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Unterkunft für Asylbewerber: Alle unter einem Dach

In das Flüchtlingsheim in Hellersdorf kamen Anfang 2014 die Studenten der Hochschule nebenan, um sich mit den Bewohnern zu solidarisieren.

In das Flüchtlingsheim in Hellersdorf kamen Anfang 2014 die Studenten der Hochschule nebenan, um sich mit den Bewohnern zu solidarisieren.

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Markus Wächter

Im Berliner Senat gibt es den Plan, dass Asylbewerber künftig nicht mehr unter sich in den Unterkünften leben, sondern auch Studenten oder Obdachlose mit ihnen in einem Haus wohnen werden. „Bei einer entsprechenden Größe der Unterkünfte können wir diese auch für unterschiedliche Gruppen nutzen“, sagte der Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso), Franz Allert, der Berliner Zeitung. Er widersprach gleichzeitig Meldungen, wonach gleich alle drei Gruppierungen, also Flüchtlinge, Studenten und Obdachlose, gemeinsam untergebracht werden.

Eröffnung Ende 2015

Konkret plant das Lageso zurzeit den Umbau eines früheren Schulinternates in der Conrad-Blenkle-Straße in Prenzlauer Berg zu einem Flüchtlings- und Studentenwohnheim mit etwa jeweils 250 Plätzen. „Die gemeinsame Planung mit dem Studentenwerk ist abgeschlossen“, sagte Allert. Studenten suchten immer preiswerte Wohnungen in dieser Stadt, ebenso suchten der Senat und das Lageso ständig neue Wohnungen für Asylbewerber. „Da dachten wir, wir können das auch gemeinsam machen.“ Frühestens Ende 2015 könnte dann Berlins erstes Flüchtlings- und Studentenwohnheim eröffnen.

Weniger konkret ist die Idee, dass Asylbewerber auch mit Obdachlosen in einem Haus zusammenleben könnten. Hintergrund dieser Überlegung ist die Tatsache, dass die Bezirke für die Unterbringung von Wohnungslosen zuständig sind, es aber immer weniger geeignete Häuser dafür gibt. Erst Ende 2013, mitten im Winter, musste eine Notunterkunft für Wohnungslose mit 17 Betten im Hinterhaus der Prenzlauer Allee 87 schließen. Neue Notunterkünfte hat der Verein mob e.V. bisher nicht gefunden.

Lageso-Präsident Allert betont, dass es bei den geplanten Unterkünften für Flüchtlinge und Obdachlose um einen „Interessenausgleich zwischen Bezirken und dem Land Berlin“ gehe. „Wir haben so eine viel bessere nachhaltige Nutzung der Gebäude.“

Doch führt das Zusammenleben von Flüchtlingen und Obdachlosen nicht zu Konflikten? Wolfgang Hornig verneint diese Frage. Seit 17 Jahren leitet er das Aufnahme- und Übergangswohnheim des Internationalen Bundes im Trachtenbergring in Tempelhof-Schöneberg. 97 wohnungslose Männer leben dort mit derzeit 176 Flüchtlingen und Spätaussiedlern. Hornig spricht von einem „absolut stressfreien Zusammenleben“, bei dem aber auch strenge Regeln gelten. Mit jedem Wohnungslosen werde ein „ausführliches Aufnahmegespräch“ geführt, sagt Hornig. Menschen mit psychischen Krankheiten, Drogenabhängigkeit und in extremer Verwahrlosung werden nicht aufgenommen.

Anti-NPD-Demo in Weißensee

Für Berlin wird die Suche nach geeigneten Flüchtlingsunterkünften eine immer dringendere Aufgabe. Allein im Juli 2014 kamen 1 047 neue Flüchtlinge in die Stadt, das war der monatlich höchste Zugang seit 15 Jahren. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres wurden rund 5000 neue Flüchtlinge in Berlin untergebracht, für das gesamte Jahr rechnet der Senat mit insgesamt 10.000 Asylbewerbern. Im vergangenen Jahr lebten 6039 Flüchtlinge in der Hauptstadt. Das waren 72 Prozent mehr als 2012, als 3518 Flüchtlinge registriert wurden.

Eines der nächsten Wohnheime entsteht bis zum Jahresende im Comfort Hotel an der Rennbahnstraße 87 in Weißensee. 260 Menschen aus Syrien, Irak, Afghanistan und Somalia werden dort in Doppel- und Dreibettzimmern sowie in Familienapartments leben. Im Haus arbeiten Sozialarbeiter und Dolmetscher rund um die Uhr.

An diesem Sonnabend rufen Anwohner und linke Gruppen von 10 bis 14 Uhr zu Protesten gegen eine Demonstration der NPD auf, die in Weißensee ihre Anti-Asylheimkampagne fortsetzen will.