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Berliner Zeitung | E-Mobility Prenzlauer Berg: Autofreier Helmholtzkiez
08. May 2014
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E-Mobility Prenzlauer Berg: Autofreier Helmholtzkiez

Sollte Prenzlauer Berg tatsächlich einem abgasfreien Monat zustimmen, gehören solche Szenen zumindest für kurze Zeit der Vergangenheit an.

Sollte Prenzlauer Berg tatsächlich einem abgasfreien Monat zustimmen, gehören solche Szenen zumindest für kurze Zeit der Vergangenheit an.

Foto:

Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Berlin -

Das Projekt schien bereits in die ferne Zukunft verschoben worden zu sein. Da melden sich die Organisatoren des Eco-Mobility-Festivals zu Wort und werben dafür, den Helmholtzkiez in Prenzlauer Berg im Mai 2015 doch noch in eine autofreie Zone zu verwandeln. Nur Elektrofahrzeuge sollen dort fahren und parken dürfen. „Dieses Festival ist eine Chance für Berlin, sich als Stadt der Zukunft zu profilieren“, sagt der Generalsekretär des Weltstädteverbandes Iclei, Gino Van Begin. Iclei organisiert weltweite Festivals für Elektromobilität. „Wir appellieren an alle Beteiligten: Vertut keine Chance, ehe sie ausgelotet ist!“

Bezirk will kleineres Testgebiet

Nach den bisherigen Plänen der Organisatoren sollen etwa 20.000 Bewohner im Helmholtzkiez einen Monat lang ihre Autos auf Parkplätzen außerhalb des Viertels abstellen und dafür nur Elektroautos oder E-Bikes nutzen. Ein Jahr lang hatten Mitarbeiter mit Bezirksstadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne) das ungewöhnliche Öko-Projekt in kleinem Kreis vorbereitet. Doch am Dienstag dieser Woche wurde es vom Bezirksamt Pankow abgelehnt, weil das Testgebiet viel zu groß sei. Nun können sich die Pankower darum bewerben, dass ihr Wohnviertel ein Monat lang zur abgasfreien Zone wird. Allerdings soll der ausgewählte Bereich viel kleiner sein als am Helmholtzplatz geplant.

Doch der Weltstädteverband Iclei wird nun selbst aktiv, und er drängelt. „Wir wollen selbst mit den Bürgern im Helmholtzkiez sprechen“, sagt Konrad Otto-Zimmermann, Kreativdirektor der Eco-Mobility-Festivals. Die Initiatoren wollen ihnen die Exklusivität des Projektes deutlich machen. „Die Bewohner können einen Monat lang eine neue Zukunft erleben. Sie müssen überlegen, ob sie einmal in ihrem Leben diese Chance haben wollen“, sagte der Umweltpolitiker und frühere Verwaltungswissenschaftler. Es gehe um ein soziales Experiment, nicht nur um ein Verkehrsprojekt. Berlin sei dafür der geeignete Ort in Europa. „Die Stadt ist innovations- und experimentierfreudig“, sagt Otto-Zimmermann.

Er weiß, wovon er spricht. Im Jahr 2013 hatte er das weltweit erste Festival dieser Art in der südkoreanischen Millionen-Metropole Suwon organisiert. Unter dem Motto „Eine Nachbarschaft, ein Monat, keine Autos“ verzichteten die 4300 Bewohner eines Stadtteiles auf ihre Autos. Mehr als eine Million Menschen besuchten in dieser Zeit das Viertel, und die Stadtverwaltung erneuerte in dieser Zeit für neun Millionen Euro das gesamte Straßennetz im Gebiet.

Otto-Zimmermann musste die Südkoreaner anfangs von der Idee überzeugen. „Als unser Projekt bekannt wurde, gab es viel Protest“, sagt er. „Als der Monat vorbei war, weinten viele, als die vielen Autos wieder durch das Viertel fuhren.“ Im Jahr 2016 soll die Aktion in Südafrika oder Taiwan fortsetzt werden. Doch aktuell geht es um Berlin.

Nächste Woche will das Team um Otto Zimmermann in Prenzlauer Berg nach Räumen suchen, die sich für eine Anwohnerversammlung eignen. In der Schliemannstraße 34 eröffnet ein Infobüro. Dort können sich Anwohner von Dienstag bis Sonnabend (10–16 Uhr) über das Festival informieren. „So ein Projekt funktioniert nur mit den Bürgern“, sagt Otto-Zimmermann. Bis zum April 2015, so der Zeitplan, können sich Anwohner und Gewerbetreibende an der Vorbereitung beteiligen. Auf den autofreien Straßen stehen dann im Mai 2015 Bühnen für Theater und Musik, Restaurants und Cafés im Viertel können die leeren Parkplätze nutzen.

„Doch nichts ist festgelegt“, sagt Otto-Zimmermann. Möglich sei, das bisher vorgeschlagene Areal (Stargarder Straße, Pappelallee, Danziger Straße, Prenzlauer Allee) zu verkleinern, wenn es die Anwohner wünschen, auch zeitliche Verschiebungen sind denkbar. Die geschätzten Kosten von rund drei Millionen Euro wollen die Organisatoren durch Partner und Sponsoren abdecken. So können sich Hersteller von Elektroautos und E-Bikes sowie Car-Sharing-Firmen präsentieren.

Für den Pankower Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) ändert die Argumentation der Iclei nichts an seiner Entscheidung vom Dienstag. „Das Vorhaben ist tot“, bekräftigte er. Ohne die Zustimmung des Bezirks wäre das Festival nicht durchführbar. „Der Bezirk ist die Genehmigungsbehörde.“

Indes können sich die Organisatoren auf die Unterstützung des Berliner Senats verlassen. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gilt als Unterstützer der Aktion. Berlin müsse bis zum Jahr 2020 zum anerkannten Vorbild der Elektromobilität werden, sagt er.