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Unterricht: Englisch in der Grundschule kommt zu kurz

Englisch Unterricht

Kinder sollen mehr Englisch-Unterricht bekommen.

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imago/Stefan Noebel-Heise

Berlin -

Die jetzige Form des Fremdsprachenunterricht an Grundschulen ist von Wissenschaftlern heftig kritisiert worden. „Bei zwei Stunden Englisch pro Woche in der 3. Klasse kann es nicht funktionieren“, sagte Lehrerausbilderin Daniela Caspari, Professorin für romanische Sprachen an der Freien Universität (FU). Sie schlug stattdessen vor, zunächst mit vier, fünf Unterrichtsstunden zu beginnen. In der 5. und 6. Klasse solle der Fremdsprachenunterricht – meist ist Englisch die erste Fremdsprache – im Gegenzug auf zwei, drei Stunden pro Woche reduziert werden. Dann würde sich die Sprachkompetenz schneller herausbilden. Außerdem schlug sie bei der Anhörung im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses vor, auch verstärkt andere Sprachen als Englisch anzubieten.

Nur noch 38 von gut 370 Berliner Grundschulen würden heute Französisch als erste Sprache anbieten, vor ein paar Jahren seien es noch gut 70 Grundschulen gewesen. „Man sollte über eine Nachbarsprache wie Polnisch als erste Fremdsprache nachdenken“, sagte sie. Die Defizite im Fremdsprachenangebot würden generell dazu führen, dass Eltern ihre Kinder verstärkt auf bilinguale Privatschulen schickten.

Kinder werden früher mit Englisch konfrontiert

Noch heftiger fiel die Kritik ihres FU-Kollegen Dieter Mindt aus. Den Unterrichtsstoff der ersten beiden Jahre Englisch würden Fünftklässler sich innerhalb von sechs Wochen erschließen können. „Die Schulbuchverlage haben es sich hier einfach gemacht“, sagte Mindt. Sie hätten ihre bisherigen Lehrwerke beibehalten und für die Schüler der 3. und 4. Klasse nur eine Nuller-Lektion hinzugefügt. Mindt fügte hinzu, dass man verstärkt digitale Lernmittel einsetzen müsse und Kinder heute schon viel früher mit dem Englischen in Berührung kämen als noch vor 20 Jahren.

Seit Ende der 1990er-Jahre wird die erste Fremdsprache an Berliner Grundschulen nicht mehr ab Klasse 5, sondern ab Klasse 3 gelehrt. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte, dass man seit 2012 auch die Englischlehrer an den Grundschulen gezielter qualifiziere. Caspari merkte zudem an, dass auch die neuen Rahmenlehrpläne hier nicht aus einem Guß seien.

Neben dem herkömmlichen Fremdsprachenunterricht gibt es noch 17 Staatliche Europaschulen. In den dortigen, personell besser ausgestatteten Spezialklassen wird zur Hälfte eine spezielle europäische Sprache wie Englisch, Französisch, Spanisch, Polnisch oder auch Türkisch unterrichtet, zur Hälfte Deutsch. Das Angebot richtet sich auch an Muttersprachler. Daneben gibt es noch fünf Grundschulen, die Schüler sowohl auf Türkisch als auch auf Deutsch alphabetisieren. Gestartet war das Projekt allerdings mit 18 Grundschulen.

Viele mehrsprachige Kinder

Der parteilose Fraktionsvorsitzende der Piraten, Martin Delius, wandte sich grundsätzlich gegen den Begriff Fremdsprache. „Wieso bezeichnen wir Englisch als Fremdsprache und Türkisch als Herkunftssprache?“, fragte er. Grünen-Bildungspolitikerin Stefanie Remlinger fordert in Ergänzung zu Europaschulen sogenannte Weltschulen, in denen zum Beispiel neben Deutsch auch Arabisch oder Farsi gelernt werden könne. Und die GEW-Vorsitzende Doreen Siebernik erinnerte daran, dass schon fast die Hälfte aller Berliner Kinder, die eingeschult werden, mehrsprachig aufgewachsen sind oder eine andere Muttersprache als Deutsch haben. Dies müsse in der Bildungspolitik noch stärkere Beachtung finden.



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