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Unterricht mit Notebooks: 1089 Euro für den Schulbesuch

Die Klasse 5.1. des Otto-Nagel-Gymnasiums bei ihrer ersten Notebook-Schulung am Mittwoch.

Die Klasse 5.1. des Otto-Nagel-Gymnasiums bei ihrer ersten Notebook-Schulung am Mittwoch.

Foto:

Paulus Ponizak

Berlin -

Wer sein Kind an das Otto-Nagel-Gymnasium in Biesdorf schickt, der muss erst einmal 1089 Euro zahlen. Nicht, dass jenes beschaulich gelegene Gymnasium eine teure Privatschule wäre. Es ist eine staatliche Schule, aber eine ganz besondere: Jeder Schüler erhält – einzigartig in Berlin – kurz nach seiner Einschulung ein Macbook Air, 13 Zoll, der Firma Apple.

Ein schnelles Notebook mit viel Speicherplatz. Das koste halt 1089 Euro, sagt Schulleiter Lutz Seele. Er habe schon einen Rabatt ausgehandelt. „Wir haben den Anspruch, unsere Schüler damit wirklich gut auf die nächsten 40 Jahre in einer digitalen Welt vorzubereiten.“

Tolles Fingerspitzengefühl

Am Otto-Nagel-Gymnasium sind die neue Macbooks für 128 Schüler in dieser Woche per Lieferwagen eingetroffen. Die Eltern hatten fünf Monate Zeit, das Geld anzusparen – seit die Zusagen für die begehrten Schulplätze im Mai rausgegangen waren. Ab Mittwoch nun werden die Schüler der Klasse 5.1. im Umgang mit den neuen Geräten geschult. Lehrerin Marica Goldammer fragt zunächst, wer noch nie im Internet recherchiert hat.

Nur einer von 32 Schülern meldet sich. Die meisten wissen schon jetzt genau, wie man ein Lesezeichen aktiviert, kennen diverse Internet-Suchmaschinen, auch solche für Kinder wie „blinde-kuh.de“. „Das Notebook ist echt schnell, zu Hause musste ich mir immer den alten und schweren Laptop meiner Mutter ausleihen“, sagt Kira. Lennart schwärmt vom „tollen Fingerspitzengefühl“.

Finanzielle Unterstützung vom Lernhilfverein

Was aber ist mit den Eltern, die sich ein solch teures Gerät nicht leisten können? Theoretisch übernimmt dann der Lernhilfeverein der Schule die Kosten. In den zahlen auch gut verdienende Anwälte oder Ärzte ein, deren Kinder die Schule besuchen. „Eltern, die das Geld nicht aufbringen, können sich vertraulich an mich wenden“, sagt Schulleiter Seele. Niemand erfahre, wer um Geld gebeten hat.

Allerdings, berichtet der Schulleiter, sind in diesem Jahr lediglich vier von 128 Notebooks über den Lernmittelfonds bezahlt worden. In einer Stadt, in der jedes dritte Kind als arm gilt, ist die Zahl der Nicht-Privilegierten am Otto-Nagel-Gymnasium also deutlich unterrepräsentiert. Selbst wenn einige Eltern vor einer Bewerbung zurückschrecken - das Nagel-Gymnasium, dessen Schüler überdurchschnittlich gute Abiturnoten erzielen, hat dreimal so viele Bewerber wie Plätze.

Und das Internet hat die Schule verändert: Elftklässler Dennis betreibt das Digitale Schwarze Brett. Alle schulischen Veranstaltungen werden auf dem Bildschirm im Schulfoyer abgespielt. Der Vertretungsplan ist online. Mathe-Lehrer brauchen nicht mehr mühsam ein Tafelbild an die Kreidetafel zeichnen, sie haben es auf ihrem Notebook gespeichert und legen es in einem digitalen Ordner für jeden Schüler zugänglich ab.

Alles funktioniert hier nur mit Apple

Einige Lehrer sind mit Schülern in Facebook-Gruppen organisiert und beantworten auch mal abends Anfragen. Der Geografie-Lehrer baut einen Youtube-Film über ein Gewitter in den USA in seinen Unterricht zum Weltklima ein. In der Deutschstunde wird eine Radiosendung auf dem Notebook hergestellt. Zwei Informatiklehrer bieten den Kollegen, auch den älteren, wöchentlich Notebook-Schulungen an.

Vor ein paar Jahren führte man die Notebooks ein. Der Grund: Schüler hatten ihre Präsentationsarbeiten auf heimischen Laptops vorbereitet, diese Arbeiten ließen sich aber auf den paar Schulcomputern mit ihrer veralteten Software nicht abspielen. Doch wieso muss es Apple sein, wo doch so viele Computerfirmen mittlerweile auf den Bildungsmarkt drängen? Man habe nun mal alles so eingerichtet, dass es mit Apple funktioniert, sagt Seele.



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