Neuer Inhalt
Berliner Zeitung | Veranstaltung in Friedrichshain abgesagt: Nacht der singenden Balkone ist verboten
17. October 2014
http://www.berliner-zeitung.de/510958
©

Veranstaltung in Friedrichshain abgesagt: Nacht der singenden Balkone ist verboten

Menschen blicken zu einem Balkon in Berlin-Friedrichshain, auf dem ein Lied gesungen wird. (Archivbild)

Menschen blicken zu einem Balkon in Berlin-Friedrichshain, auf dem ein Lied gesungen wird. (Archivbild)

Foto:

dpa/Rainer Jensen

Das Ordnungsamt Friedrichshain/Kreuzberg hat die Nacht der singenden Balkone verboten. Der Veranstalter Volker Siems von der Nachbarschaftsplattform Polly & Bob ärgert sich so sehr darüber, dass er von „aggressiven Emotionen“ spricht und der zuständigen Mitarbeiterin im Ordnungsamt wünscht, ihre Stelle möge gestrichen werden.

Vor einem Jahr hatte Siems das erste Mal so eine Veranstaltung organisiert. Auf drei Touren zogen damals etwa 1 500 Menschen durch den Friedrichshainer Kiez und schauten auf etwa 40 Balkone, die sich an diesem Abend in kleine Bühnen verwandelt hatten. Die Bewohner spielten Klassik, Jazz und Schlager, sie führten Theaterszenen und Performances auf, lasen aus Büchern und zeigten Videos an der Hauswand. Die Nacht der singenden Balkone war ein Erfolg. Später dachte sich Siems weitere Veranstaltungen aus, Kochabende in Nachbars Küche und ein Frühstück auf der Oberbaumbrücke. Siems hat noch viele weitere Ideen, er will etwa einen Leihladen eröffnen. Das Internet solle die Menschen real zusammenbringen, sagt er. Mehr offline als online, mehr Miteinander.

Ruhe statt lautes Gesinge

Im Frühjahr 2014 schrieb Volker Siems das erste Mal an das Ordnungsamt und wollte die Planung für die zweite Nacht der singenden Balkone besprechen. Es folgte ein monatelanger Mailverkehr, es ging um ein Sicherheitskonzept, Ordner und den Ablaufplan, um Verkehrszeichenplanungen, Müllbeseitigung, Kommunikation mit der BVG, Sperrungen des Querverkehrs und Bereiche an den Balkonen als Veranstaltungsflächen.

Volker Siems beantwortete die Fragen, wohl aber nicht detailliert genug. Ende September schrieb ihm die zuständige Leiterin der Zentralen Anlauf- und Beratungsstelle im Ordnungsamt, eine weitere Bearbeitung seiner Veranstaltungsanfrage sei nicht möglich, „aufgrund der unzureichenden Mitwirkung“. Der Ordnungsamtsleiter bekannte sich als Gegner so einer Balkon-Kultur-Nacht. Er schrieb, eine weitere Belastung des öffentlichen Raumes sehe er äußerst kritisch, es gebe Anwohner, die ihre Ruhe wollten, die Beschwerdelage nehme stetig zu…

Volker Siems hat nun ganz offiziell eine Veranstaltung angemeldet. Am 1. November soll es die Demo „Die schweigenden Balkone von Friedrichshain“ geben. „Grundsätzlich darf jeder für sich auf dem Balkon singen“, sagt er. „Die Nachbarn auf der Route der Demo sind da nicht ausgeschlossen. Wir dürfen nicht dazu aufrufen, und das haben wir hiermit auch nicht getan. Wir fordern dazu auf, demonstrativ zu schweigen.“