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BVG: Bald rollen Elektrobusse durch Berlin

So sieht er aus, der Solaris Urbino 12 electric – noch nicht im BVG-Gelb.

So sieht er aus, der Solaris Urbino 12 electric – noch nicht im BVG-Gelb.

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Solaris

Knapp 300 Kilometer östlich von Berlin werden sie jetzt gebaut, die Elektrobusse für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). „Mit der Produktion sind wir im Zeitplan“, sagte Stefan Baguette vom polnischen Hersteller Solaris am Montag während der ersten deutschen Elektrobusmesse in Berlin. „Vom ersten Fahrzeug entsteht gerade der Wagenkasten.“ Die BVG hat vier Solaris Urbino 12 electric bestellt. Im Sommer wird die Linie 204 zwischen Zoo und Südkreuz die erste Elektrobuslinie dieser Stadt nach der Einstellung des O-Bus-Verkehrs 1973.

Intern steht der Zeitplan fest. Im Juni soll auf der 6,1 Kilometer langen Strecke im Westen Berlins der Testbetrieb beginnen. Voraussichtlich ab Juli dürfen Fahrgäste mitfahren. In den zwölf Meter langen Bussen haben bis zu 70 Reisende Platz, berichtete Rico Gast von der BVG. Lithium-Ionen-Batterien, die unterm Dach untergebracht sind, liefern die Energie. Fast 200 000 Kilometer legen die vier Busse pro Jahr zurück.

Sie sind leise, und sie haben keinen Auspuff, aus dem Abgase dringen. Aber es gibt auch Argumente, die gegen Elektrobusse sprechen.

Wie eine elektrische Zahnbürste

So kosten sie rund doppelt so viel wie Dieselbusse, sagte Jörn Schwarze von den Kölner Verkehrsbetrieben während der Fachkonferenz des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen, die parallel zur Messe stattfand. Für die Zwölf-Meter-Variante werden im Schnitt rund 400 000 Euro fällig. E-Busse stehen auch länger herum, ohne Fahrgäste befördern zu können, weil Aufladen und Batteriewartung Zeit in Anspruch nehmen. Michael Faltenbacher vom Beratungsunternehmen PE International berichtete, dass die von ihm untersuchten Busse zu rund 67 Prozent verfügbar waren.

Doch die Umweltargumente werden bald an Gewicht gewinnen, hieß es. Abgasnormen werden immer schärfer, Menschen immer sensibler. „In Kalifornien gibt es Wohngebiete, in die man nur noch mit Elektrofahrzeugen darf“, sagte Bernard Bäker von der Technischen Universität Dresden.

In Berlin mildert der Bund die finanzielle Belastung für die BVG und die anderen Beteiligten – mit einer Förderung von vier Millionen Euro. Die Elektrifizierung der Buslinie 204 ist Teil des „Internationalen Schaufensters Elektromobilität Berlin-Brandenburg“.

Allein die Kosten der Ladestationen werden auf jeweils rund 300 000 Euro veranschlagt. Die Technische Universität baut eine Station neben ihrer Bibliothek an der Hertzallee, die zweite Ladeplatte entsteht am Südkreuz vor der Mobilitätsstation, die dort von der Bahn gebaut wird.

Wie berichtet werden die Busse wie elektrische Zahnbürsten aufgeladen. Die Technik von Bombardier, die in der Fahrbahn versteckt wird, funktioniert berührungsfrei, ohne Stecker. Der Bus stellt sich darüber auf, nur dann kann Strom fließen. Sechs Minuten soll das Laden dauern, dann sind die für 90 Kilowattstunden ausgelegten Speicher voll. „Die Batterien wiegen pro Bus um die zwei Tonnen“, sagte Baguette. Bei der Planung musste berücksichtigt werden, dass die Batterien auch die Klimaanlage versorgen müssen: „Im Winter wird rund 40 Prozent der Energie fürs Heizen verwendet.“