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Neue Grottkauer Straße wird Kienberg: U5-Station bekommt dritten Namen in 27 Jahren

Mit neuem Schwung: So soll das Zugangsgebäude des heutigen U-Bahnhofs Neue Grottkauer Straße nach dem Umbau aussehen.

Mit neuem Schwung: So soll das Zugangsgebäude des heutigen U-Bahnhofs Neue Grottkauer Straße nach dem Umbau aussehen.

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BVG/Simulation

Es gibt nicht nur neue Fliesen, einen neuen Bodenbelag und erstmals in der Geschichte dieser Station einen Aufzug. Der U-Bahnhof Neue Grottkauer Straße, der jetzt anlässlich der Internationalen Gartenausstellung (IGA) einer millionenteuren Schönheitskur unterzogen wird, erhält auch einen neuen Namen – wieder mal, denn es ist nicht die erste Umbenennung. Ab 11. Dezember steht auf den Schildern „Kienberg“ und darunter, etwas kleiner „Gärten der Welt“. Nicht nur an der U 5 im Nordosten Berlins müssen sich Fahrgäste umgewöhnen. Aller Voraussicht nach wird auch der U-Bahnhof an der U 3 im Südwesten der Stadt zum Fahrplanwechsel einen neuen Namen bekommen: Freie Universität.

Fünfeinhalb Jahre ist Sigrid Evelyn Nikutta schon Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). „Doch dies ist das erste Mal, dass ich mit einer Umbenennung zu tun habe“, sagte die 46-Jährige. Künftig wird der U-Bahnhof in Hellersdorf nach der nahe gelegenen Erhebung heißen – und dem angrenzenden Park, in dem sich Gartenkunst aus allen Kontinenten erleben lässt.

Kein Kombiticket für die IGA

Den U-Bahnhof gibt es im Dezember zwar erst seit 27 Jahren, doch dann erhält er schon den dritten Namen – das ist rekordverdächtig. Als in der relativ einfach gehaltenen Anlage am 1. Juli 1989 erstmals eine U-Bahn hielt, hieß sie Heinz-Hoffmann-Straße – nach dem Armeegeneral und langjährigen Verteidigungsminister der DDR. Weil Menschen wie er mit der Wende als Namensgeber aus der Mode kamen, kam die erste Umbenennung. Am 3. Oktober 1991 wurden neue Schilder aufgehängt: Neue Grottkauer Straße. Aber kaum jemand kennt die kleine Stadt Grottkau, die seit 1945 in Polen liegt und Grodków heißt.

Ähnlich verhält es sich mit dem U-Bahnhof Thielplatz in Dahlem. Der Name soll an den preußischen Ministerialdirektor Hugo Thiel erinnern, der einst an der Flächenaufteilung der Domäne Dahlem mitgewirkt hatte. Ein ehrenwertes Motiv für eine Benennung, doch zur Orientierung eignet sich die Bezeichnung jedoch kaum. Denn die meisten Fahrgäste wollen zur benachbarten Freien Universität.

Thielplatz wird zu „Freie Universität“

Nun sieht es so aus, als ob die Forderung der Hochschule und des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf zum dritten Advent wahr wird. Denn Nikutta schloss nicht aus, dass der Bahnhof dann umbenannt wird. „Wahrscheinlich werden wir das machen“, sagte die Chefin. „Wenn wir zur selben Zeit einen weiteren Bahnhof umbenennen, erhöht das nicht die Kosten“, so BVG-Sprecherin Petra Reetz. Ob in Liniennetze und andere Drucksachen ein oder zwei neue Namen eingearbeitet werden, sei doch egal.

Zurück zum U-Bahnhof Neue Grottkauer Straße: Hier handele es sich nicht um irgendeine Station am Rand, sagte Stefan Komoß, Bezirksbürgermeister von Marzahn-Hellersdorf. Die IGA 2017, die am 13. April 2017 beginnt und 186 Tage dauert, „ist im kommenden Jahr das zentrale touristische Ereignis in Berlin“. Dieser U-Bahnhof werde die Stelle sein, an der täglich mehrere Tausend Besucher ankommen, sagte der SPD-Politiker. IGA-Chef Christoph Schmidt: „Wir rechnen mit 2,4 Millionen Gästen, von denen 45 Prozent mit dem Nahverkehr anreisen werden.“ Kombitickets, bei denen IGA-Eintritt und BVG-Fahrt gleichermaßen enthalten sind, gibt es zum Leidwesen von Nikutta nicht. Über die Verteilung der Kosten gab es bisher keine Einigung.

„Großartige Leistung der DDR“

Auch die BVG sieht die Bedeutung der Station. „Deshalb werden wir 7,5 Millionen Euro investieren“, sagte Uwe Kutscher, Bau-Chef der U-Bahn. Das Projekt ist vor allem deshalb so kostspielig, weil die aus DDR-Zeiten stammende Technik ausgetauscht wird. Der Bauingenieur hat die Pläne mit einem Kollegen entworfen: „Hier gibt es keine Stararchitekten.“ Die Anlage werde heller und freundlicher, geschwungene Stahl-Glas-Konstruktionen stellen künftig die Zugangsgebäude dar. Die Glasbausteine landen auf dem Schutt, wie auch die grünen Fliesen. „An diesem Donnerstag geht es los“, kündigte Uwe Kutscher an.

Bis Ende August wird das nördliche Zugangsgebäude gesperrt. Kutscher lobte die „großartige Leistung der DDR“. In kurzer Zeit wurde die heutige U5 um fast sieben Kilometer verlängert. Ein DDR-Relikt bleibt erhalten, bekräftigte Kutscher: die Rampe von der Straße hinunter zur Bahnsteigebene. „Nach heutigen Normen ist sie zwar viel zu steil. Doch die Rampe bleibt.“ Es hatte schon vorsorglich Proteste gegeben.