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BVG: Mehr Fahrgäste, höhere Einnahmen, mehr Gewinn

Eine Straßenbahn der BVG.

Eine Straßenbahn der BVG.

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dpa

Berlin wächst, die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wachsen mit. Das wird sich nun auch in der Bilanz für dieses Jahr widerspiegeln. So wird die Zahl der Fahrgäste erstmals seit langer Zeit wieder die Milliarden-Marke erreichen. Nach Informationen der Berliner Zeitung gibt es außerdem bei den Fahrgeldeinnahmen einen neuen Rekord, der BVG-Gewinn steigt ebenfalls, und die Verschuldung sinkt erneut. Damit kann sich der Vorstand für dieses Jahr erneut auf zusätzliche Vergütungen freuen. Doch auch die Kundschaft müsse profitieren, forderte Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB. „Wir brauchen neue Fahrzeuge und mehr Qualität.“

Das Jahr ist noch nicht zu Ende. Doch es zeichnet sich ab, dass die BVG-Planer die Entwicklung der Fahrgastzahlen korrekt kalkuliert haben. „Nach unseren jüngsten Prognosen werden wir die Milliarde knacken“, teilte BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta mit. Dem Vernehmen nach wird die Zahl ziemlich genau 1 000 000 000 betragen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr gab es rund 978 Millionen Fahrgäste.

Eine Milliarde Reisende: Zwar ist diese Zahl noch nicht so hoch wie früher. Viele Jahre lang wurden die U- und Straßenbahnen sowie Busse in Berlin für deutlich mehr als eine Milliarde Fahrten genutzt – so war es etwa in den 1930er-Jahren und in der Nachkriegszeit. Doch im Vergleich zu den Tiefstwerten Ende der 1990er-Jahre, als die Zahl unter 800 Millionen rutschte, hat die BVG zugelegt. Nach Berlin ziehen immer mehr Menschen, die Wirtschaft beschäftigt immer mehr Arbeitskräfte. Auch die Zahl der Touristen steigt.

Volle Bahnen und Busse bedeuten auch: mehr Geld in der Kasse. Internen Prognosen zufolge erwartet die BVG, dass sich die Fahrgeldeinnahmen in diesem Jahr auf rund 659 Millionen Euro summieren werden. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist das ein Plus von 3,6 Prozent.

Rote Zahlen wird es auch in der Bilanz für 2015 nicht geben, stattdessen steht am Schluss zum zweiten Mal ein Gewinn. Das Ergebnis steigt dem Vernehmen nach von 7,4 auf etwas mehr als elf Millionen Euro – nicht ganz so viel wie geplant. Die Verschuldung des Landesunternehmens sei unter die 700-Millionen-Euro-Marke gesunken, hieß es.

Neuer Vertrag soll bis 2035 gelten

„Gute Zahlen sind kein Selbstzweck“, sagte Jens Wieseke vom Fahrgastverband. Senat und BVG müssten nun dafür sorgen, dass anders als früher kontinuierlich neue Fahrzeuge angeschafft werden. „Die U-Bahn fährt auf Verschleiß“, sagte er. Außerdem müsse der Busverkehr, der unter Unregelmäßigkeit leide, endlich stabilisiert werden.

Neue Entwicklungen sind in Sicht. Die BVG wird zu Januar 2016 eine Fahrzeugfinanzierungsgesellschaft gründen, die bis 2035 neue U- und Straßenbahnen kauft – für bis zu 3,1 Milliarden Euro. Sie verhandelt mit dem Senat zudem über einen neuen Verkehrsvertrag. Der Entwurf einer Absichtserklärung sieht vor, dass die BVG auch über 2020 hinaus alle Busse, U- und Straßenbahnen im Nahverkehr betreibt. Ihr Wunsch ist, dass der Vertrag bis 2035 gilt. Der Senat plant eine Direktvergabe, eine Ausschreibung wie bei der S-Bahn gibt es nicht.

„Dabei kann Wettbewerb zu Kostensenkungen und Angebotsverbesserungen führen – vorausgesetzt, die Bedingungen stimmen“, sagt IGEB-Vorstand Wieseke. „Warum schreibt der Senat nicht zumindest einen Teil des Busnetzes aus, zum Beispiel in Spandau?“