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Berliner Zeitung | JVS in Moabit und Schöneberg: Zwei weitere Verkehrsschulen in Berlin müssen schließen
24. October 2014
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JVS in Moabit und Schöneberg: Zwei weitere Verkehrsschulen in Berlin müssen schließen

Eine Kreuzung ganz ohne Autos – das gibt’s in Berlin nur in Verkehrsschulen.

Eine Kreuzung ganz ohne Autos – das gibt’s in Berlin nur in Verkehrsschulen.

Foto:

AKUD/Lars Reimann

Berlin -

In einer Stadt mit viel Autoverkehr und breiten Straßen müssen Kinder früh lernen, sich zurecht zu finden. Besondere Hilfe bieten hier die derzeit noch 24 Jugendverkehrsschulen (JVS) an. Das sind abgezäunte Grundstücke, auf denen sich Grundschüler in einem geschützten Raum als Fahrradfahrer erproben können. So auch bisher in der JVS Moabit in der Bremer Straße.

Auf gut 6000 Quadratmeter Fläche sind dort auch ein Kreisverkehr und eine Ampelkreuzung nachgebaut worden. Schüler können sich vor Ort gelbe Fahrräder ausleihen und dabei die gängigen Verkehrsregeln einüben. Rechts vor links, Handzeichen geben und dabei stets das Gleichgewicht halten. Doch die Jugendverkehrsschule soll nun geschlossen werden und an den Liegenschaftsfonds gehen. Das hat Schulstadträtin Sabine Smentek (SPD) verkündet. Bald könnte hier innerhalb des S-Bahn-Ringes ein siebenstöckiges Wohnhaus gebaut werden, woran die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewobag großes Interesse hat.

Auch die JVS in Schöneberg muss wohl schließen

„Wir verstehen nicht, wieso die Verkehrssicherheit von Kindern so gering geschätzt wird“, sagt Harry Hensler von der Initiative zum Erhalt der Jugendverkehrsschule. Gerade in der Innenstadt müsse die Mobilitätserziehung groß geschrieben werden. Doch auch die zweite JVS in Mitte, in der Berolinastraße, ist längst geschlossen, auch dort soll gebaut werden. Nur in Wedding gibt es jetzt noch eine kleine JVS für den ganzen, von Verkehrsschneisen durchzogenen Bezirk. Auch in anderen Bezirken stehen die Verkehrsschulen unter Druck, die JVS am Voralberger Damm in Tempelhof-Schöneberg soll ebenfalls aufgegeben werden. Unklar ist noch, ob ein Ersatzstandort gefunden werden kann.

Das Hauptproblem scheint, dass einige JVS wegen schlechter Ausstattung nicht wirklich ausgelastet sind, auch die Verkehrsschule in Moabit wurde nur von wenigen Grundschulen tatsächlich genutzt. Die Bezirke haben die Einrichtungen aus schierer Finanznot jahrelang vernachlässigt, höchstens mal ein Ein-Euro-Jobber war für den Betrieb zuständig. Kamen Lehrer mit ihren Kindern in die Bremer Straße, mussten sie den Schlüssel für die JVS erst einmal an der nahen Bolle-Grundschule abholen. Auch die Berliner Polizei hat bei den Präventionsbeauftragten, die Fahrradprüfungen abnehmen, gespart.

Die Politik hat inzwischen erkannt, dass mit diesen großen Flächen etwas passieren muss. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung prüft derzeit im Rahmen des Verkehrssicherheitsprogramms 2020, ob und wie eine neue, zentrale Trägerschaft für die Jugendverkehrsschulen geschaffen werden kann. Dies teilte Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) auf eine parlamentarische Anfrage hin mit. Denkbar sei, dass ein Konsortium mehrerer Organisationen als freier Träger fungiere. In Charlottenburg-Wilmersdorf kooperiert bereits die Landesverkehrswacht mit den Bezirk, um die dortigen Jugendverkehrsschulen zu betreiben.