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Bau am Hauptbahnhof in Berlin sanierungsfällig: Haltestelle auf der Invalidenstraße kostet zwei Millionen Euro

Eine „kunstvoll filigrane Geste“, lobten die Preisrichter. Doch einfach war der Bau der Haltestellendächer nicht. Der Beton soll sich noch aufhellen.

Eine „kunstvoll filigrane Geste“, lobten die Preisrichter. Doch einfach war der Bau der Haltestellendächer nicht. Der Beton soll sich noch aufhellen.

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Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Berlin -

Für den Preis könnte man mehrere Einfamilienhäuser kaufen, Spielplätze bauen oder Radwege sanieren. Doch der Senat setzte durch, dass das Geld für etwas anderes ausgegeben wird: für den Bau von zwei Haltestellendächern, die für ihr Aussehen nicht nur gute Noten bekommen. Rund eine Million Euro kosten die beiden Betonbauten, die vor dem Hauptbahnhof in der Invalidenstraße entstanden sind. Das teilten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Freitag mit. Rechnet man die weiteren Teile der Straßenbahn-Haltestelle dazu, summieren sich die Kosten auf rund zwei Millionen Euro.

Nach Informationen der Berliner Zeitung bekam im Jahr 2012 eine Bietergemeinschaft den Auftrag, die etwas mehr als 2,1 Millionen Euro haben wollte. Andere Firmen, die sich an der Ausschreibung beteiligten, hatten den Preis noch höher kalkuliert – in einem Fall fast vier Millionen Euro. Doch auch so ist die Haltestelle teurer als andere Anlagen dieser Art – die aber einfacher ausgestattet sind.

„Nicht verramschen!“

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher hatte sich Meinhard von Gerkans Kritik am Stationsumfeld offenbar zu Herzen genommen. Die Kritik des Architekten, der den Bahnhof entworfen hatte, war gewohnt unmissverständlich: „Ordinärer kann man einen öffentlichen Raum nicht verramschen!“ donnerte er 2010. Die Häuserblöcke würden mit „Kommerzmasse“ betoniert. Die Senatsplaner beschlossen, wenigstens bei der Haltestelle Akzente zu setzen. Weil für einen Wettbewerb die Zeit fehlte, wurden vier Architekturbüros um Entwürfe gebeten. 2011 war noch von 860.000 Euro Kosten die Rede.

Bei dem Gutachterverfahren bekamen Gruber + Popp aus Berlin den ersten Rangplatz. Sie hatten gewölbte Bahnsteigdächer aus Sichtbeton entworfen, jeweils 58 Meter lang, sechs Meter breit, 5,50 Meter hoch und getragen von je sechs filigranen Stahlstützen.

Eine „leichte und kunstvoll filigrane Geste“, lobten die Preisrichter. Der Entwurf sei „eine gute Wahl, weil er mit den geschwungenen Betonschalen verspricht, der Stahl-Glas-Beton-dominierten Stadtschwere eine Leichtigkeit gegenüber zu stellen“, so eine Kritik.

Sanierung erforderlich.

Doch bald begannen die Probleme. So wurden zeitraubende Zusatzplanungen und Statikberechnungen nötig, weil unter der Haltestelle ein S-Bahn-Tunnel entsteht und die Dächer schwer sind – dem Vernehmen nach ging es um 180 Tonnen. Noch schwieriger war der Bau. Um den repräsentativen Entwurf realisieren zu können, kamen Verfahren und Werkstoffe (etwa Beton mit Styroporkugeln) zum Einsatz, für die es beim Haltestellenbau keine Erfahrungen gab.

Der Preis war das einzige Kriterium in dem Vergabeverfahren. Doch vielleicht hätte die BVG nicht das mit Abstand günstigste Angebot wählen sollen, sagte ein Bauingenieur. „Dass unter diesem Preis die Qualität leidet, kann angenommen werden.“ Das Angebot war „fast identisch mit der Kostenschätzung des Architekten“, entgegnete die BVG. Die Firmen hätten bestätigt, dass sie mit dem Geld auskommen. „Ein hoher Preis bedeutet nicht automatisch eine entsprechende Qualität.“

Trotzdem müssen die Betondächer saniert werden – obwohl die Haltestelle noch nicht in Betrieb ist. Beim Betonieren seien einige Stellen nicht vollständig verdichtet worden, so die BVG. Die Standsicherheit wäre aber nicht gefährdet. Auch sonst gab sich die BVG entspannt. Sie rechnet damit, dass das Budget für den Straßenbahnbau in der Invalidenstraße (27 Millionen Euro) nicht überschritten wird. Und der Termin werde gehalten: Ende August soll die erste Bahn an der Haltestelle stoppen.