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Urteil nach Gewalttat in Berliner Kirchenruine: Hohe Haftstrafe für Totschlag an jungen Israeli

Fation D. sitzt seit April in Untersuchungshaft und nun vor Gericht.

Fation D. sitzt seit April in Untersuchungshaft und nun vor Gericht.

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Berliner Zeitung/Katrin Bischoff

Fation D. hat das letzte Wort in diesem Prozess um den gewaltsamen Tod einen jungen Israeli. „Ich bin nicht nach Deutschland gekommen, um irgendwelche Straftaten zu begehen, sondern nur wegen des Jobs“, sagt der 28-jährige Angeklagte am Dienstag. Er habe nie jemanden töten wollen. Und er würde das, was passiert sei, gerne ungeschehen machen. Dann setzt sich der Mann mit den nach hinten gegelten Haaren wieder.

Eine Stunde später fällt das Urteil: Peter Schuster, der Vorsitzende Richter, spricht den gebürtigen Albaner des Totschlags schuldig. Fation D. muss für achteinhalb Jahre ins Gefängnis, weil er einen Tag vor Ostersonntag des vorigen Jahres den 22-jährigen Yosi D. in der Ruine der Franziskaner-Klosterkirche nahe des Alexanderplatzes umgebracht hat. „Sie haben mit großer Brutalität dem Geschädigten den Schädel eingeschlagen“, sagt Schuster. Es sei jedoch keine geplante Tat gewesen. Das Motiv sei unklar. Einen antisemitischen oder homophoben Hintergrund habe man nicht feststellen können.

Im Zimmer 405 trafen sie aufeinander

Nach Ansicht der Richter lernten sich Fation D. und Yosi D. am Karfreitag kennen. Beide hatten ein Bett in einem Hostel am Alexanderplatz gemietet, für 20 Euro die Nacht. Im Zimmer 405 trafen sie aufeinander. Der junge, schwule Israeli, der laut Schuster in letzter Zeit ein unstetes Leben geführt hatte, der Drogen und Alkohol gegenüber durchaus aufgeschlossen gegenüberstand und der am Karfreitag hilfesuchend und abgebrannt vor der israelischen Botschaft in Berlin stand, weil er nur noch 30 Euro und nach einem Diebstahl kein Handy mehr besessen hatte. Dem ein Rabbiner schließlich das Bett im Hostel vermittelte, bis zum nächsten Tag, an dem Yosi D. nach Hause zurückfliegen wollte.

Und Fation D., der seit seinem 13. Lebensjahr in den USA gelebt und sich dort zum Koch hochgearbeitet hatte – bis er wegen eines ausländerrechtlichen Vergehens nach Albanien ausgewiesen wurde und keine Arbeit mehr fand. Und der wegen eines Vorstellungsgesprächs in einem Café am Kudamm am Karfreitag nach Berlin gereist war und für vier Nächte in dem Hostel eincheckte. Eine verhängnisvolle Begegnung.

Die beiden jungen Männer trafen auf einige Bier zusammen. Am Sonnabend ging es weiter. Fation D. war von Yosi D. zunehmend genervt. Das geht zumindest aus einem Telefonat mit seinem Cousin hervor, der in Tschechien lebt und dessen Handy wegen einer Rauschgiftermittlung abgehört wurde.

Strukturiertes Verhalten nach der Tat

Am Abend gingen die Männer zur Kirchenruine, um ungestört weiterzutrinken. „Wir können nicht ausschließen, dass Sie von dem Geschädigten provoziert wurden“, sagt Richter Schuster zu dem Angeklagten. Immerhin habe Yosi D. 2,6 Promille Alkohol im Blut gehabt. Der Angeklagte sei auch alkoholisiert, aber in seiner Steuerungsfähigkeit nicht erheblich eingeschränkt gewesen. Das belege sein strukturiertes Verhalten nach der Tat, so der Richter. Fation D. hatte nochmals seinen Cousin angerufen und gefragt, was er machen solle. Er floh schließlich nach Tschechien, wo er kurz darauf festgenommen wurde.

Der Angeklagte hat vor Gericht zugegeben, für den Tod des Israelis verantwortlich zu sein. Er habe aber aus Notwehr gehandelt, sagte er. Als Yosi D. ihn unvermittelt angegriffen habe, habe er ihn mit einem Wrestlinggriff zu Boden gebracht. Sein Tod sei ein Unfall gewesen.

Dies aber schließt das Gericht aus. „Der Schädel von Yosi D. war zertrümmert“, sagt Schuster. Das Opfer starb an einem offenen Schädel-Hirn-Trauma, das laut Gericht nur von einer starken Gewalteinwirkung herrühren konnte.


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