haben sich die Zimmerbauer Zugang verschafft, allein das ist schon strafbar. „Es ist klarer Hausfriedensbruch“, so Reetz, „und wenn wir wissen, wer dahinter steckt, erstatten wir Anzeige.“ Zudem wurde durch die Aktion „Brandlast“ in die Tunnel gebracht, was im Ernstfall ein Feuer zusätzlich verschlimmert hätte. Inzwischen wurde das Zimmer abgebaut und die Gegenstände entfernt.

Ähnliches habe die BVG bislang noch nicht erlebt. „Aber es gibt eine gewisse Szene. Da machen sich Leute einen Spaß draus, an die absurdesten Orte zu gelangen“, sagt Reetz. „Es geht denen um Ruhm.“ Solche Phänomene kenne man beispielsweise aus der Sprayerszene, auch U-Bahnbetriebe in anderen Städten müssten sich damit beschäftigen.

Kunst, Kulisse, Aktion oder was?

Also, was soll es nun? Könnte gut sein, dass das Zimmer als Kulisse für ein Fotoshooting aufgebaut wurde. Aber für welchen Zweck? Mode? Möbel? Kunstaktion? Oder eine Protestaktion gegen irgendwas? Vielleicht werden ja bald noch mehr Fotos von der Session öffentlich. Bekennen wird sich wohl niemand dazu, denn die Konsequenzen dürften die Zimmerbauer schon vorher gekannt haben.


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