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Ampel für Fahrradfahrer: Erste grüne Welle für Radler in Berlin

Freie Fahrt für Radler: die Ampel an der Kreuzung Belziger/Eisenacher Straße in Schöneberg.

Freie Fahrt für Radler: die Ampel an der Kreuzung Belziger/Eisenacher Straße in Schöneberg.

Foto:

Berliner Zeitung/Paulus Ponizak

Besonders lang ist die Strecke nicht. Doch das, was dort geschehen ist, ist revolutionär. Heimlich, still und leise ist in Schöneberg die erste grüne Welle für Fahrradfahrer in Betrieb genommen worden. Jeweils zwei Ampeln wurden so programmiert, dass Radler nicht mehr bei Rot anhalten müssen.

Es ist eine Erleichterung, die weltweit noch Seltenheitswert hat. Jetzt untersuchen Verkehrsingenieure in Zusammenarbeit mit dem Senat, ob sich weitere Straßenabschnitte in Berlin für solche grünen Wellen eignen. Doch sie stoßen auf Probleme.


Es geht um ein stark frequentiertes Teilstück der Wannsee-Route, die mehr als 20 Kilometer weit vom Schlossplatz in Mitte in den Südwesten Berlins führt. „In der Belziger Straße in Schöneberg ist im vergangenen Jahr eine grüne Welle für Radfahrende in Betrieb genommen worden“, bestätigte Petra Rohland, Vize-Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD).

Die Ampeln an den Kreuzungen Akazien- und Eisenacher Straße wurden umprogrammiert – und zwar so, dass Fahrradfahrer dort in einem Rutsch bei Grün durchkommen, wenn sie zwischen beiden Anlagen mit Tempo 16 bis 18 unterwegs sind. Das entspricht einer mittleren Radfahrgeschwindigkeit.

Inzwischen ist westlich davon auf derselben Route eine weitere kurze grüne Welle für Radfahrer hinzu gekommen, teilte Rohland mit. Sie umfasst zwei Ampelanlagen vor dem Rathaus Schöneberg: Belziger Straße/Martin-Luther-Straße sowie Martin-Luther-Straße/Freiherr-vom-Stein-Straße.

Senat dämpft Erwartungen

Der Effekt: Wer an der ersten Ampel bei Grün losfährt, muss nicht mehr wie früher an der zweiten bei Rot warten, bevor er in Richtung Volkspark abbiegen kann. Bislang konnte man so gut wie sicher sein, dass die Fahrt an dieser Stelle gestoppt wird, jetzt nicht mehr. Auch von dieser Umprogrammierung profitieren zahlreiche Radler, so die Sprecherin; „Diese Fahrbeziehung wird von vielen Radfahrenden im Zuge der ausgeschilderten Veloroute genutzt.“

Sicher, Berlins erste grüne Welle für Radfahrer hat einen „überschaubaren Umfang“, sagte Rohland. Doch sie zeige, „dass wir im Rahmen der Möglichkeiten versuchen, auch kleinräumig und im Detail Verbesserungen zu erreichen.“ Grüne Wellen sind auch strategisch wichtig. Denn wenn Radler schneller ans Ziel kommen, wird das Radfahren attraktiver – und es werden längere Strecken mit Pedalkraft zurückgelegt. Darum sieht die Radverkehrsstrategie des Senats einen Modellversuch mit einer grünen Welle für Radfahrer vor – der allerdings mindestens fünf Ampeln umfassen soll. „Zusammen mit der Technischen Universität untersuchen wir, welcher Straßenzug sich dafür eignen könnte“, sagte Burkhard Horn, der neue Abteilungsleiter Verkehr.

Nach Informationen der Berliner Zeitung werden außer der Belziger Straße neun weitere Strecken untersucht. Dazu zählen die Mühlenstraße in Friedrichshain-Kreuzberg, die Perleberger Straße in Mitte sowie vier Straßen in Charlottenburg-Wilmersdorf: die Hardenberg-, die Uhland-, die Westfälische Straße und der Hohenzollerndamm. Dem Vernehmen nach prüfen Straßenplaner zudem die Wilhelmstraße, die sich durch Mitte und Kreuzberg zieht, sowie die Bernauer Straße in Mitte auf ihre Eignung. „Auch ein Abschnitt der Müllerstraße in Mitte wird untersucht“, so Rohland. Noch gibt es kein Ergebnis und damit auch keine Entscheidung, wo die nächste Welle entsteht. Horn: „Ich gehe davon aus, dass wir in der ersten Jahreshälfte ein Ergebnis vorstellen können.“

Der oberste Verkehrsplaner dämpfte allerdings die Erwartungen. Es sei unmöglich, allen gerecht zu werden, sagte er. Auch andere müssten zu ihrem Recht kommen: Autofahrer, Bus- und Straßenbahnnutzer, Fußgänger. Zudem seien Radler mit unterschiedlicher Geschwindigkeit unterwegs, was die Berechnungen erschwere:

Manche trödeln mit Tempo 15 dahin, andere schaffen 40 Kilometer pro Stunde. Und die Verkehrslenkung Berlin, die als zuständige Senatsbehörde Ampel-Umprogrammierungen prüfen muss, sei jetzt schon überlastet. So viel steht fest: „Eine grüne Welle für Radfahrer ist noch schwerer zu realisieren als eine für Autofahrer.“