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Berliner Zeitung | VBB: Begleitservice für Alte und Behinderte soll eingestellt werden
02. May 2012
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VBB: Begleitservice für Alte und Behinderte soll eingestellt werden

Noch sind die Helfer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg für Behinderte und Alte da. Doch für den Service gibt es kein Geld mehr.

Noch sind die Helfer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg für Behinderte und Alte da. Doch für den Service gibt es kein Geld mehr.

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VBB

Berlin -

Jeder Schritt schmerzt, jede Bewegung tut weh. Es ist nicht leicht, sich als Rheumakranker mit Bus und Bahn durch Berlin zu bewegen. Doch es gibt Menschen, die dabei helfen. Sie assistieren beim Ein-und Aussteigen, kennen die besten Routen und sie warten auch schon mal beim Arzt, bis die Rückfahrt beginnt. Allerdings wird es den Begleitservice des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) nicht mehr lange geben. „Im Moment sieht es leider so aus, dass Ende Juni Schluss ist, weil die Finanzierung nicht mehr gesichert ist“, sagte VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz. Das Angebot, das auch von vielen Senioren, Blinden und Sehbehinderten genutzt wird, steht vor dem Aus.

"Die Nutzer sind begeistert“

Horst-Dieter Ladewig von der Deutschen Rheuma-Liga Berlin kann es noch nicht fassen. „Der Begleitservice ist etwas sehr Gutes, er wird dankbar angenommen. Den kann man doch nicht einstellen“, sagt er. Auch in der Selbsthilfegruppe von Rheuma-Kranken, die der Köpenicker betreut, gibt es Menschen, die das Angebot gern nutzen. „Sie konnten sich vorher oft nicht überwinden, mit dem Bus zu fahren. Jetzt ist das möglich. Noch.“ Seit 2008 bietet der VBB den Begleitservice an, um Menschen bei ihrer Fahrt durch Berlin oder nach Schönefeld zu unterstützen. Das kostet sie nur den Anruf unter der Telefonnummer 346 49 940, mit dem sie ihren Fahrtwunsch anmelden müssen. „Wir haben viele Dankesbriefe bekommen, die Nutzer sind begeistert“, berichtet Franz. „Bis April 2012 haben wir rund 40.000 Begleitungen organisiert“, sagt seine Sprecherin Brigitta Köttel.

Ältere Menschen mit und ohne Rollstuhl oder Rollator nutzen das Angebot gern, aber auch andere, die sich im Nahverkehr unsicher fühlten. Inzwischen hat sogar der eine oder andere Berlin-Besucher von dem Service erfahren. „Wir hatten schon Kunden aus New York, Kuba und Österreich“, sagt Köttel. Auch Behinderte gehören zu den Nutzern. Der Service erspart es ihnen, Fahrdienste zu nutzen – was den Kostenträgern Ausgaben erspart. Allerdings gibt es seit Kurzem anstatt für bislang rund 110 Begleiterinnen und Begleiter nur noch für 40 Geld. Das hat zur Folge, dass es diese Unterstützung nur noch montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr gibt, nicht mehr am Wochenende, nicht mehr am Abend. Jetzt droht eine weitere Geldkürzung.

Zu teuer und ineffizient.

Die meisten Begleiter bekommen etwas mehr als 1300 Euro im Monat. Der Großteil stammt aus Arbeitsmarktgeldern des Bundes, das Land stockte die Summe bisher aus Mitteln des „Öffentlichen Beschäftigungssektors“ (ÖBS) auf. „Doch nun werden die Regularien für eine Projektförderung anders ausgelegt“, erklärt Frank Lohmann von der Dienstleistung & Bildung GmbH, die den Service betreut. Der Senat führt den ÖBS nicht fort: Er sei zu teuer und zu ineffizient. Die Akzente werden anders gesetzt, sagt Peter Ziegler, Sprecher der Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD). Künftig stünde die Qualifikation von Langzeitarbeitslosen im Vordergrund.

Bislang gibt es nur Teillösungen. Die Arbeitsverwaltung würde zehn sogenannte Bürger-Arbeitsplätze fördern – für 975 Euro Monatslohn. Lohmann ergänzt: „Ein Job-Center teilte uns mit, dass es eine Förderung für zehn Arbeitslose geben könnte.“ Doch selbst wenn weitere Job-Center folgen, bleibe die Frage, wer den Telefondienst und die übrige Organisation finanziere.

Das allerletzte Wort ist aber noch nicht gesprochen. „Wir prüfen intensiv, ob es nicht doch noch Möglichkeiten für eine dauerhafte Förderung gibt“, sagt Ziegler. Auch Horst-Dieter Ladewig hofft, dass das gelingt. Wenn es den Service nicht mehr gäbe, müssten die Betroffenen wieder zu Hause bleiben. Dies würde faktisch Hausarrest bedeuten: „Das kann keiner wollen.“