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Unterwegs in Brandenburg: Ein Brandenburg-Wanderführer für Hunde

Alexander Schug (r.) wurde vor 41 Jahren in Essen geboren. Otto von den Muschelsuchern (l.) kam vor dreieinhalb Jahren in Berlin zur Welt.

Alexander Schug (r.) wurde vor 41 Jahren in Essen geboren. Otto von den Muschelsuchern (l.) kam vor dreieinhalb Jahren in Berlin zur Welt.

Foto:

Lucas Heinz

Alexander Schug hat Geschichte in Dresden, London und Berlin studiert. Der promovierte Historiker schreibt Bücher übers Altern, über die Berliner Mauer oder über Ahnenforschung. Doch dann holte sich der Berliner Autor einen Hund und alles wurde anders.

Herr Schug, geht Ihr Hund gern ins Fledermausmuseum?

Sie meinen, weil ich ein solches in meinem Wanderführer für Hunde als Besonderen Ort erwähne. Nee, mein Hund hat kein Interesse dran. Aber ein Ausflug nach Brandenburg soll ja nicht nur für den Hund richtig schön sein. Der muss dann beim Museumsbesuch draußen warten.

Ihr Hundewanderführer heißt „Fred & Otto unterwegs in Brandenburg“. Wer ist Otto, wer ist Fred?

Otto ist Otto – mein Hund. Und Fred war der beste Freund von Otto. Ein Terrier, der einer Hundefreundin gehört, die weggezogen ist. Ich finde, es klingt schöner, wenn zwei Freunde die Welt entdecken.

Ein Wanderführer für Hunde – hätte es nicht jedes Wanderbuch getan?

Eben nicht. Mit einem Hund unterwegs zu sein, ist etwas Besonderes. Immer gibt es Fragen: Darf ich das? Darf mein Hund das? Darf ich mit ihm da rein? Habe ich auf dieser Strecke nur Stress, weil sich am Wegesrand die Kuhweiden, Schafställe und Pferdekoppeln aneinanderreihen? Oder weil viele Radfahrer unterwegs sind. Im Wanderführer steht, wo die Stellen sind, an denen es stressig werden kann. Ich würde nie empfehlen, mit dem Hund den Radweg Berlin–Kopenhagen entlang zu gehen. So mancher Hund ist davon ziemlich gestresst, und auch wenn sie nicht gestresst sind, besteht immer Unfallgefahr.

Wie suchten Sie die Touren aus?

Hundefreundlichkeit definiert sich durch einige spezielle Aspekte: Wasser sollte vorhanden sein: ein See, Bach, Kanal, ein kleiner Fluss. Ich hab immer eine Literflasche Wasser für Otto dabei, aber gerade im Sommer ist es wichtig dass er sich abkühlen und Trinken kann.

Was ist noch wichtig?

Wichtig ist, dass die Touren nicht entlangführen von viel befahrenen Straßen, von populären Wander- oder Radwegen oder gar von Reitwegen – das ist das absolute No Go. Überall dort, wo Menschenmassen unterwegs sind, wie etwa am Liepnitzsee, würde ich mit Otto niemals hin gehen.

Wie lang sind Ihre Touren?

Ein bis sechs Stunden. Denn wer rausfährt nach Brandenburg, soll auch richtig was erleben können. Einige sind auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

Gibt es Leckerli-Stationen?

Leider gibt es keine Infrastruktur für Hunde. Aber ich erwähne im Buch nicht nur die nächste Bushaltestelle und den Tierarzt, sondern gebe auch Gastro-Tipps für Herrchen und Frauchen. Und die Gastwirte sind meist äußerst hundefreundlich. Meist gibt es gleich einen Wassernapf und Leckerlis.

Wie kamen Sie auf die Idee für diesen speziellen Wanderführern?

Ich bin mit Hunden aufgewachsen, habe aber sehr lange überlegt, ob man in Berlin mit Hund leben kann. Ich dachte: Nein. Dann überlegte ich, wenn hier 200 000 Hunde leben, kann es doch kein Unding sein. Dann habe ich mir Otto geholt, als Welpen. Ein so genannter Schokoladen-Labrador, weil er so schönes braunes Fell hat. Und mit Hund sah ich Berlin mit anderen Augen.

Sie suchten ständig nach neuen schönen Auslaufgebieten?

Genau. So entstand zuerst ein Stadtführer für Berlin und Potsdam. Als ich alle Berliner Auslaufgebiete kannte, wollte ich mit Otto ab in den Wald. Seit anderthalb Jahren fahren wir jedes Wochenende raus. Immer vier bis sechs Stunden. Mehr als 1 000 Kilometer sind wir gewandert.

Darf Otto ohne Leine laufen?

Offiziell gilt die Anleinpflicht in jedem Winkel Brandenburgs. Das ist natürlich doof. Am See lasse ich Otto auch mal von der Leine. Mit ihm geht das, er rennt nicht einfach los oder jagt.

Ist Otto in Brandenburg glücklicher?

Klar. Brandenburg ist für Hunde ganz toll. Draußen in der Natur zu sein, ist für den Hund noch mal etwas ganz anderes: Er rennt viel und ist zufrieden. Am Ende ist er voll ausgelastet und richtig schön müde. Da bringt er hinterher zu Hause auch nicht mehr den Spielball an und will beschäftigt werden.

Wandern Otto und Fred auch in anderen Regionen?

Das Ganze wird eine Reihe. Erschienen sind auch schon Rheinland und Chiemgau. Demnächst kommt die Sächsische Schweiz . Alles von befreundeten Autoren.

Und von Ihnen?

Den Ostseewanderführer mache ich selbst. Und in Brandenburg haben Otto und ich auch noch nicht alles entdeckt. Es gibt Teil 2. Und Polen ist auch nicht weit von Berlin und sehr spannend. Auch mit Hund.

Interview: Jens Blankennagel