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Bahnhof Gesundbrunnen: Mehr als acht Jahre Verspätung

Besonderes Merkmal: das große Stahldach. Im Herbst ziehen die ersten Mieter in den Bahnhof Gesundbrunnen ein.

Besonderes Merkmal: das große Stahldach. Im Herbst ziehen die ersten Mieter in den Bahnhof Gesundbrunnen ein.

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Berliner Zeitung/ Markus Wächter

Die ersten Bewertungen sind wenig schmeichelhaft. Das neue Empfangsgebäude des Bahnhofs Gesundbrunnen sei eine „einzige Enttäuschung“, schreibt Blogger Stefan Metze im Nahverkehrsforum. „Bahnhofskiosk Posemuckel in XXL“, lautet ein anderer Kommentar im Internet. Und ein anderer Kritiker namens Don Chaos meint: „Sieht aus wie eine DDR-Kaufhalle in den 80-ern.“ Doch es gibt auch Fahrgäste, die sich auf den Neubau mit dem großen Dach freuen. Er ist immer noch besser als die zugige Leere, die den Vorplatz in Wedding bisher prägte. Jetzt erreicht das Bauvorhaben eine weitere Etappe.

„Bis 10. Oktober soll alles fertig sein. Danach können die Mieter einziehen“, sagte ein Bahnsprecher. Wenn das Projekt weiterhin im Zeitplan bleibe, könnte das Gebäude im ersten Quartal des kommenden Jahres eröffnet werden. Es wird den Bahnverkehrsknoten im Norden der Innenstadt, der täglich von 105.000 Fahrgästen genutzt wird und an dem auch ICE-Züge halten, spürbar aufwerten. Bislang mussten die Reisenden auf dem bereits 2006 eröffneten Fern- und Regionalbahnhof mit dem Nötigsten vorliebnehmen.

Anfangs wollte die Bahn den Bahnhof mit fünf Turmbauten krönen. Doch auch für den als Nächstes geplanten Zweigeschosser fand sich kein Investor – kein Wunder angesichts der Tatsache, dass 1997 nebenan das Gesundbrunnen Center mit mehr als hundert Läden öffnete.

Der nach der Hertha-Legende Hanne Sobek benannte Vorplatz an der Badstraße blieb leer – bis auf zwei Laden-Container, Marktstände und Fahrkartenautomaten. Es gab keinen Wetterschutz, keine Bänke, auch keine Toilette. Wer sich bei Regen unterstellen wollte, musste auf einen der fünf Bahnsteige gehen.

Nun doch keine Solarstromanlage

Die DB speckte ihre Pläne abermals ab. Aus dem für 2012 vorgesehenen Baustart wurde allerdings nichts, weil die Firma bald in Verzug geriet. Die Besonderheiten des Baugrunds bescherte den Planern weitere Probleme. Denn beim Hanne-Sobek-Platz handelt es sich um ein Brückenbauwerk, das nur in bestimmten Maße mit Gewicht belastet werden darf. 2013 ging der Bau endlich los und bald gut voran – was heute nicht mehr zu übersehen ist.

Graues Blech, trapezartig gewellt oder glatt, und Glas prägen das Gebäude. Doch am am charakteristischsten ist das Dach – 7700 Quadratmeter groß, auf 85 Stützen ruhend und mit Oberlichtern, die bis zu zehn Meter groß sind. Unter der weit vorkragenden Konstruktion ist auf 3300 Quadratmetern Platz für 15 Geschäfte, einen Fahrkartenverkauf und Büros der Bundespolizei. Ursprünglich waren 6000 Quadratmeter geplant, und auf dem Dach sollte die größte Photovoltaik-Anlage innerhalb des S-Bahn-Rings Strom aus Sonnenlicht herstellen. Doch weil der Bund die Fördergelder kürzte, fand sich kein Betreiber.

Im Bahnhof Zoo wird 2015 gebaut

Ein weiteres wichtiges Bahnhofsprojekt geht ebenfalls voran: der Umbau des Bahnhofs Zoo. Wie bisher ist vorgesehen, als Erstes Teile des Erdgeschosses zu modernisieren und das Restaurant „Terrassen am Zoo“ im ersten Stock wieder zu beleben. Nach der Entkernung der seit Jahren geschlossenen Gaststätte soll als Schmankerl der einstige Freisitz wieder entstehen – eine Freiluft-Terrasse, auf der man unter freiem Himmel Kaffee trinken kann. „Die Planungen werden dieses Jahr den Genehmigungsbehörden vorgelegt“, berichtete der Bahnsprecher. „Den Baubeginn erwarten wir 2015.“ 2017 soll alles fertig sein.

Einem anderen Bahnhofsbauwerk in der Region droht dagegen der Abriss. „Das Empfangsgebäude am Bahnhof Flughafen Schönefeld wird zum Herbst 2014 leergezogen“, so die Bahn. Der Bau aus DDR-Zeiten, der 1984 eröffnet wurde, wird kaum noch gebraucht. Wer von der S-Bahn oder dem Regionalzug zum Flieger will, geht stattdessen durch den Tunnel unter dem Gebäude. „Wir erarbeiten derzeit Konzepte zur künftigen Entwicklung und Nutzung des Geländes“, so der Sprecher. Dann wird entschieden, was mit dem Gebäude geschieht. „Derzeit sieht es nicht danach aus, dass es stehenbleibt“, hieß es intern.

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