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BVG: Berliner Elektrobusse stottern in die Zukunft

Quartett in Gelb: die E-Busse vom Typ Solaris Urbino 12 electric am Südkreuz.

Quartett in Gelb: die E-Busse vom Typ Solaris Urbino 12 electric am Südkreuz.

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dpa/Stephanie Pilick

Im Herbst standen sie wochenlang still. Und auch jetzt gibt es immer wieder Tage, an denen nicht alle im Einsatz sind. Die Begeisterung über die Elektrobusse, die auf der Linie 204 zwischen Zoo und Südkreuz erprobt werden, hat sich gelegt. „Doch es gibt keinen Anlass, diese Technik schlechtzureden“, sagt Professor Dietmar Göhlich von der Technischen Universität (TU) Berlin, der den Versuch begleitet. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sehen das genauso: Sie setzen sich dafür ein, dass der Test bis 2017 verlängert wird – obwohl die Einsatzbilanz, die am Dienstag vorgestellt wurde, nicht gut aussieht.

Wer Elektromobilität für Unsinn hält, ist bei Dietmar Göhlich an der falschen Adresse. Der Ingenieur ist ein Praktiker auf diesem Gebiet. Bevor er an die TU kam, entwickelte er rund 20 Jahre lang Autos bei Daimler – etwa den Mercedes S 400 Hybrid, das weltweit erste Hybrid-Fahrzeug mit Lithium-Ionen-Batterie. „Ins Büro komme ich mit dem Fahrrad“, erzählt Göhlich. Doch bei seinen Dienstfahrten ist er elektromobil unterwegs. Entweder mit einem Mitsubishi Outlander oder mit der Linie 204, denn einer der Partner in dem Forschungsprojekt ist an der Strecke in Schöneberg ansässig.

Einzelstücke auf Rädern

Doch nicht selten fuhr ein Dieselbus vor. Die aktuelle Zwischenbilanz der BVG erweckt nicht den Eindruck, als ob es sich bei den Stromern um zuverlässige Verkehrsmittel handeln würde. Das Resümee gilt für die 134 Tage vom 31. August des vergangenen Jahres, als die Elektroflotte erstmals Fahrgäste durch die City West beförderte, bis 6. Februar.

„Nur an 21 Tagen waren alle vier Busse im Einsatz“, teilte die BVG-Sprecherin Petra Reetz am Dienstag mit. „An 24 Tagen fuhren drei Busse, an 27 Tagen lediglich zwei, und an fünf Tagen war nur ein E-Bus unterwegs.“ Damit nicht genug: An 57 Tagen sei kein einziger Elektrobus zwischen Zoo und Südkreuz im Einsatz gewesen. Dann mussten Dieselbusse alle Fahrten übernehmen.

„Unsere E-Busse sind keine Serienfahrzeuge, sondern Einzelstücke, die nicht aus der Großserie kommen“, entgegnet Göhlich. „Und es handelt sich um ein Forschungsprojekt mit einer Erprobung unter realen Bedingungen. Dass dabei Probleme auftreten, war zu erwarten. Aber sie sind lösbar und wir können den Reifegrad des Gesamtsystems kontinuierlich verbessern.“ Probleme aufzuspüren und zu lösen sei der Sinn des größten Projekts im Berlin-Brandenburger „Schaufenster Elektromobilität“ , das der Bund mit 4,1 Millionen Euro finanziert.

Der Professor macht eine andere Rechnung auf – und die lässt die Berliner Elektrobusse in einem besseren Licht dastehen. „Wenn wir die vorübergehende Stilllegung im Herbst herausrechnen, haben wir eine Verfügbarkeit von rund 70 Prozent. Das bedeutet: Von 100 geplanten Fahrten fanden rund 70 mit den Elektrobussen statt. Das ist für eine neue Technik und ein innovatives Forschungsprojekt ein hoher Wert.“ Zwei Solaris-Busse hätten mehr als 10.000 Kilometer im Fahrgastbetrieb zurückgelegt. „Diese wichtige Marke wurde in der vergangenen Woche erreicht“, so Göhlich stolz.

Hoffen auf einen harten Winter

Bauteile wurden ausgetauscht. Seitdem sind die Kurzschlüsse im System, die zur sechswöchigen Stilllegung der E-Bus-Flotte geführt hatten, nicht wieder aufgetreten. „Bei den meisten Komponenten gab es überhaupt keine Probleme“, sagt Göhlich. „Wie erwartet verbrauchen die E-Busse nur rund 30 Prozent der Energie, die ein gleich langer Dieselbus benötigt. Und das Aufladen der Batterien nimmt weniger Zeit in Anspruch als erwartet: vier bis maximal sieben Minuten.“

Die Ladesysteme vom Typ Bombardier Primove funktionieren ohne Kabel oder Kontakt – wie bei einer elektrischen Zahnbürste. Sie sind an den Endstationen in die Fahrbahn eingelassen. Der Bus hält an festgelegten Positionen, und dann fließt Strom, ohne dass Menschen gefährdet werden.

„Wir haben mit Kinderkrankheiten gerechnet“, sagte Petra Reetz von der BVG. Dass sie sich als so schwer erwiesen, sei überraschend gewesen. Trotzdem will das Landesunternehmen den Test, der bisher am 30. September enden soll, fortführen.Reetz: „Wir setzen uns beim Bundesverkehrsministerium dafür ein, dass der Test bis zum Frühjahr 2017 weitergeht“ – damit er einen Winter umfasst, der seinen Namen hoffentlich verdient. Elektrobussen gehöre die Zukunft, so die Sprecherin. „Wir wissen nur nicht, wann sie beginnt.“

Busse ohne lokale Emissionen und mit ganz geringen Fahrgeräuschen: „Diese Technik wird sich langfristig durchsetzen“, so Dietmar Göhlich. „Da bin ich mir sicher.“


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