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Vätermonate: Hast du keine Frau, die sich kümmert?

Und Papi wäscht die Haare. Zumindest in den Niederlanden kann man so etwas in Schwimmbädern beobachten. Von dort stammt das Foto.

Und Papi wäscht die Haare. Zumindest in den Niederlanden kann man so etwas in Schwimmbädern beobachten. Von dort stammt das Foto.

Foto:

Kontinent/laifRickard Kilstroem

SPD-Chef Sigmar Gabriel und seine Lebensgefährtin erwarten ein Kind. Eine Gruppe von Politikerinnen, darunter die frühere SPD-Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan, hat Gabriel deshalb einen offenen Brief geschrieben: „Sie haben eine wunderbare Chance, als Vorsitzender der SPD das Leitbild einer partnerschaftlichen Familie öffentlich wirksam vorzuleben und ihm damit neue Wege zu bahnen. Wir würden uns freuen, wenn Sie diese Chance wahrnehmen“, heißt es darin.

Indirekt fordern die Frauen ihn also auf, Elternzeit zu nehmen. Björn Böhning, Chef der Berliner Senatskanzlei und seit Januar Vater von einem Jungen, findet die Aktion gar nicht lustig.

Herr Böhning, Gabriel hat sehr abweisend reagiert, als er bei einer Pressekonferenz auf den Brief angesprochen wurde. Haben die Feministinnen einen wunden Punkt getroffen bei den SPD-Männern?

Ach was. Der Brief ist einfach nur daneben.

Warum?

Da wird auf eine peinliche, moralisierende Art Privates mit Politischem verknüpft. Politiker sind dazu da, Rahmenbedingungen zu verändern, also mehr Kitaplätze zu schaffen oder eine andere Arbeitszeitpolitik zu gestalten. Ob und wie sie das alles persönlich nutzen, ist ihre Sache.

Vorbilder sind doch auch ein Mittel der Politik.

Mag sein, aber niemand kann das einfordern. Ich verlange ja auch nicht von der Bundesfamilienministerin, dass sie Elternzeit nimmt. Was mich noch mehr ärgert: Hat eine dieser Briefschreiberinnen mal mit Gabriels Lebensgefährtin geredet? Wissen die, was ihr wichtig ist? Ich finde die Aktion anmaßend. Auch bedient sie absurde Stereotypen.

Nämlich welche?

Auf der einen Seite der macht- und karrieregeile Politiker, der nicht willens ist, sich Zeit für sein Kind zu nehmen. Auf der anderen Seite die sorgende und unterwürfige Mutter, die das alles schon richten wird. Hier wird ein Rollenverständnis suggeriert, das gar nicht mehr existiert.

Es gibt sehr wohl Frauen, die beruflich zurückstecken müssen!

Ja, das stimmt leider immer noch. Aber es gibt eben auch Frauen, die eine längere Babypause wollen. Auch Väter. Und Politik muss dafür sorgen, dass es eben Wahlfreiheit gibt. Dass beide Elternteile es so gestalten können, wie sie wollen. Ich wehre mich gegen diese Parolen nach dem Motto: Männer wollen grundsätzlich keine aktiven Väter sein.

Sie sind ja richtig sauer.

Ich kann diese Form von Geschlechterdiskurs nicht mehr hören. Was wird uns Männern nicht alles zugeschrieben! Wir entscheiden für die Familie, wir holen das Geld ran, wir haben kein Interesse an Erziehungsarbeit. Wir gehen mit dem Kind höchstens mal in den Zoo und kümmern uns ansonsten um gar nichts. Das ist lächerlich. Wir sind gesellschaftlich doch längst weiter. So hoffe ich jedenfalls.

Frauen sollen endlich anerkennen, dass Männer inzwischen Windeln wechseln können?

Sie sollten zumindest versuchen, die von ihnen kritisierten Rollenbilder nicht auch noch durch eigene stereotype Vorwürfe zu verfestigen. Wer „dem“ Mann stets eine bestimmte Rolle zuweist, egal aus welcher Motivation, der erwirkt das Gegenteil von Gleichstellung. Ich erwarte nur, dass die schwierigen Aushandlungsprozesse über die Verteilung der Erziehungsarbeit zwischen Müttern und Vätern anerkannt werden.

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