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Vabali Spa eröffnet: Nackt baden am Berliner Hauptbahnhof

Relaxen am Poststadion: Die Macher haben 20 Millionen in das Vabali Spa investiert.

Relaxen am Poststadion: Die Macher haben 20 Millionen in das Vabali Spa investiert.

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Matthias Günther

Das Wasser in dem blauen Pool plätschert über den Beckenrand, die Abendsonne taucht die umliegenden Holzterrassen in ein warmes Orange und die Singvögel geben ein Konzert. Sonst ist nichts zu hören, wenn man auf den Liegen am Pool seine Seele baumeln lässt und sich entspannt. Es ist traumhaft und fühlt sich tatsächlich ein bisschen wie Urlaub an. Am Sonntag eröffnet das Vabali Spa, eine neue Wellness-Anlage mitten in Berlin und nur etwa 500 Meter vom Hauptbahnhof entfernt. Mit einer großen Saunalandschaft, vielen Ruheräumen und Massageangeboten ist es eines der größten Spas in Deutschland – und in dieser Art das einzige in der Hauptstadt.

Fantasiename Vabali Spa

Die Wellnessanlage haben die Brüder Stephan und Markus Theune aus Köln auf dem Gelände des früheren Sommerbades im Poststadion errichtet. Vabali ist ein Fantasiename, den sie sich ausgedacht haben. Er soll dafür stehen, dass die Ideen für die Gebäude und die Gestaltung der Anlage asiatisch inspiriert sind. Schon der 80 Meter lange Laubengang, der den Eingang mit dem Hauptgebäude verbindet, lässt einen in eine andere Welt abseits der Berliner Großstadthektik eintauchen. Die Pfeiler sind aus Teakholz, Bambus-Büsche schirmen das Gelände vom Sportplatz nebenan ab.

„Unsere Gäste können sich auf dem Weg in die Anlage der neuen Atmosphäre anpassen und den Alltag schon mal hinter sich lassen“, sagt Cornelius Riehm, der Geschäftsführer. Er ist erst vor kurzem von Köln nach Berlin gezogen, er wohnt in Mitte. Im Sommer soll seine Familie nachkommen.

Die Balken und Hölzer für die Vabali-Häuser wurden zumeist aus Bali eingeführt. Kein Urwaldriese sei dafür gefällt worden, vielmehr stamme das alte Teakholz aus Abrisshäusern in Bali. „Es wurde dort dann bearbeitet und poliert“, sagt Stephan Theune. Viele Balken sind mit Schnitzereien verziert. Immer wiederkehrendes Motiv ist die Blüte des Frangipani, einem tropischen Baum, auch Tempelbaum genannt, der vor allem in Asien wächst. Wie Riehm sagt, sei das Material in insgesamt 30 Hochseecontainern nach Berlin geschafft worden.

Zentrum der Wellnessanlage ist der große, 1,35 Meter tiefe Pool, der in das frühere Schwimmbecken des Sommerbades hineingebaut wurde. Etwa 26, 27 Grad ist das Wasser warm. Der Pool ist von Holzterrassen eingefasst, umgeben von zweigeschossigen Häusern mit Galerien und geschwungenen Dächern, die mit Holzschindeln aus Österreich gedeckt sind. Die Gebäude sehen aus wie Pagoden. Und überall gibt es kleine Nischen, in denen Liegen zum Entspannen aufgestellt sind.

Insgesamt elf Saunen gibt es in der Anlage, meist mit Salz-, Honig- und Fruchtaufgüssen, aber auch drei Dampfsaunen. In der Nähe des Pools steht ein Saunadorf, in dem zudem eine russische Banja eingerichtet wurde. Die größte Sauna aber befindet sich im Hauptgebäude und bietet gleichzeitig 70 Gästen Platz, sie ist eine klassische Aufgusssauna. Von dort bis zum Innenpool in der zentralen Halle sind es nur wenige Schritte. In der oberen Etage ist eine Sauna ausschließlich Frauen vorbehalten. Dort sind auch viele Ruheräume untergebracht. Einer ist violett gestaltet und ziemlich dunkel. Auf einem breiten Holzpodest liegen die Wasserbetten nebeneinander.

Alle sind gleich

Liegt man darauf und das Wasser hat sich nach einige Sekunden beruhigt, muss man nur noch die Augen schließen und könnte glatt einschlafen. „Entspannung und Ruhe sind unsere zentralen Themen. Die Gäste sollen hier Kraft tanken“, sagt Geschäftsführer Riehm. Handys und andere technische Geräte sind daher nicht erwünscht.

Doch nicht für Jedermann wird Vabali Spa der richtige Ort sein. Denn die Gäste werden nach dem Umkleiden ausschließlich Bademäntel, die wie auch Handtücher gegen Gebühr ausgeliehen werden können, in der Anlage tragen. Darunter nichts. „Textilfrei“ nennt das Riehm. Sauniert und gebadet wird nackt. „Das ist eine Entscheidung, die wir getroffen haben“, so Riehm. Dahinter steckt die Idee: Alle sind gleich, es gibt keine Standesunterschiede. Wenn man das nicht mag oder aus religiösen Gründen nicht will, so sagt Riehm, dann sei ein Besuch natürlich schwierig. Aber so ist das Konzept, das auch in anderen Thermen funktioniere.

20 Millionen Euro haben die Brüder Theune investiert. Sie betreiben mehrere Anlagen in Deutschland etwa das Liquidrom in Kreuzberg, die Claudius Therme in Köln und die Bali Therme in Bad Oeynhausen. Das 25.000 Quadratmeter große Grundstück am Poststadion, das mit seinem Garten an den Fritz-Schloss-Park grenzt und dadurch abgeschirmt ist, haben sie 2008 vom Land gekauft. Sie dachten sich damals: Die Berliner sollten nicht mehr nach Brandenburg in eine Therme fahren müssen.