blz_logo12,9

Unterrichtsreform an den Schulen: Berlin und Brandenburg veröffentlichen neue Lehrpläne

Die neuen Rahmenpläne für die Berliner und Brandenburger Schulen gelten von der 1. bis zur 10. Klasse.

Die neuen Rahmenpläne für die Berliner und Brandenburger Schulen gelten von der 1. bis zur 10. Klasse.

Foto:

imago/Westend61

Berlin -

Die neuen Lehrpläne für die Schulen in Berlin und Brandenburg sind jetzt im Internet einsehbar. Sie bestimmen, was Schüler im Unterricht bis zu welchem Zeitpunkt gelernt haben sollen und legen fest, wie Lehrer die Stunden in insgesamt 28 Fächern gestalten. Neu ist, dass alle Rahmenlehrpläne umfassend von der 1. bis zur 10. Klasse gelten, eine Unterscheidung in Grundschule und Mittelstufe findet nicht mehr statt. „Es sind Lehrpläne aus einem Guss“, sagt Tom Stryck, Abteilungsleiter der Bildungsverwaltung.

Auch gibt es keinen eigenen Lehrplan für lernbehinderte Kinder, alles ist in einen Lehrplan integriert. Inklusion wird so in die Praxis umgesetzt. Hier beginnen allerdings auch die Probleme. Denn folgerichtig müsste dann auch das besondere Notensystem für lernbehinderte Kinder, die „Sternchennoten“, wegfallen. Ob dies tatsächlich passiert, soll noch diskutiert werden.

Zentrales Ziel der Neuregelung ist es, die bereits 10 Jahre alten Lehrpläne zu entschlacken und zu modernisieren. So steht es bereits im Koalitionsvertrag. Deshalb wurde einiges gestrichen, Begrifflichkeiten wurden vereinheitlicht. Umfassten die Lehrpläne für das Fach Deutsch bisher 93 Seiten, sind sie jetzt auf 33 Seiten reduziert. Zudem achteten die 140 Experten darauf, dass bestimmte Themen nicht zu oft auftauchten. „Die Zelle und die Zellteilung kamen sehr häufig vor“, sagt Susanne Wolter vom Landesinstitut für Schule und Medien.

Zugleich aber hat man 12 übergreifende Themen ausgewählt, die der Lehrer in verschiedene Fächer einflechten soll. Darunter die Berufs- und Studienorientierung, die Verbraucherbildung , die Demokratieerziehung und die kulturelle Bildung. „Die Auswahl ist uns nicht leicht gefallen“, räumt Susanne Wolter ein. Die Industrie- und Handelskammer mahnte bereits mehr Wirtschaftskompetenz an. Neu ist auch, dass alle Lehrer sich mit Sprach- und Medienbildung befassen müssen. Überhaupt wird die Sprachbildung zunehmend als Schlüssel gesehen, damit Schüler zum Beispiel auch mathematische Aufgaben besser durchdringen können. Mit Hilfe dieser fächerübergreifenden Ansätze soll die Schule für mehr Allgemeinbildung sorgen, die im Elternhaus oft nicht mehr vermittelt wird.

In dem neuen Fach Gesellschaftswissenschaften gehen in der 5. und 6. Klasse die Fächer Geschichte, Geografie und Politische Bildung (bisher Sozialkunde genannt) auf. Wer sich mit der Antike beschäftigt, soll zugleich eine räumlich-geografische Vorstellung vom Kulturraum rund um das Mittelmeer erhalten und demokratische Elemente bei den alten Griechen kennenlernen. Auf Widerstand stoßen die neuen Lehrpläne bei vielen Geschichtslehrern. Sie fürchten eine Entwertung des Faches. Denn künftig soll es so sein, dass die neuen Lehrpläne auch in den Klassenstufen 7 und 8 verstärkt auf sogenannte Längsschnitt-Themen setzen. Dabei sollen bestimmte Themen wie „Migration und Bevölkerung“ oder „Armut und Reichtum“ über verschiedene Epochen betrachtet werden. Der chronologische Ansatz, Geschichte in Verbindung mit Jahreszahlen zu lernen, wird zurückgedrängt. „Chronologie ist aber der Geschichte wesenseigen“, sagt Peter Stolz vom Fachverband der Berliner Geschichtslehrer.

Online-Plan soll Lehrern helfen

Von einem „Treppenwitz der Berliner Lehrplan-Geschichte“, spricht der Pädagoge Robert Rauh, Gewinner des Deutschen Lehrerpreises 2013. Er verweist darauf, dass hiesige Lehrer die Schüler wieder nach den alten, nicht klar voneinander abgegrenzten Kompetenz-Kriterien einschätzen müssen. „In anderen Bundesländern wird klar zwischen Sach-, Methoden-, Urteils- und Handlungskompetenz unterschieden.“ Reformpädagogen wiederum bemängeln, dass Berliner Kinder ab der 7. Klasse zu sehr nach Leistung aufgeteilt würden. Immerhin: Mit Hilfe eines Online-Plans sollen Lehrer künftig leichter Zugang zu Lernmaterialien bekommen.