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Debatte um Bahntunnel in Lichtenrade: BER-Schnellbahn frühestens Mitte des nächsten Jahrzehnts fertig

Hinter hohen Wänden soll die neue Strecke die Bahnhofstraße überqueren.

Hinter hohen Wänden soll die neue Strecke die Bahnhofstraße überqueren.

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Simulation: Deutsche Bahn/ Vectorvision

Im Streit um den Neubau der Dresdner Bahn im Süden Berlins ist keine Einigung in Sicht. Während Lichtenrader weiterhin einen Tunnel fordern, hält die Deutsche Bahn (DB) an ihren Plänen für eine ebenerdige Streckenführung fest. „Wir brauchen die Strecke dringend“, sagte Alexander Kaczmarek, der neue DB-Konzernbevollmächtigte für das Land Berlin. Die direkte Verbindung zum BER und nach Dresden könnte schon nach dem jetzigen Stand erst Mitte der 2020er-Jahre fertig werden. „Wenn wir umplanen müssten, würden wir weitere zehn Jahre verlieren.“

Pfiffe für den Mann von der Bahn

Kaczmarek erlebte Mittwochabend, dass der Dialog mit dem Bürger anstrengend sein kann. Er war auf Einladung der Initiative Lichtenrade Dresdner Bahn ins Gemeinschaftshaus Lichtenrader Damm gekommen, um sich den Anwohnern zu stellen – und wurde erst einmal ausgepfiffen. Rund 400?Bürger waren gekommen, die meisten waren sehr aufgebracht.

„Ich kann verstehen, dass die Bürger Bescheid wissen und ihre Rechte wahrnehmen wollen“, sagte Kaczmarek am Donnerstag. „Doch ich halte es nicht für angemessen, gleich vom Untergang des Abendlandes zu reden“ – weil eine stillgelegte Bahnlinie neu entstehen soll. Mit einer solchen „Irrationalität“ käme er nicht zurecht.

„Wir halten unsere Planung für richtig“, bekräftigte Kaczmarek, Wie berichtet, sollen die beiden Gleise für Fern- und Regionalzüge mit der S-Bahn-Trasse hinter drei bis fünf Meter hohen Lärmschutzwänden verschwinden. „Die Lärmbelastung wird geringer als bei der Tunnelvariante sein.“ Denn die Konzepte der Bürger sähen vor, nur die Fern- und Regionalzuggleise im Untergrund zu verlegen. Die S-Bahnen sollen weiterhin oberirdisch verkehren.

In Offenburg werde ein Tunnel gebaut, um Anwohner vor Lärm zu bewahren, entgegnete Renate Künast von den Grünen. „Dieses Projekt ist mit unserem nicht zu vergleichen“, sagte Kaczmarek. Auf der Rheintalbahn gehe es um bis zu 300 Güterzüge am Tag, in Lichtenrade um maximal acht. In Berlin wurden auch andere Strecken ohne Tunnel wieder aufgebaut. Darum wären Lichterfelde oder Pankow nicht „untergegangen“.

Auch im Nordosten klagen Bürger

18 Jahre dauert das Planfeststellungsverfahren für die Dresdner Bahn schon – das ist Deutschland-Rekord. Bürger sammeln Geld, um zu klagen. Trotzdem hofft Kaczmarek, dass der Bau spätestens 2018 beginnen kann. Die Dresdner Bahn sei nicht nur als kürzeste Route zum BER wichtig, sondern auch für den Fernverkehr, sagte er. „Sie könnte genauso gut Prager oder Budapester Bahn heißen.“

Auch im Nordosten Berlins, an der Strecke nach Bernau, ist Bahnlärm ein Reizthema für die Bürger. Darum lädt der Pankower Bundestagsabgeordnete Klaus Mindrup (SPD) für Mittwoch zu einem parlamentarischen Abend ein.