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Verdacht auf Betrug bei Herzspenden: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen das Deutsche Herzzentrum Berlin

Die Organentnahme an einem hirntoten Menschen kann Leben retten.

Die Organentnahme an einem hirntoten Menschen kann Leben retten.

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Imago

Berlin -

Das international renommierte Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) hat womöglich auf illegale Weise dafür gesorgt, dass seine Patienten bei der Vergabe von Spenderherzen bevorzugt werden. Nach Informationen der Berliner Zeitung ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung, nachdem das Herzzentrum am Donnerstag Selbstanzeige stellte. DHZB-Sprecherin Barbara Nickolaus bestätigte, das Zentrum habe Ermittlungen veranlasst. Sie wollte sich aber mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht näher äußern.

Dem Vernehmen nach war am 1. April eine Kommission der Ärztekammer bei einer Überprüfung der Organtransplantationen im Herzzentrum auf Auffälligkeiten in neun Fällen gestoßen. Im Juli forderte die Kommission dann die Akten von 19 weiteren Patienten an.

Ermittlung wegen fahrlässiger Tötung

Danach sollen zwischen 2010 und 2012 insgesamt 28 Patienten, die auf eine Organtransplantation warteten, im Herzzentrum hoch dosierte Medikamente erhalten haben, ohne dass es einen triftigen medizinischen Grund dafür gab. Diese Arzneimittel werden üblicherweise nur dann verordnet, wenn sich der Zustand des Kranken so stark verschlechtert hat, dass er vermutlich nicht mehr lange leben wird. Bei dieser Diagnose rücken Patienten auf der Warteliste von Eurotransplant im niederländischen Leiden um einige Plätze nach oben.

Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre das ein riesiger Skandal für das DHZB. Denn damit wären Patienten anderer Kliniken, die dringender eine Transplantation benötigten, benachteiligt worden – und womöglich in der Zeit des Wartens gestorben. Daher auch die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung. Die verantwortliche Oberärztin ist inzwischen von ihrer Tätigkeit entbunden worden.

Gesundheitsminister Czaja fordert Prüfbericht

Der für die Krankenhausaufsicht zuständige Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) wurde vor einer Woche vom DHZB informiert. „Das sind schwerwiegende Vorwürfe, die schnell aufgeklärt werden müssen“, sagte er. Die Staatsanwaltschaft müsse eine strafrechtliche Relevanz prüfen. Bevor der Senator weitere Schritte unternehmen kann, muss er den schriftlichen Prüfbericht der Ärztekammer abwarten, der frühestens Ende August vorliegt.

Dazu verpflichtet ihn das Transplantationsgesetz, das nach dem Organspendeskandal in Göttingen im Jahr 2012 verabschiedet worden war. „Ich habe aber das Herzzentrum gebeten, mir darzulegen, welche Maßnahmen ergriffen wurden, damit ein Missbrauch nicht mehr passieren kann“, sagte Czaja.

Die Konkurrenz um Spenderorgane unter den Kliniken ist groß. 12.000 Patienten warteten voriges Jahr in Deutschland auf eine Transplantation, doch nur 3248 Organe wurden gespendet. Darauf wies kürzlich erst Roland Hetzer hin, der langjährige Leiter des Herzzentrums. Er behandelte Patienten wie den früheren russischen Präsidenten Boris Jelzin. Im Oktober geht Hetzer in den Ruhestand. Er wird sich einen Abgang unter anderen Umständen gewünscht haben.