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Alternativer Plan für Berlin: Das U-Bahnnetz der Zukunft?

Links ein Ausschnitt des offiziellen Berliner Netzplan, rechts der Vorschlag von Jug Cerovic.

Links ein Ausschnitt des offiziellen Berliner Netzplan, rechts der Vorschlag von Jug Cerovic.

Foto:

Berliner Zeitung/BVG Kartographie/Jug Cerovic

Herr Cerovic, sie haben die Nahverkehrsplänen von zwölf Metropolen neu gezeichnet. Warum?

Eigentlich nur aus Vergnügen. Wissen Sie, ich bin oft in Belgrad, meiner Geburtsstadt. Den dortigen Netzplan fand ich ziemlich nutzlos. Also habe ich einen neuen gestaltet, nur für mich.

Und dann?

Weil ich seit 20 Jahren Paris lebe, habe ich mir auch diesen Plan vorgenommen. Paris hat meiner Meinung nach eines der besten Nahverkehs-Netze der Welt. Aber ich war nicht glücklich mit dem aktuellen Plan. Die Linien waren viel zu kompliziert gezeichnet. Es ist ganz schwierig, sich den Verlauf der Linien zu merken. Also habe ich gedacht, man müsste den Plan vereinfachen. Das Ergebnis fand ich dann ganz gelungen. Später ging es mit Madrid weiter, die einen sehr komischen Nahverkehrsplan haben. Und irgendwann hatte ich einen Standard entwickelt. Mittlerweile habe ich zwölf Städte überarbeitet.

Werden ihre Pläne denn auch offiziell genutzt?

Nein, wenn sich jemand von offizieller Seite für meine Pläne interessiert, wäre das natürlich großartig. Aber ich habe die Pläne einfach auf meiner Webseite veröffentlicht, damit die Leute sie nutzen können.

Der aktuelle Berliner Netzplan
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Was denken Sie über den Berliner Nahverkehrs-Plan?

Berlin hat einen tollen Plan. Man kann das Design mögen oder nicht, aber der Plan ist gut. Berlin braucht also wirklich keinen neuen Plan. Auch wenn ich finde, dass mein Entwurf schöner ist.

Was haben Sie denn konkret am Berliner Plan geändert?

Zwei Dinge: Zuerst habe ich die S-Bahn-Linien und die U-Bahnlinien farblich voneinander abgegrenzt. Die S-Bahn-Linien erscheinen in hellen Farben, die U-Bahn-Linien in dunklen Tönen. Wenn die Verkehrsbetriebe das auch so machen würden, wäre es eine echte Verbesserung.

Was war die zweite Veränderung?

Meine Linienführung ist runder. Das ist zwar nur ein ästhetische Sache. Aber die vielen Reaktionen, dich ich darauf bekommen hab, zeigen, dass die Leute es mögen.

Der Entwurf von Jug Cerovic
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Also ist der jetzige Berlin-Plan nützlich, aber ihrer schöner?

Könnte man so sagen, aber das ist natürlich nur ein subjektiver Eindruck.

Sie haben auch das Stadtzentrum größer gemacht, oder?

Ich habe versucht das Zentrum geografisch korrekt abzubilden. Außerhalb des Zentrums ist mein Plan nur eine schematische Darstellung, die weniger mit den geografischen Gegebenheiten zu tun hat. Aber genauso funktioniert der jetzige Berlin-Plan auch schon.

Glauben Sie, ihr Plan könnte trotzdem in Berlin offiziell genutzt werden?

Wenn die Stadt meinen Plan nutzen würden, wäre ich glücklich. Aber ich denke nicht, dass das passieren wird. Ich freue mich einfach, wenn Leute mein Modell als Alternative nutzen. Und von der großen Aufmerksamkeit, die ich aus Berlin bekommen habe, war ich sehr überrascht. Ich mag es, wenn die Leute debattieren, reagieren. Ein U-Bahn-Plan ist mehr als ein Diagramm. Es ist ein Stück Design, dass so viel Einfluss auf das Leben der Menschen hat.

Das Gespräch führte Thomas Kutschbach.



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