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Mit der Straßenbahn zum Zoo und nach Spandau

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Die Straßenbahn, wie hier an der Schönhauser Allee, ist beliebt bei Berlinern.

Foto:

imago/Jürgen Ritter

Das Konzept lässt sich mit vier Wörtern zusammenfassen: nicht kleckern, sondern klotzen. Die Forderung lautet: Das Berliner Straßenbahnnetz müsse massiv ausgebaut werden – vor allem im Westen der Stadt.

In Zukunft sollen die gelben Züge auch zum Bahnhof Zoo, nach Spandau, Staaken, Steglitz, Marienfelde, Reinickendorf, zum Hermannplatz und ins Entwicklungsgebiet auf dem heutigen Tegeler Flugfeld fahren. Auch in Pankow und Mitte soll es neue Tram-Trassen geben. So steht es in dem Positionspapier „Straßenbahn in Berlin 2030 plus“, das der Fachausschuss Mobilität der SPD Berlin zur Diskussion stellt.

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Zehn Millionen Euro pro Kilometer

„Berlin wächst. Die Verkehrsplanung muss darauf reagieren“, sagt Sven Heinemann. Der Friedrichshainer SPD-Abgeordnete ist nicht nur Haushaltspolitiker, sondern auch im Fachausschuss Mobilität aktiv. Der Senat müsse zügig damit beginnen, die Erweiterung des Verkehrsangebots vorzubereiten. „Da ist die Straßenbahn oft die beste Option“, meint Heinemann.

So seien die Baukosten, rund zehn Millionen Euro pro Kilometer, günstig – für dasselbe Geld bekäme man gerade mal hundert Meter U-Bahn. Leistungsfähig sei die Straßenbahn auch, pro Stunde könnten bis zu 12.000 Menschen befördert werden.

Wichtig sei zudem, dass sie bei den Fahrgästen beliebt ist – zum Beispiel dort, wo sie überlastete Buslinien ersetzt. Die Fahrt sei angenehmer und oft schneller als im Bus. Wo immer in Berlin Straßenbahnstrecken neu entstanden, seien die Züge voll – was sich zuletzt auf der Neubautrasse zum Hauptbahnhof zeigte.

100 Millionen Euro pro Jahr

Doch weil das geltende Recht viele langwierige Planungsschritte erfordert, in der Verwaltung aber Fachleute fehlen, geht der Ausbau nur langsam voran. Die dringend erforderliche Netzerweiterung könne „bei gleichbleibender Herangehensweise nicht annähernd in der notwendigen Weise erfolgen“, heißt es in dem SPD-Papier.

Mehr Planer seien erforderlich, um das Tempo zu erhöhen. Nötig sei aber auch, dass das bisherige Senatskonzept im Stadtentwicklungsplan Verkehr fortgeschrieben wird. Darum fordern die Berliner SPD-Verkehrsexperten ein Sonderprogramm zum Ausbau der Straßenbahn, kurz SPAS. Jahr für Jahr soll das Streckennetz um fünf bis zehn Kilometer größer werden. „Der finanzielle Rahmen beträgt damit zirka 100 Millionen Euro jährlich“, lautet die Rechnung.

Heinemann ist klar, dass die Umsetzung lang dauern wird. „Es handelt sich um ein mittel- und langfristiges Konzept, das sicher sehr ambitioniert ist“, sagt er. Klar sei auch, dass es Kritik von Autofahrern geben wird.

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Als die Straßenbahn  durch ganz Berlin fuhr: Moritzplatz in Kreuzberg 1903.

Foto:

imago/Arkivi

In West-Berlin, wo die „Elektrische“ bis 1967 Zug um Zug stillgelegt worden ist, wünschen sich viele Menschen die Straßenbahn nicht zurück. Manch ein Autofahrer hat Angst, in den Osten der Stadt zu fahren – weil dort Straßenbahnen Autos den Platz streitig machen. In Hamburg gab es ebenfalls ambitionierte Pläne. Doch sie stießen auf Gegenwind, und die Straßenbahn-Konzepte wurden wieder eingemottet.

„Man muss mit allen reden. Aber man wird es nicht allen recht machen können“, meint Heinemann, selbst Autofahrer. Die wachsende Metropole könne ihre Verkehrsprobleme nicht lösen, ohne Schienenstrecken zu bauen. So sei die Straßenbahn „zwingend notwendig“, damit die Entwicklung des heutigen Tegeler Flughafengeländes ein Erfolg werde.

Senat arbeitet an Konzept

Auch der Fahrgastverband IGEB und die Arbeitsgemeinschaft Mobilität der Grünen haben Pläne zum Tram-Ausbau vorgelegt. Beim SPD-Konzept handele es sich „um einen fundierten Gesamtansatz mit interessanten Aspekten und Kriterien für eine stadtweite Ausbauplanung“, lobt Petra Rohland, die Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). „Wir werden das intern bewerten und gegebenenfalls in die weitere Arbeit mit aufnehmen.“

Zunächst würden die bisherigen Pläne verwirklicht. Neue Strecken soll es in Moabit, zum Ostkreuz und nach Adlershof geben. Rohland kündigte aber an, dass der Stadtentwicklungsplan Verkehr fortgeschrieben wird. „Dann wird es auch eine Aktualisierung des Ausbaukonzepts geben.“



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