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Unterschriften für Reform: Zehn-Punkte-Plan für bessere Schulen

Robert Rauh, Lehrer und Initiator des Aufrufs für eine Schulreform.

Robert Rauh, Lehrer und Initiator des Aufrufs für eine Schulreform.

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BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK

Robert Rauh, Geschichtslehrer am Barnim-Gymnasium in Lichtenberg, wurde gerade mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet. Seine Schüler hatten ihn selbst für den Preis vorgeschlagen, weil sie seinen Unterricht so toll finden. Nun dreht der 46-Jährige ein ganz großes Rad und hat einen Zehn-Punkte-Plan für eine notwendige Schulreform formuliert. Zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs gehören die Schauspielerin Corinna Harfouch, die Eisschnellläuferin Jenny Wolf und Florian Bublys von der Junglehrerinitiative „Bildet Berlin!“.

Es gehe um keine Revolution, aber um konkrete Veränderungen vor Ort, heißt in dem Text. Eine zentrale Forderung ist die Reduzierung der Lehrpläne auf das Wesentliche. „Das stupide Pauken von Stoffmengen für einen Test oder für eine Klausur produziert Stress und „Bulimie-Wissen“, heißt es. Von dem Gelernten bleibe oft nichts hängen, das bemängeln Bildungsforscher schon lange.

Vielmehr müssten Schüler anhand exemplarischer Beispiele die entscheidenden Kompetenzen vermittelt bekommen. Dabei sollten auch Werte wie Selbstständigkeit, Verantwortungsbereitschaft und Teamfähigkeit viel stärker gefördert werden. Rauh, den seine Schüler wegen seines lebendigen Unterrichts schätzen, bildet auch selbst Lehrer aus. Er ist also ein Mann aus der Praxis, der die Umstände, unter denen er zu arbeiten hat, nicht länger widerspruchslos hinnehmen will.

Das Turboabitur nach 12 Jahren am Gymnasium ist so ein Fall. Das sehen er und die anderen Unterzeichner äußerst kritisch, weil keine Zeit mehr bleibe, um das Gelernte wirklich zu durchdringen. Gymnasien sollten deshalb wieder selbst entscheiden, ob sie das Abitur nach 12 oder 13 Jahren anbieten, so die Forderung.

Zudem sollte die Schulen nach Meinung der Unterzeichner später beginnen, den wer länger schläft, lerne besser und sei auch sonst ausgeglichener. Insgesamt spiegelt der Zehn-Punkte-Plan vieles wider, was nicht wenige Lehrer am derzeitigen Schulsystem stört: Die völlig unterschiedlichen Regelungen in den verschiedenen Bundesländern, die unsanierten Schulgebäude, die bürokratischen Vorgaben und die offene Frage, wie Lernen im digitalen Zeitalter aussehen soll.

Gleiche Chancen für alle

Eine weitere zentrale Forderung ist, dass alle Kinder möglichst gleiche Bildungschancen erhalten. Ein solcher Passus findet sich inzwischen zwar in vielen Sonntagsreden von Politikern und in diversen Parteiprogrammen. Doch die Initiative wird konkreter, fordert Ganztagsschulen mit kostenloser Hausaufgabenbetreuung oder Gratis-Nachhilfeunterricht. Die Klassen sollten kleiner, eine Unterrichtsstunde 60 oder 90 Minuten dauern.

Nur so könnten Schüler je nach ihren Bedürfnissen gefördert werden. Derzeit sehe das leider nicht so aus: „Wie im 19.Jahrhundert sitzen in der Mittelstufe häufig noch mehr als 30 Schüler dicht gedrängt in viel zu kleinen Klassenräumen und absolvieren im 45-Minuten-Takt bis zu sieben Fächer am Tag.“ Unter diesen Umständen müsse eine individuelle Förderung, gar die Inklusion von Schülern eine Illusion bleiben.

Auffällig ist, dass die Vorschläge der Initiative einen sehr konstruktiven Charakter haben. Es gehe nicht darum, von der Politik nur mehr Geld für Bildung zu verlangen. Der Eisschnellläuferin Jenny Wolf war der Punkt 7 des Aufrufs besonders wichtig. Dort wird eine noch weitergehende Vernetzung der Schulen mit Sportvereinen, Jugendklubs oder Musikschulen gefordert.

Der Lehrer Robert Rauh hatte die Leistungssportlerin und auch Schauspielerin Corinna Harfouch bei den Schönhauser Schlossgesprächen kennengelernt. Rauh ist der Moderator dieser Gesprächsreihe, die nahezu alle drei Monate im Pankower Schloss stattfindet. Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), der Schriftsteller Christoph Hein oder Schauspielerin Carmen-Maja Antoni waren dort bereits seine Gäste. Auf einer Internet-Seite sammelt die Initiative nun Unterschriften. Wenigstens eine Debatte darüber, was gute Schulen ausmacht, will Robert Rauh anzetteln.



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