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Internationale Zugverbindungen fallen weg: Bahnreisende kämpfen für Strecken

Der Nachtzug in die Ukraine, hier im Bahnhof Zoo, gibt es schon nicht mehr.

Der Nachtzug in die Ukraine, hier im Bahnhof Zoo, gibt es schon nicht mehr.

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imago/epd

Gegen den angekündigten Kahlschlag bei den internationalen Bahnverbindungen von und nach Berlin regt sich Protest. Mit einer Petition wollen Fahrgäste die Streichung des Pariser Nachtzugs verhindern, eine andere fordert den Erhalt der Nachtverbindung von und nach Kopenhagen. Michael Cramer, Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Europäischen Parlaments, unterstützt die Petitionen. „Die Bahnen wollen den Nachtverkehr abschaffen – damit rollen sie ihrem ärgsten Konkurrenten, dem Luftverkehr, den roten Teppich aus“, sagt der Grünen-Politiker aus Berlin.

Abends im Schlaf- oder Liegewagen zu Bett gehen, morgens im Ausland aufwachen: Das ist ein Reisekonzept, das in Zeiten der Billigflieger antiquiert wirkt. Und längst nicht jeder schläft gut im Zug. „Trotzdem ist die City Night Line zwischen Berlin und Paris immer gut gebucht“, erzählt Thomas Trieu aus Schöneberg, der den Frankreich-Zug selber nutzt. Ein Blick ins Internet zeigt: In dieser Woche sind Sparangebote bereits Mangelware oder ausverkauft, zum Teil sind die Sitz- und Liegewagen ausgebucht.

Nach Breslau nur noch per Bus

Trieu, der im Institut Français arbeitet, findet das nicht verwunderlich. „Im Zug habe ich das Gefühl, dass ich wirklich verreise. Ich mag es, in Berlin einzuschlafen und in Frankreich anzukommen“, sagt der 38-Jährige. Schon öfter hat er interessante Mitreisende getroffen. „Und als Frühbucher bekommt man niedrigere Tarife als im Flugzeug.“

Doch trotz guter Auslastung soll der Nachtzug zwischen Hamburg, Berlin und Paris zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember eingestellt werden. Wie berichtet entfällt auch die Nachtverbindung nach Kopenhagen, die Wagen aus Prag–Berlin mitführt. Die City Night Line via Berlin nach Amsterdam endet in Köln. „Wir arbeiten an einem Konzept für die Zeit ab Dezember 2015, um dieses Geschäft zukunftsfähig zu machen und Nachtzüge zu erhalten“, sagte eine Bahnsprecherin. Aber erst einmal müsse weiter gespart werden – bei den drei unwirtschaftlichsten Verbindungen, die 2013 bei einem Umsatz von 48 Millionen Euro ein Defizit von zwölf Millionen Euro verbucht hätten.

Dass die Züge trotz guter Auslastung keine Gewinne einfahren, hat mit den hohen Kosten zu tun. Für die Nutzung der Strecken und Stationen werden Entgelte fällig, während Fernbusse mautfrei fahren. Auf Strecken ins Ausland zahlen Zugbetreiber zahlen Mineral-, Öko- und Mehrwertsteuer, Airlines nicht.

Betriebliche Gründe treiben die Aufwendungen weiter in die Höhe. So sind die Nachtzüge in Dänemark die letzten Fernzüge, die nicht als Triebwagen verkehren, sondern von Loks gezogen werden. Deren Vorhaltung kostet immer mehr Geld. Zudem stehen 2015 in Dänemark Bauarbeiten an. Auch der französischen Bahn SNCF passen Nachtzüge nicht ins Betriebskonzept.

So fallen immer mehr internationale Züge weg – allen Slogans vom Zusammenwachsen Europas zum Trotz. In Berlin sind auch Verbindungen am Tag betroffen. So fahren der einzige Zug nach Wrocław (Breslau) und der Eurocity nach Wien am 13. Dezember zum letzten Mal. In den vergangenen Jahren büßte Berlin viele durchgehende Nachtverbindungen ein – etwa nach Südtirol, Stuttgart, Krakau, Kiew und Riga.

Thomas Trieu und andere Fahrgäste wollen die Streichungen nicht hinnehmen. Unter der Internetadresse www.change.org/berlinparis sammeln sie Unterschriften für eine Petition an die Chefs der Bahn und der SNCF, Rüdiger Grube und Guillaume Pepy. 1200 Menschen haben schon unterzeichnet. Eine weitere Petition (www.petitions24.com) fordert den Erhalt des Kopenhagen-Nachtzugs. Michael Cramer: „Wir brauchen mehr grenzüberschreitenden Verkehr, nicht weniger.“