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#weilwirdichlieben: BVG erntet Spott für Social-Media-Kampagne

Schöne Erlebnisse gewünscht, einen Shitstorm geerntet – die neue BVG-Twitterkampagne

Schöne Erlebnisse gewünscht, einen Shitstorm geerntet – die neue BVG-Twitterkampagne

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Kundenbindung aufzubauen ist ein wichtiges Marketingziel. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben zu diesem Zweck nun eine Social-Media-Kampagne gestartet. Unter dem Hashtag #weilwirdichlieben sollen Fahrgäste bei Twitter ihre schönsten BVG-Momente teilen. Als Motiv der Kampagne dient ein zum Herz umgewandeltes BVG-Logo.

Quantitativ ist der Aufruf der Verkehrsbetriebe ein Erfolg. Unter dem Kampagnen-Hashtag herrscht reger Betrieb. Inhaltlich dürfte das Feedback jedoch nicht den Erwartungen der BVG entsprechen, denn positive Rückmeldungen sind in der Minderzahl. Statt zu einer Sammlung der schönsten Erfahrungen in Bus, Tram und U-Bahn erhält die BVG einen kleinen Shitstorm.

Der Hashtag #weilwirdichlieben hat sich zum Auffangbecken für Frust, Negativerlebnisse und Spott entwickelt: Beschwerden gibt es etwa über lange Wartezeiten, mangelnde Englischkenntnisse der Busfahrer, Automaten mit Fehlfunktionen und natürlich das Lieblingsfeindbild, den BVG-Kontrolleur.

Hashtag als Kummerkasten

"Haltestellenfahrpläne als reine Deko" twitterte etwa ein Nutzer mit dem vielsagenden Namen "per bike". "Laura Hegel" ergänzt den Halbsatz "weil wir dich lieben" mit "schauen wir dir eine Haltstellenlänge beim Sprinten zu und machen dann die Nachtbustüren vor deiner Nase zu. Große Liebe!".

Verbitterung klingt auch aus dem Beitrag von "Indig0", der oder die schreibt: "#weilwirdichlieben warte ich gerne 10min bis sich zwei komplette Schulklassen ausschließlich durch die Fahrertür in den Bus gequetscht haben". "Busfahrer, die die Fahrgäste anschnauzen", beklagt sich "Alexandra" über die offenbar unzureichende Freundlichkeit der Fahrzeugführer. Mittlerweile ist auch das Scheitern der Kampagne selbst zum Thema der Tweets geworden.

Der Marketing-Fehlschlag kann für die Verkehrsbetriebe aber auch eine positive Kehrseite haben – wenn sie den Hashtag als Kummerkasten versteht. Dann hat sie eine umfangreiche Sammlung an Ansatzpunkten, um künftig die Kundenzufriedenheit zu verbessern. Und ein wenig positiven Zuspruch gibt es für die BVG dann doch. User "Jan" springt den gescholtenen Verkehrsbetrieben zur Seite: "Wer sich über die BVG beschwert, soll mal ÖPNV im Ruhrgebiet versuchen. Ihr wisst gar nicht, wie gut ihr's hier habt."