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Verbeamtung: Berliner Junglehrer revoltieren gegen Senat

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Die angestellten Lehrer sind aufgefordert, das „Manifest“ zu unterschreiben. Nach den Winterferien soll die Unterschriftenliste an Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) überreicht werden.
Die angestellten Lehrer sind aufgefordert, das „Manifest“ zu unterschreiben. Nach den Winterferien soll die Unterschriftenliste an Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) überreicht werden.
Foto: Markus Wächter
Berlin –  

Mit einem Manifest“ fordert die Junglehrer-Initiative „Bildet Berlin!“ die finanzielle Gleichgestellung von angestellten und verbeamteten Pädagogen – und will damit  den Senat zu Zugeständnissen nötigen.

In Berlin kämpft eine neue Junglehrer-Initiative namens „Bildet Berlin!“ um die Besserstellung der angestellten Lehrkräfte. Damit hat die Auseinandersetzung nun eine neue  Qualität erreicht: Denn die Junglehrer fordern nicht länger, dass Berlin Lehrer wieder verbeamtet. Vielmehr wollen die angestellten Pädagogen mehr Geld im Ausgleich für die entgangenen Beamtenprivilegien.

„Ich bin gegen den Beamtenstatus für Lehrer, das macht Schulen unflexibel“, stellt Sprecher Florian Bublys, Lehrer an einem Gymnasium in Mitte, klar. Derzeit zirkuliert ein „Manifest der angestellten Lehrkräfte Berlins“ samt einer Unterschriftenliste an den Schulen. „Die angestellten Lehrer werden gegenüber ihren angestellten Kollegen ungleich bezahlt“, heißt es dort.

Die zentralen Forderungen des „Manifests“ sind „Gehaltsstufen und ein Nettoverdienst, die dem Vergleich mit Beamten standhalten“.  Auch wird „eine Zahlung des Krankengeldzuschusses über die 39. Woche hinaus“ und ein „Ausgleich gravierender Unterschiede bei der Altersvorsorge“ zwischen verbeamteten und angestellten Lehrern gefordert.

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Weiter sollten Familienzuschläge nicht nur für verbeamtete, sondern auch wieder für angestellte Lehrer gelten. Die angestellten Lehrer sind aufgefordert, dieses „Manifest“ zu unterschreiben. Die Unterschriftenliste will man Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) nach den Winterferien überreichen.

Verstörende Erfahrungen mit Beamten

Berlin hatte 2003 beschlossen, seine Lehrer nicht mehr zu verbeamten. Das hatten seinerzeit alle im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien mit den hohen Pensionslasten, die später fällig werden, begründet. Außerdem würden Lehrer anders als Richter oder Polizisten keine hoheitlichen Aufgaben erfüllen. Doch inzwischen sind nahezu alle Bundesländer zur Verbeamtung von Lehrern zurückgekehrt, zuletzt auch Brandenburg, oder aber haben die Verbeamtung stets beibehalten. 

Bei den jüngsten Koalitionsverhandlungen in Berlin setzte sich vor allem die CDU für die Rückkehr zur Verbeamtung ein, doch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verhinderte dies durch persönliche Intervention. Als Volksbildungsstadtrat von Tempelhof  hatte er in den 1980er Jahren offenbar verstörende Erfahrungen mit verbeamteten Lehrern gemacht. Vor allem die Tatsache, dass verbeamtet Lehrer rechtlich gesehen über Jahre bei vollem Gehaltsbezug krank zu Hause bleiben können, haben Wowereit zu einem erbitterten Feind der Lehrerverbeamtung gemacht, heißt es in seinem Umfeld.

Was die angestellten Lehrer nun aber so empört, ist Folgendes: Verbeamtete Lehrer verdienen netto gut 500 Euro mehr als angestellte Lehrer, da sie keine Sozialabgaben zahlen müssen. Zudem haben sie weitere Vergünstigungen. Ein verbeamteter Studienrat (A13) erhält allerdings erst nach 23 Dienstjahren 4070 Euro brutto sowie weitere Vergünstigungen wie komplette Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. 

Keine weitere Gehaltsanhebung

Ein angestellter Studienrat erhält vom ersten Arbeitstag an gut 4200 Euro brutto, muss aber die Sozialabgaben abführen. Eine weitere Gehaltsanhebung ist für angestellte Lehrer dann  aber nicht mehr drin, da sie seit 2009 sofort in die höchste Gehaltsstufe kommen. Diese Regelung ist aber jährlich kündbar, wogegen die Initiative ebenfalls opponiert. Jene Gehaltsaufstockung für angestellte Pädagogen hatte der Senat damals beschlossen, um ausgebildete Lehrer im sich verschärfenden Wettbewerb mit anderen Bundesländern in Berlin zu halten. 

Die Initiative „Bildet Berlin!“, der nach eigenen Angaben gut 120 Angestellte aus 55 Berliner Schulen angehören, warnt nun vor einem „Bildungsdesaster“ in Berlin. Qualifizierte und engagierte Lehrer würden Berlin verlassen und woanders netto mehr verdienen. „Es geht darum, dass die Lehrer mit den besten Abschlüssen in Berlin bleiben“, sagt Bublys. An den Schulen der Hauptstadt fänden sich derzeit aber „kaum Bewerber aus der Spitzengruppe eines Jahrgangs“. 

Da aber in den kommenden Jahren fast jeder dritte Berliner Lehrer pensioniert werde, fehlten qualifizierte Nachwuchskräfte. Bublys ist SPD-Mitglied und auch Mitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Bildungsstaatssekretär Mark Rackles (SPD) hat bereits Gespräche in Aussicht gestellt. Mehr als 100 Berliner Junglehrer haben in den vergangenen Monaten bereits so genannte Freistellungsanträge gestellt, um aus dem Berliner Schuldienst ausscheiden zu können und in ein anderes Bundesland zu wechseln.

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